Auch heute wurde ich wieder vom Baustellenlärm gegen 6 Uhr geweckt, da ich aber erst nach 2 Uhr ins Bett kam, habe ich mich bis 8Uhr noch herumgewälzt. Danach ging’s wieder hoch zum Frühstück. Diesmal war ich schon gewappnet auf den Geruch. Heute wählte ich Omlette mit Käse und natürlich wieder alles was das Obstbuffet hergab. Mein Frühstück verspeiste ich aber im klimatisierten Raum, denn heute würde ich noch genug ins Schwitzen kommen.


Um dreiviertel 9 wurde ich von meinem heutigen Tourguide Hung zu Fuß abgeholt. Sie war mir sofort sympathisch, da sie mich fragte, ob ich Studentin bin, ich würde so jung und gesund aussehen, das komme sicher davon, dass ich Vegetarier sei. In Vietnam würden die Menschen viel zu viel Fleisch essen. Ich bin ja eigentlich kein Vegetarier, eher ein Flexitarier, also Fleisch esse ich nur im Bedarfsfall oder eben wenn ich weiß, wo es herkommt und für die Tour wollte ich auf der sicheren Seite bleiben und habe angegeben Vegetarierin zu sein. Man könnte aber auch einfach sagen i bin “hoaglich”. Hung esse jeden Tag Fleisch, ohne geht für sie gar nicht. Sie brachte mich zum Rest von der heutigen Gruppe, wobei es sich um zwei ältere kanadische Paare handelte, von denen zwei Geschwister waren. Diese warteten schon im klimatisierten Kleinbus auf mich. Ich war so froh, dass wir die Stadt nicht komplett zu Fuß ablaufen würden, denn es hatte jetzt schon über 30°C. Die Paare begrüßten mich herzlich und sofort war Thema, dass sie für mich Ausschau nach einem Freund halten sollten, damit ich nachmittags nicht alleine auf die Tuktuk Tour gehen muss. Also wir hatten von Beginn an Spaß.
Der erste Halt sollte das Ho Chi Minh Mausoleum sein, wobei wir vorab eine genaue Einweisung bekamen mit den Verhaltensregeln: keine Hüte, keine Sonnenbrille, kein Handy und auch auf keinen Fall die Hand in den Hosensack einstecken. Ein bisschen erinnerte mich das hier an den Tower of London, wo die Kronjowelen bewacht werden. Hier war das ähnlich, deine Taschen wurden am Eingang gescannt und dann schön eine Zweierreihe bilden und den Anweisungen folgen. Es dauerte ca. 10 Minuten bis wir im eigentlichem Mausoleum eintrafen, welches auf 12°C runtergehkühlt wird. Dort hätte ich es heute ruhig länger ausgehalten. Ho Chi Minh wird dort von 9 Wachen beschützt, welche auch darauf achten, dass kein Wort gesprochen wird. Wir erfuhren von Hung, dass jede Schulklasse vom ganzen Land einmal im Jahr hierherkommt, um über den Kommunisums zu lernen. Dabei trägt jedes Kind einen roten Schal. Die Farbe rot steht für das Blut, welches für die Unabhängigkeit floss und den Erfolg. Ebenso in der Flagge, wobei die Zacken des Sterns für die 5 Klassen (Bauern, Arbeiter, Intellektuelle, Unternehmer und Soldaten) und die Farbe gelb für den Wohlstand steht. Deshalb sind auch alle royale Bauten in gelb gehalten.
Für die Vietnamesen ist Ho Chi Minh ihr Held, welcher übrigens auch von all ihren Geldscheinen lacht. Er wurde 1969 einbalsamiert und haltbargemacht. Als das Mausoleum fertiggestellt war, zog er hier in sein neues Reich ein. Einmal jährlich wird es für 3 Monate geschlossen, da es im Sommer zu heiß hier ist und die Zeit ohnehin benötigt wird, um ihn in Schuss zu halten. Die Soldaten, die weiß tragen sind unverheiratete junge Burschen. In Vietnam muss jeder junge Mann für mindestens 2 Jahre zum Militär, es sei denn der Arzt bei der Musterung wird geschmiert oder die Familie bezahlt für sieben Jahre eine größere Summe Geld als Ausgleich.

