Heute war Tourstart um 8:00, also ab zum Frühstück gegen halb 7. Ich hatte mich mittlerweile an den Lift gewöhnt, durch seine Verspieglung vergehen die acht Stockwerke wirklich schnell. Auch hier gab es eine ähnliche Auswahl an deftigen Gerichten. Ich entschied mich wieder für ein Omelett und etwas Gemüsereis dazu. Der war hier nicht so geschmackvoll wie im letzten Hotel. Ein Stück Wassermelone musste auch noch sein, die Banane nahm ich mir für später mit. Übrigens versuchte ich mein Frühstück seit dem Stäbchenunterricht auch mit diesen zu essen.


Ich besorgte mir noch Wasser im gegenüberliegendem Supermarkt, um für die nächsten beiden Tage versorgt zu sein. Dann wurde ich von Anh und den Kanadiern abgeholt. Während der Fahrt erfuhren wir, dass in Ho Chi Minh, ehemalig Saigon, 13 Millionen Menschen leben. Also kein Wunder, dass hier der Verkehr genauso verrückt war wie in Hanoi. Außerdem erklärte uns Anh einiges über das Mekong Delta, wo unser heutiges Ziel lag. Es ist mit seinen 17 Millionen Einwohnern das größte Delta in Vietnam. Der Mekong Fluss entspringt in China und durchläuft insgesamt 6 Länder, Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha gehören auch dazu. Neben Obst, Honig und Kokosnussprodukten zählt Reis hier zu einem der wichtigsten Güter. Pro Jahr können 3 Ernten durchgeführt werden, im Vergleich sind in Nordvietnam aufgrund des anderen Klimas nur 1-2 Ernten pro Jahr möglich. 90 Tage dauert ungefähr ein Zyklus vom Anbau bis zur Ernte.
Während der zweistündigen Fahrt stoppten wir wieder bei einer Bambusmanufaktur, wo wir den happy room nutzten. Im Mekong-Delta angekommen, stiegen wir zuerst auf ein kleines Boot, welches uns zu einer der vier Inseln hier brachte, genannt Einhorninsel. Die Gezeiten können den Wasserstand hier um 1,5m verändern. Das Gewässer sei auch reich an Fischen. Wir befanden uns hier relativ mittig zwischen Kambodscha und dem Pazifik.





An der Insel angekommen, war der erste Halt eine Honigfarm. Wobei uns im Endeffekt nur einige Bienen gezeigt wurden, die man auch hochhalten durfte und anschließend eine Produkvorführung inklusive Teeverkostung statt fand. Von Honig, über getrocknete Bananen bis hin zu einer heiligen Paste, die das Leben verlängern sollte wurde uns alles zum Kosten gegeben. Die Produkte waren auch alle echt gut, aber bei uns haben sie keine Käufer gefunden. Eine Schlange gab’s dann auch noch zu betrachten, wobei ich keine ordentliche Antwort auf die Frage, ob sie auf der Speisekarte stand, bekam.







Dann gings weiter mit, naja es als Pferdekutsche zu bezeichnen wäre auch irgendwie falsch, aber halt eine Art Karren, der von einem viel zu kleinem Pferd gezogen wurde. Das hatten die Kanadier ausgewählt. Uns tat schlussendlich das Pferd schrecklich leid, da es gar nicht happy aussah.





Nächster Halt war eine Folk Musik Vorführung inklusive Obstverkostung. Wir bekamen Wassermelone, Ananas, Babybananen, Grapefruit und etwas grünes, was ich mir nicht gemerkt habe, alles sehr lecker.








Während unseres Aufenthalts auf dieser Insel, sahen wir auch Gräber in den Gärten der Familien. Dabei erfuhren wir das die Toten hier erst nach 2 Wochen begraben werden würden und da es kein Leichenkühlhaus gibt, werden sie bis dahin in grünen Tee eingelegt.

Danach gings mit kleinen Ruderbooten weiter zum nächsten Stopp, einer Kokosnussmanufaktur. Diese Fahrt war definitiv sehr idyllisch und das Highlight der heutigen Tour. Wir bekamen die Bambushüte aufgesetzt und wurden durch Kokosnussbäume in einem engen Kanal chauffiert.








Die Kokosnüsse werden zuerst geöffnet, dann gepresst, so dass die Milch herauskommt. Anschließend wird diese mit Karamell und Zucker vermischt und 45 Minuten gekocht. Dann wird die Masse in Form gebracht und verpackt. Die Geschwindigkeit der Verpackerinnen war echt beeindruckend. Der Geschmack des Konfekts war aber nicht meiner, vor allem klebt das Zeug viel zu sehr auf den Zähnen.








