Heute hätte ich echt noch liegen bleiben wollen, aber um 8:00 Uhr war Abfahrt und davor musste ich noch auschecken. Zum letzten Mal viatnamesisches Frühstück, wo ich mir zusätzlich zu meinem Standardprogramm heute einen “dumpling” gönnte, was übersetzt Knödel bedeuten würde, jedoch eher wie eine superweiche süße Wuchtel schmeckte. Ich nahm mir zwei Wuchteln und eine Banane für den Nachmittag mit.


Nachdem ich alles an Gepäck verstaut hatte, gab ich dieses bei der Rezeption ab und machte mich mit meinem Tagesrucksack auf den Weg zur heutigen Tour. By the way die Hälfte der Klamotten habe ich nicht gebraucht. Da das mein erstes Mal in Asien war, war mir nicht klar, dass es dauernd so warm sein würde. Naja das nächste Mal weiß ich bescheid. Hier noch der Beweis, dass von allen Dong Scheinen Ho Chi Minh herunter lacht.




Der heutige Tourguide war auch sehr humorvoll. Er machte einen Scherz nach dem anderen. Die Tourfamily, so nannten die Guides die Gruppen hier immer “my family”, bestand aus zwei australischen Paaren, einem jüngeren Mann aus London, einem asisiatischen Paar und einem neuseeländischem Paar. Die Australier und der Engländer sprachen so schnell, dass ich kaum mitkam und öfter nachfragen musste. Auf der zweistündigen Fahrt sprach der Guide darüber, dass der Verkehr hier einfacher für uns wäre, wenn wir mehr Bier trinken würden, da wir dann flexibler seien und besser den Mopeds ausweichen würden können. Außerdem sei das Bier hier billig und es wäre gut, wenn wir all unser Geld hier lassen würden, denn die Vietnamesen würden es gut gebrauchen können.
Er wäre auch begeistert von der westlichen Welt, da hier Paare immer Händchen halten würden, egal wie lange sie schon zusammen sind. In Vietnam machen das die Menschen nur in der Verliebtheitsphase zu Beginn, dann nie wieder. Seine Theorie dazu ist ja, dass die Männer Angst vor dem Verkehr hier hätten und sich deshalb an die Frauen klammern würden.
Außerdem würden in Vietnam die Männer kochen und das Erste nach dem Schulabschluss sei, eine Kochlizenz zu bekommen, sonst bleibt man Single.
Dann erklärte er uns natürlich auch noch einiges zu den Cu Chi Tunnel, die wir heute besuchen würden. Er würde mit uns durch einige Tunnel gehen und schauen, dass wir so richtig müde werden. Die Vietnamesen haben ein massives Tunnelsystem errichtet in einigen Teilen von Vietnam, um so den amerikanischen Truppen die Stirn zu bieten. Die Bevölkerung hier ist um einiges kleiner und zarter gebaut, somit konnten die amerikanischen Soldaten mit ihrer ganzen Montur nicht folgen. Außerdem dienten sie den Vietnamesen als gutes Versteck. Um mit dem Sauerstoff keine Probleme zu bekommen, verbrachten sie die Nächte meist an der Oberfläche, da die Amerikaner nur tagsüber angriffen. Insgesamt haben fast 50.000 Menschen ihr Leben in den Cu Chi Tunneln gelassen. Manchmal wurden Teile der Tunnel mit Kerzen beleuchtet als Orientierungshilfe, diese nahmen aber auch Sauerstoff weg.
In der Mitte der Strecke hielten wir wieder für den happy room und natürlich gab’s hier auch wieder eine Touristenattraktion. Diesmal zeigten uns Menschen, die aufgrund von Agent Orange, dem Gift, das die Amerikaner zu Unmengen während des Krieges versprüht hatten und damit auch die Umwelt zerstörten, teilweise schwere Deformationen erlitten hatten, wie sie mit Enteneiern und Muscheln Kunst herstellen. Das war echt spannend zu sehen und natürlich konnte man auch hier Souvenirs shoppen. Da 50% des Gewinns an diese Menschen ging, nahm ich noch ein Bild mit.