Nachdem wir aus dem Mausoleum herauskamen, durften wir vom Gebäude Bilder machen. Da kam ich dann das erste Mal auch richtig ins Gespräch mit den Kanadiern. Ein Herr arbeitete früher auf einer Tabakfabrik und eine Dame arbeitet in einer Blutspendezentrale, also wieder genug Gesprächsthemen. Wie oft ich Personen treffe, die in ähnlichen Bereichen arbeiten, ist bei meinem doch eher seltenen Beruf schon erstaunlich. Sofort wurden die Blutgruppen ausgetauscht und die 0 negativ Versorgungsproblematik besprochen. Wobei bei ihnen hier kein Problem besteht, da sie eine Ortschaft hätten, wo viele Menschen 0negativ haben und an Hämochromatose leiden. Dabei handelt es sich um eine Eisenspeicherkrankheit. Die beste Therapie für diese sind regelmäßige Blutspenden. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die bei uns zugelassen werden würden, aber in Kanada scheint das zu funktionieren. Der Austausch war für mich mega spannend.


Als nächstes besichtigten wir das Haus wo Ho Chi Minh lebte und den Garten rund herum. Er war ein einfacher Mann, der nie heiratete und vielleicht auch deshalb für damals mit 79 Jahren ein hohes Alter erreichte. Er trainierte täglich frühmorgens Körper und Geist.



Auch über die Begräbnisrituale erfuhren wir einiges, zum Beispiel, dass Dinge, wie Autos aus Papier gebastelt werden, um sie dann zu verbrennen als Mitgaben. Viermal jährlich wird der Tote besucht, zum Geburtstag, zum Todestag und zum Neujahrs- und Altjahrestag.
Danach gab’s eine kurze Erfrischungspause, wo ich zum ersten Mal eine Kokosnuss trank und dann auch einen Teil des Fleisches verspeiste, den Rest gab ich an die Kanadier weiter. Mein Laborbuddy reichte auch mir sofort ein Feuchttuch zum Abwischen, war als wie wenn man mit den Eltern unterwegs ist.




Bevor es mit dem Kleinbus weiter ging, hielten wir noch an der One Pillar Pagoda, die wie der Name schon verrät auf nur einer Säule steht. Auch hier wurde uns eine kurze Geschichte dazu erzählt, wobei es darum ging, dass ein Kaiser nach der Geburt einiger Töchter, erfolgreich um einen männlichen Nachkommen bat.


Nächster Halt war der Literaturtempel. Auf der Fahrt erzählte uns Hung ein bisschen über das Gesundheitssystem. Kinder bis 6 Jahre und Erwachsene ab 65 würden gratis ins Krankenhaus gehen dürfen, der Rest zahlt pro Besuch circa 3€, die monatliche Krankenversicherung beträgt umgerechnet ungefähr 20€. Auch der Grund, warum man in Hanoi wenig Obdachlose sieht wurde uns erklärt. Erstens ist Betteln verboten und zweitens gibt es Einrichtungen, wo sie unterkommen können und ihnen handwerkliche Dinge beigebracht werden, um ihren eigenen Unterhalt zu verdienen. Hung meinte jedoch, dass die meisten zu faul wären.
Beim Literaturtempel erfuhren wir, dass in jedem Tempel vier Tiere zu finden seien: eine Schildkröte (langes Leben, Weisheit), ein Drache (für den König), ein Phönix (Schönheit und für die Königin) und ein “Einhorn” ohne Horn oder auch Löwenhund (Wächter) genannt. Ohne Horn soll den friedlichen Umgang symbolisieren. Das Einhorn wie ihr unten seht, hat nichts mit dem klassischen Einhorn zu tun, das wir uns darunter vorstellen würden. Achja und ich gönnte mir einen Pandabärfächer, der für den restlichen heutigen Tag mein bester Freund werden sollte.










Danach brachte uns der Bus zu einem Lokal indem wir unser Mittagessen bekamen. Dies bestand aus einem 7 Gänge Menü. Ich war etwas überfordert, da ich normal mittags eher wenig esse. Für mich gabs die vegetarische Variante: Reisnudelsuppe, Mango-Papaya-Salat, Vietnamesische Frühlingsrollen, Curry, Schwammerlsojaeintopf, Gemüseplatte dazu Reis und als Nachspeise Kokoseis mit Früchten. Den einzigen Gang, den ich ganz geschafft habe, war das Eis. Aber ich habe die restlichen Gänge zumindest alle gekostet. Bis auf das Schwammerlsojagericht war auch alles echt lecker. Schwammerl gehen halt gar nicht bei mir und der Salat war auch nicht ganz mein Fall. Erstaunt war ich von der Reisnudelsuppe in der sich auch panierter Tofu versteckte. Bei mir hätte leicht noch eine zweite Person mitessen können, teilweise habe ich auch meinen kanadischen Laborbuddy mitkosten lassen, da sie auch gerne vegetarisch ist. Wenn du dann noch während dem Essen gefragt wirst, wie dein Hämoglobinwert aufgrund deiner Ernährung liegt, weißt du echt du bist unter deinesgleichen.