Danach gings wieder auf das größere Boot mit dem wir auf eine andere Insel fürs Mittagessen gebracht wurden. Diese hieß Schildkröten Insel. Es gab wieder ein 7 Gänge Menü, so wie auch beim letzten Mal als ich mit den Kanadiern unterwegs war. Für mich war natürlich wieder alles in vegetarischer Variante, obwohl mich der Elefantenohrfisch schon beeindruckte. Der wurde von den Kellnerinnen dann vor unseren Augen “entschuppt” und zu Springrolls verarbeitet. Für mich gab’s Gemüsesuppe, Gemüsereis, Springrolls, Gemüsepancakes und Wassermelone. Das Essen war hier echt lecker, nur wieder mal viel zu viel.












Abschließend gings mit dem Boot und einer Kokosnuss wieder retour zum Ausgangspunkt. Anh zeigte mir auf seinem Handy eine Liveübertragung einer Pool Billard Weltmeisterschaft, die gerade jetzt in Ho Chi Minh statt finden würde. Morgen wird das Finale gespielt. Er selbst wäre vor 2 Tagen als Zuseher dort gewesen. Ich scherzte und meinte, wenn mein Vater und Bruder mit wären, hätte er die Tour ändern müssen und uns dort hin bringen müssen. Er meinte dann, wenn er in Österreich leben würde, wäre ich keine Singledame. Also auf den Mund gefallen ist er auf jeden Fall nicht.



Am Ufer gönnte ich mir dann endlich meinen eignen Bambushut, ich wollte ihn davor nicht kaufen, um ihn nicht auf den Inlandsflügen herum schleppen zu müssen. Der wird zu Hause wahrscheinlich meine Schlafzimmerwand verschönern. Die Wahl viel mir aufgrund der großen Auswahl aber echt schwer. Schlussendlich habe ich mich dann für Schwarz-Weiß und gegen bunt entschieden.

Am Weg retour hielten wir noch an einer sehr prächtigen Pagode, Chua Vinh Trang. Die gefiel mir ehrlich gesagt von allen am besten. Aber nicht aufgrund der riesigen Figuren rund herum, sondern der Innenbereich hatte hier irgendwas besonderes.






Draußen stellten wir dann noch die Pose des sitzenden lachenden Buddahs nach. Als mich plötzlich eine Hand von der Seite packte. Ich vermute mal es waren wieder chinesische Damen, auf jeden Fall asiatischen Ursprungs. Die haben gar nicht gefragt, ob sie ein Foto schießen können, zumindest in keiner Sprache, die ich verstand. Die eine hat mich am Arm gehalten und die andere hat schon abgedrückt, gerade dass ich noch ein Lächeln aufsetzen konnte. Dann tauschten sie die Plätze, die Dame ging dann noch weiter und hielt ihre Hand auf meinen Bauch. Sie meinten nur “beautiful”…Ich fragte mich, ob ich leicht schwanger aussehe. Also die Begegnung war schon etwas eigenartig, vor allem laufen sie mit Masken herum, aber dann greifen sie fremde Personen an, wer weiß welche europäischen Viren ich für sie habe. Vielleicht muss ich meine Chinareisepläne nochmal überdenken oder mir einen männlichen Bodyguard mitnehmen. Nun wollte Anh auch noch ein Foto mit mir, ich erfüllte ihm seinen Wunsch.






Dann war ich aber bereit zurück zum Hotel zu fahren. Mit den Kanadiern wurden noch Kontaktdaten ausgetauscht, da das eine Paar eine eigene kleine Farm mit Direktvermarktung in Ontario hat. Sie meinten, ich solle sie besuchen kommen und dann fahren wir gemeinsam zu den Niagara Fällen. Das eine Paar habe auch eine Motorradtour in Europa geplant, wo ich sie herzlich nach Österreich einlud. Mit ihrem Akzent kam ich echt gut klar zum Glück.
Nun war es an der Zeit im Hotel die Postkarten zu schreiben und die Reste des Knoblauchnaan von gestern zu verspeisen. Diese wollte ich in den Briefkasten schmeißen am Weg zu einer Bar. Eigentlich hätte ich davor gecheckt, dass das alte Postamt hier bis 19:00 offen hat, nur irgendwie zeigte es mir dann doch an, dass es um 18:00 Uhr schon zugemacht hätte. Da es nun zu regnen begonnen hatte, wollte ich nicht ewig auf der Suche nach einem Briefkasten herumirren. Also fragte ich an der Rezeption nach. Ich glaube niemand schreibt heutzutage mehr Briefe. Sie meinte in diesem Bezirk gäbe es keine Briefkästen und ich solle es morgen auf dem Postamt probieren. Aber morgen sei Sonntag und laut Plan wären diese da geschlossen. Jetzt wurde ich leicht nervös, hatte ich ja doch einige Karten geschrieben. Die Dame war zwar echt hilfsbereit, aber die einzige Stelle mit Briefkasten wäre 1h zu Fuß entfernt. Ich beschloss es trotzdem beim Postamt zu probieren, die müssen doch einen Briefkasten davor haben. Also marschierte ich los und 20 Minuten später konnte ich meine Postkarten in einem Briefkasten vor einer kleinen Post aufgeben.