Dann erreichten wir die Anlage der Cu Chi Tunnel. Bevor es aber in die Tunnel selbst ging, konnten wir noch ausgestellte Panzer, Hubschrauber, Flieger und ganz viele Waffen der US Army betrachten.





Anschließend marschierten wir in den Wald, wo überall noch Mulden von damaligen Bombeneinschlägen zusehen waren. Auch die Bäume hier waren alle relativ jung, da damals nicht viel Vegetation zurück geblieben war.


Unser Guide marschierte mit uns durch den ersten Tunnel gemeinsam hindurch, der war schon eng, aber im Vergleich zu den folgenden sehr gemütlich.



Der nächste Tunnel war echt verdammt eng, man bekam ein Gefühl, wie klein die Bevölkerung damals gewesen sein muss. Durch eine Falltür ging es ein paar Stufen hinab, dann 10 Meter alleine durch den Tunnel und auf der anderen Seiten wieder hoch. Da bekam ich schon leicht Panik, aber zum Glück bin ich ja auch ein Zwerg und hatte von der Größe her gar keine Probleme, natürlich kann man nur gebückt durchgehen. Die Tunnel wurden alle per Hand gegraben damals.







Anschließend wurden uns verschiedene Arten von Fallen gezeigt, die die Viatnamese gegen die Amerikaner einsetzten. Meist befanden sich an diesen Bambusspitzen, die in Gift getränkt waren, auch nicht ganz nett, aber im Vergleich zum Einsatz von Agent Orange, das Generationen geschädigt hat, die harmlosere Vorgehensweise.





Eine Fledermaus entdeckten wir auch in einem der Tunnel.

In dem letzten Tunnel wurden wir von einem Angestellten durchgeführt, man konnte nach 20 Metern aussteigen oder die vollen 50 Meter hindurchkriechen. Nach den ersten 20 Metern war es schon grenzwertig mit meinem Klaustrophobiegefühl, aber jetzt wollte ich es schon wissen. Zum Glück hatte ich genug Wasser mitgebracht. Denn eine der australischen Damen hatte vorhin schon mit dem Kreislauf zu kämpfen, so dass ich ihr eine meiner Wasserflaschen gab, ihr wurde von unsrem Guide ab diesem Zeitpunkt Tunnelverbot gegeben. Also raus aus der Comfortzone und durch die nächsten 30 Meter hindurch. Ich sag euch, das waren insgesamt die längsten 50 Meter in meinem Leben. Ich hatte mich gleich hinter unseren Guide angehängt, um als erstes den Tunnel verlassen zu können. Wir blieben dazwischen 3 Mal stehen, um auf den Rest der Gruppe zusammen zu warten, damit niemand verloren geht. Ich war echt froh, wie wir alle den stickigen Tunnel hinter uns gelassen hatten. Echt beeindruckend was die Menschen damals geleistet haben, aber auch erschreckend, wie weit man getrieben wird, um auf solche Maßnahmen zurückgreifen zu müssen.


Anschließend gabs noch eine kleine Stärkung, bevor wir einen Film aus der damaligen Zeit vorgeführt bekamen.



Zurück im Bus wurde an jeden ein Stück Plundergebäck verteilt, das hatten wir jetzt alle nötig. Einige der Männer wählten dann noch die Option eine Waffe abzufeuern. Ich sah mir das Ganze zwar kurz an, beschloss dann aber gleich wieder zurück zum Bus zu gehen. Das war mir einfach viel zu laut, bei jedem Kracher zuckte ich zusammen.


Auf der Fahrt retour versuchten die Australier mit mir in Gespräch zu kommen, aber der eine Herr sprach echt einen komischen Akzent, da musst ich einige Male nachfragen. Der junge Mann aus London fliegt auf dem selben Flug nach Doha heute abend, vielleicht sehe ich ihn nochmal am Flughafen. Ein paar Leute inklusive mir stiegen dann beim Kriegsrestemuseum aus. Ich hatte noch zwei Stunden Zeit, bevor ich im Hotel sein musste, also nutze ich die Zeit noch optimal. Im Museum wurden hauptsächlich Photographien aus der damalige Zeit gezeigt, aber auch Kunst in der Kriegsszenen verarbeitet wurden. Der für mich spannendeste Teil war die Ausstellung, die Agent Orange betraf. Es wurden sogar drei Feten gezeigt, die nicht auf die Welt kommen konnten. Natürlich wurden auch viele Kriegsdaten dargelegt. Um ehrlich zu sein war das alles sehr erschreckend für mich. Immerhin ist das gerade mal 50 Jahre her und die Welt hat noch immer nicht viel dazu gelernt. Hier habe ich nicht viele Bilder gemacht, die wichtigste Message fand ich dann auf einer Postkarte im Souvenirshop.