Nach dem Mittagessen gings weiter zur Trang Quoc Pagoda, der ältesten Pagode hier. Dort sahen wir sogar einen Mönch live eine “Gebetszeremonie” abhalten. Irgendwie sind alle Tempel und Pagoden sehr ähnlich. Mich erstaunt jedes Mal wieder welche Gaben hingelegt werden von Wasser, Softdrinks über Süßigkeiten und frischem Obst.





Nächster Tagesordnungspunkt eine Fahrt mit einem Tuktuk. Da die Kanadier zum Glück noch nicht erfolgreich waren mit ihrer Freundsuche, hatte ich das Rad für mich alleine. Die Fahrt war ganz entspannend, aber bis auf den verrückten Verkehr, gab es nicht wirklich sonderlich schöne Dinge zu betrachten. Die Räder fahren übrigens sehr langsam und werden meist von älteren pensionierten Herren getreten, welche natürlich am Ende auch ihr Trinkgeld einforderten. Dieses brauchen sie aber auch um zu überleben.





Nach der Tuktukfahrt war der letzte Halt der Ngoc Son Tempel, der nur über meine geliebte rote Brücke erreichbar war. Somit durfte ich diese heute auch betreten. Den Tempel selbst durfte man nicht fotografieren, nur die einbalsamierte Schildkröte. Dazu gab’s auch eine Geschichte, dass hier eine göttliche Schildkröte einem Kaiser ein Schwert zur Verteidigung der Ming-Invasoren brachte. Es solle in diesem See viele Schildkröten geben und deshalb heißt die Insel im See auch Schildkröteninsel, da sie dort die Eier hinlegen und die Jungtiere schlüpfen würden. Außerdem erfuhren wir das die Mönche im Norden braunes und die im Süden gelbes oder oranges Gewand tragen würden. Der Unterschied kommt davon, dass die im Norden noch immer auf Feldern arbeiten würden und die im Süden nicht. Hung teilte uns auch noch mit, dass Vietnamesen ungerade Zahlen lieben und 4 und 14 als Unglückszahlen bezeichnen.





Ich verabschiedete mich nach der letzten Besichtigung bei allen und marschierte von dort alleine zurück zum Hotel. Die anderen Namen den Bus retour zum Hotel. Am Weg shoppte ich noch Wasservorrat. Dann hieß es kurze Ruhepause, die ich nutze um an meinem Blog zu schreiben. Gegen 18:00 wurde ich dann von Hung meinem Tourguide für die abendliche Tour mit dem Moped abgeholt. Er brachte mich zur Tonkin Show, eine Art Wasserpuppenshow, wo die vietnamesische Kultur näher gebracht wurde. Ich selbst bin ja nie Moped gefahren und stehe dem Verkehr hier etwas respektvoll gegenüber und wer mich kennt, weiß, dass ich echt keine gute Beifahrerin bin, da ich einfach lieber selber fahre. Doch Hung hat das echt gut gemacht, hab mich nur kurz bei ihm angehalten, dann habe ich ihm vertraut. Außerdem blieb mir eh nichts anderes übrig und er ist ohnehin maximal 50kmh gefahren. Ich verstehe jetzt auch warum so viele Leute hier mit Mopeds unterwegs sind, du kommst halt so echt schneller durch den Verkehr. Bei der Rückfahrt habe ich dann sogar an meinem Blog kurz weitergeschrieben, da das Industriegebiet durch das wir durchfuhren jetzt nicht sonderlich spannend war.






Die Show selbst war sehr interessant, besonders die beleuchteten Fischerkörbe und Lotusblumen im Wasser haben mich begeistert. Das Highlight waren dann aber zwei Rinder, die hereingetrieben wurden, wobei auf einem ein junger Bursche saß. Außerdem testet ich vor der Show auf Hungs Ratschlag hin noch eine Corncake. Dabei handelt es sich einfach um panierten und frittierten Mais. Also man kann scheinbar alles frittieren und es war auch echt gut.





Zurück im Hotel ließ ich den Abend dann noch nachwirken. Außerdem hieß es packen, da es morgen zur Halong Bay weitergeht. Das stellte sich schon als kleine Herausforderung heraus, da ich zur Halongbucht nur Tagesgepäck mitnehmen soll, jedoch am Tag darauf dann direkt von der Bucht mit kurzer Gepäck-Abholung vom Hotel weiter zum Flughafen fahre und ich möchte da nicht nochmal zu viel herum packen müssen. Der letzte Blick auf die Uhr war schon wieder gegen halb 2, irgendwie wird mir hier der Tag zu kurz.