Nun konnte ich beruhigt in die Bar spazieren, die ich davor herausgesucht hatte. Es handelte sich um eine versteckte japanische Bar. Ich wohne hier irgendwie im japanischen Viertel, überall japanische Lokale. Die Bar war aber echt nicht leicht zu finden, ohne die Google Rezensions-Beschreibung unmöglich. Man geht in einen Supermarkt und muss dann zwei Stockwerke hoch. Erst im Stiegenhaus des zweiten Stockwerks hängt ein Schmierzettel mit “hier oben sind nicht die Toiletten, sondern eine Bar”.


Mir wurde die Tür freundlich geöffnet und da es noch relativ früh für einen Barbesuch war, hatte ich freie Platzwahl. Aber zuerst musste ich hier mal den Ausblick auf die beleuchtete Brücke und die ganzen Anime Figuren bestaunen. Hier lief im TV statt Sport ein Anemie. Sowas habe ich auch noch nie erlebt. Die Getränkekarte war wie ein Manga aufgebaut, nur laß man schon von vorne nach hinten und nicht umgekehrt wie sich das eigentlich gehört, dann sollte ich es wahrscheinlich als Comic bezeichnen. Es gab hier sehr spezielle Cocktails, sodass ich den Barkeeper um Hilfe bei der Auswahl bat. Er war sehr freundlich und empfahl mir einen Nadeshiko aufgrund meiner Bitte etwas fruchtiges aber nicht zu süßes. Der Cocktail war echt gut, er meinte er habe ihn süßer gemacht als normalerweise, da hat er echt meinen Geschmack getroffen. Da noch nichts los war, hatte er Zeit sich mit mir zu unterhalten, sein Englisch war zum Glück ganz okay. Wir sprachen kurz über Animes und die Bar selbst. Wieder erstaunten mich die Umstände hier in Vietnam, sein großer Traum war, ganz Vietnam zu bereisen eines Tages. Er wäre noch nie außerhalb von Ho Chi Minh City gewesen. Da kommt man echt ins Nachdenken.


Einen weiteren Cocktail genehmigte ich mir dann noch. Dieser war noch fruchtiger und hatte einen Geschmack, den ich noch nie zuvor probiert hatte. Die beiden Cocktails waren aber relativ stark, so dass ich entschied dann lieber zurück ins Hotel zu gehen. Ohnehin hatte ich morgen einen anstrengeden Tag vor mir, da erst am Abend die Heimreise, die über 24h dauern würde, beginnt.

Die Bar wurde mittlerweile voller und so störte es mich gar nicht den Heimweg anzutreten. Der Regen hatte zum Glück aufgehört, so dass ich mit Ho Chi Minh doch noch friedlich abschließen konnte. Bisher hatte es mir hier nämlich nicht sonderlich gefallen. Ich wagte mich sogar noch einmal über die viel befahren Straße von gestern um von der beleuchteten Brücke ein Bild zu schießen. Ja schon wieder eine Brücke, irgendwie catchen mich die immer.



Im Hotel retour gab’s dann wie am Vortag nur eine kalte Dusche, das ist zwar hier nicht sonderlich schlimm bei den Temperaturen, aber etwas wärmer hätte das Wasser schon sein können. Auch die Bauweise der Toilette inklusive Dusche war hier eigenartig, da beim Duschen auch der Toilettenbereich nass wird. Heute gings zur Abwechslung schon gegen 23:00 Uhr ins Bett, denn ich war wirklich richtig müde und die Temperatur und Lautstärke der Klimaanlage hatte ich auch endlich für mich perfektioniert.