Nach einer guten Stunde marschierte ich zum Hotel zurück. Das dauerte eine halbe Stunde, wobei es nun wieder leicht zu regnen begann. Insgesamt war ich für die gewählte Reisezeit sehr glücklich mit dem Wetter, es hätte viel öfter regnen können, da in Südvietnam gerade eigentlich Regenzeit ist. Im Hotel wechselte ich mein Gewand und packte noch einmal mein Gepäck korrekt zusammen. Nun begann es so richtig zu schütten und der Himmel wurde komplett dunkel. Gut, dass ich schon im Hotel war. Der Fahrer holte mich pünktlich ab und eine gute halbe Stunde später war ich am Flughafen.

Da ich schon online eingeckt hatte, ging alles etwas schneller, aber allgemein war bei Quatar Airways nicht viel los. Nur durfte ich mein ganzes Handgepäck nicht mit an Board nehmen, da es zu schwer war. Mit dem hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, da wir damals aus Uganda schon andere Dinge mitheim transportiert hatten. Aber der Herr am Schalter war sehr freundlich und ließ mich ein Zusatzgepäck aufgeben ohne dafür zu bezahlen. Das hatte ich auch noch nie erlebt, vielleicht lag es daran, dass mein Aufgaberucksack 7kg unter der Grenze vom Höchstgewicht lag. Auf alle Fälle hieß es jetzt nochmal umpacken, da ich einige heikle Souvenirs nicht aufgeben wollte und für meinen 10h Aufenthalt in Doha alles notwendige bei mir haben wollte. Im Endeffekt war das so eh optimal, musste ich weniger Handgepäck herumschleppen.
Dann war der Ausreisecheck an der Reihe, das dauerte über eine Stunde, so viele Leute habe ich selten anstehen gesehen und es ging auch echt langsam voran, danach noch Securtiycheck. Zum Glück war der Weg zu meinem Gate nicht mehr weit. Eine halbe Stunde vor geplantem Boardingstart nahm ich dort Platz. Ich hatte diesmal für beide Flüge schon vorab Fenstersitzplätze ausgewählt, da ich doch Schlaf bekommen sollte bei der langen Heimreise. Ich saß diesmal ganz hinten im Flieger und hatte wieder Glück, der mittlere Sitz blieb frei und am Gang saß ein super freundlicher Mann mit dem ich ins Reden kam, da mir das Boardingpersonsl ein Coke Zero gab und ihm ein richtiges und ich wollte auch ein richtiges, also tauschte er mit mir. Im Gegenzug gab ich ihm meinen sauren Snack, da das irgendwas mit Sourcream und Zwiebel war, geht gar nicht für mich. Dann fragte ich von wo er kommt. Dabei stellte sich heraus, dass er ursprünglich aus Romänien stammt, aber jetzt schon Jahre in Dublin lebt. Er arbeitet irgendwas mit Cybersecurity und war gerade 3 Wochen in Korea, aber eher um zu schauen, ob er zukünftig dort leben möchte. In den nächsten Jahren wird er sich noch China, Japan, Vietnam, Thailand und Indonesien anschauen und dann entscheiden wo er hin auswandert. Das fand ich auch mega interessant, er meinte dann warum ich nicht auswandere und was mich in Österreich hält. Er bot mir sogar an meine Beine eben auf den mittleren Sitz aus zu breiten und die zweite Decke habe ich auch bekommen. Zum Essen wählte ich Gemüsenudeln mit Tofu, wobei ich den Tofu zurück ließ, von dem habe ich in der nächsten Zeit mal genug gegessen. Als Nachspeise gab’s Schokomus, das war ganz okay. Der Flug verlief ohne Probleme und ich konnte nach dem ich meinen Blog fertig geschrieben hatte wirklich ein paar Stunden schlafen. Es war schon super den mittleren Sitz frei zu haben. Mario oder Marian, bin mir nicht ganz sicher, begleitete mich dann noch bis zum Gatebereich, wo wir uns verabschiedeten, denn sein Flug nach Dublin ging schon in einer Stunde. Das war mir ganz recht, jetzt konnte ich mich in den Garten chillen.




Davor holte ich mir noch ein Wasser und einen Kamillentee, ja Kamille. Ich spürte seit dem Flug meinen Hals etwas, vielleicht hilft der Tee ja. Ich suchte mir ein verstecktes Plätzchen, breitete mich am Boden aus, stellte meinen letzten Beitrag noch fertig und versuchte dann zu schlafen. Das funktionierte erstaunlicher Weise relativ gut, der Boden war bequem, eine Decke und die Schlafsocken hatte ich aus dem Flieger mitgebracht und mit Wasserrauschen und Vogelgezwitscher war es sogar noch richtig idyllisch. Natürlich schläft man nicht gut, da überall Leute herumlaufen und ich ja alleine unterwegs bin, somit ist das immer komisch, wenn die Sachen nicht “bewacht” sind, aber auf der Hälfte bin ich eh drauf gelegen. Blöd war nur, dass ich bald auf die Toilette musste und da immer alles mitschleppen muss und ich hatte Angst, dass mein toller Platz dann nicht mehr frei sein würde. Aber ich hatte Glück, wahrscheinlich war das Eck den meisten zu klein. In Summe habe ich wahrscheinlich 2-3 Stunden geschlafen hier. Gegen 5 wars dann vorbei, aber da wärs in Vietnam ja auch schon 9 Uhr gewesen.





Ich marschierte nun zum Frühstück, wo ich mir nochmal einen Kamillentee für meinen Hals und eine Frühstücksbowl holte.

Anschließend begab ich mich zum Gate. Auch hier lief alles sehr geordnet ab. Ich mag Quatar Airways einfach. Ich saß wieder eher hinten am Fenster, doch mit der Sitznachbarin war ich diesmal nicht so glücklich. Der Gangplatz blieb nämlich frei, sie rutschte aber nicht auf diesen Platz damit mir beide mehr Platz gehabt hätten Die junge Dame war auch so nicht sehr kooperativ als ich 1mal aufstehen musste. Sie stand nicht auf, sondern ich musste mich zwischen die Sitze durchquetschen. Dieser Flug verlief dementsprechend nicht so gemütlich, ich bekam auch kein Auge zu. Als vegetarisches Menü gab es irgendwas mit Schwammerl, somit wählte ich die Nudeln mit Hühnchen, ließ das Fleisch aber übrig. Nach gut 5,5 Stunden setzten wir zum Landenanflug in Wien an. Meine Entschädigung war die tolle Aussicht während des Flugs.







In Wien angekommen ging wie immer alles ganz schnell. Die Passkontrolle verlief problemlos und auch meine beiden aufgegeben Rucksäcke waren sofort da. Draußen warteten schon meine Eltern auf mich mit einem gebastelten Schild. Diesmal von unten nach oben geschrieben, das sollte ein kleiner Geck wegen meiner neuen japanischen Freunde sein. Eine kleine Laterne schmückt das Plakat auch noch. Über diese Überraschung habe ich mich sehr gefreut. Gemeinsam gings dann natürlich mit Apfelstrudel Verpflegung nach Hause, wobei mir heute nicht recht danach war.


Zu Hause wurde gleich ausgepackt, zwei Ladungen Wäsche gewaschen und eingekauft. Bis halb 9 habe ich dann noch gekämpft wach zu bleiben, um den Jetlag zu übergehen. Dann war ich aber echt Game Over, ich hoffe, dass sich mein Zustand über Nacht bessert, denn morgen heißt es wieder zurück zur Realität und ab ins Krankenhaus zur Arbeit.




