Heute wollte ich gar nicht aufstehen, das Bett hier war mega bequem und auch die Einstellung von der Klimaanlage passte gut. Aber meine Tour sollte um 8:00 Uhr starten, also hieß es gegen halb 7 raus aus den Federn. Nach dem Frühstück, wo es zusätzlich zu meinem Standardessen auch sehr leckere Bananen Pancakes gab, nahm ich in der Lobby Platz und wartete auf die Abholung des Tourguides.


Pünktlich, wie immer hier in Vietnam, holte mich eine junger Mann mit einem Kleinbus ab. Heute sollte ich den Tag mit einem Paar aus New Jersey verbringen. Der erste Stopp war die kaiserliche Zitadelle. Auf der Fahrt dorthin erfuhren wir, dass Hue 650.000 Einwohner besitzt und die Touristen hier meist nur einen Tag verbringen, deshalb wäre es insgesamt ruhiger in der Stadt als in Hanoi oder Hoi An. Das merkte man auch schon am Verkehr, der hier nicht ganz so verrückt war.


Hue war während des Unabhängigkeitskrieges ein beliebtes militärisches Ziel, so dass in der Mauer hier noch Löcher von dein Einschüssen zu sehen waren. Auch wurden Teile der kaiserlichen Gebäude zerstört, die sich momentan teilweise noch immer in Restaurierung befinden. Es wird anhand von Bildern der Franzosen nachgebaut. Auf dem Weg durch die riesige Anlage, konnten wir auch einem Männerchor und einem Frauenchor lauschen, die sich selbst mit ihren Musikinstrumenten dabei unterstützten.





Die Säulen, die hier überall zu finden sind, werden aus „Eisenbäumen“ hergestellt, die mittlerweile aber aus Laos importiert werden müssen.

Unser Tourguide klärte uns auch hier wieder über die vier wichtigen Tiere, die sich in allen Tempeln und Pagoden befinden, auf. Er bezeichnete das Einhorn aber als Drachenhund und nicht Löwenhund, wie ich das in Hanoi gehört hatte. Überall findet man Drachenzeichnungen mit Wolken kombiniert. Der Drachen steht für den König und die Wolken für die Bevölkerung. Das soll das gute Zusammenspiel zwischen beiden darstellen.




Weiters lernte ich auch, dass die Chinesen natürlich aufgrund der langen Besatzungszeit einen großen Einfluss auf die vietnamesische Kultur genommen haben. Unter anderem sind viele Gebäude mit chinesischen Schriftzeichen beschriftet. Die vietnamesische Sprache setzte sich schlussendlich aus portugiesisch, französisch und chinesisch zusammen und ist erst 300 Jahre alt. Es gibt mehr als 6 verschiedene „Tonlagen“, was bedeutet, dass bei vielen Wörtern auch die Aussprache und Betonung entscheidend ist, da das Wort sonst ganz etwas anderes bedeutet.
Dieses Zeichen hier sympbolisiert einerseits Glücklich sein und durch die Fledermäuse wird noch Langlebigkeit hinzugefügt. Reichtum wird unter anderem auch durch Wasser/Regen dargestellt, da in Vietnam viel Reis angebaut wird und das ohne reichlich Regen nicht funktioniert.

In der letzten Dynastie gab es 13 Könige, die teilweise sehr jung an die Macht kamen. Dabei folgte nicht immer der Erstgeborene auf des Vaters Thron. Die Franzosen, die zu dieser Zeit Vietnam besetzt hatten, wählten einfach nach ihrem Belieben die Könige aus. Deshalb ganz jung, denn dann konnten sie nicht viel anstellen.



Während des zweiten Weltkrieges hatten sich die Japaner in Vietnam ausgebreitet. Als diese als Verlierer aus den Krieg gangen, verließen sie Vietnam. Der letzte König fürchtete, dass nun Ho Chi Minh an die Macht kommen würde und verschwand nach Paris. Seine Nachkommen befinden sich auch heute noch in Frankreich. Ein Bild hat dann noch mein Interesse geweckt. Darauf war ein Kampf zwischen Elefant und Tiger zu sehen. Dies wurde damals zur Unterhaltung genutzt, wobei immer der Elefant gewann, da den Tigern Beruhigungsmittel ins Futter gemischt wurden.





Warum war Vietnam überhaupt so beliebt? Es liegt relativ zentral in Asien und war reich an Ressourcen. Wenn ich jetzt richtig bin, waren dann nach den Japanern, die Amerikaner da, die die Ausbreitung des Kommunismus verhindern wollten. Sie siedelten sich zuerst im Süden an und wollten sich in den Norden hocharbeiten. Deshalb befand sich Hue auch in einer gefährlichen Zone, da es relativ zentral liegt und sich hier eben die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam bildete. Die ersten Kriegsjahre wurde von den Amerikanern viel Propaganda betrieben, so dass sich der Norden auf den „richtigen“ Krieg vorbereiten konnte. Schlussendlich hatten die Amerikaner dann keine Chance, zogen ab und Ho Chi Minh wurde als großer Held der Unabhängigkeit gefeiert. So dass sogar die ehemalige Stadt Saigon nach ihn umbenannt wurde.








Nach der Geschichtsstunde ging es weiter auf den Dong Ba Markt, wo ich echt froh war, dass das Frühstück schon eine Zeit lang her war. Denn die Pasteten in den riesigen Plastikschüsseln, die Innereien von (ich denke) Schweinen und alles mögliche an Krabbengetier haben meine Magen schon an seine Grenzen gebracht. Erstaunlicher Weise war der Geruch aber harmlos. Das hätte ich mir persönlich viel schlimmer vorgestellt. Auf diesem Markt gab es natürlich nicht nur eklige Dinge, sondern auch ganz viel Obst, Gemüse, Haushaltswaren und alles was man so brauchen kann.








Unter anderem haben wir hier auch die Opfergaben für die Toten von denen Lanh gesprochen hatte gesehen. Wenn ihr euch erinnern könnt, habe ich geschrieben, dass Sachen aus Papier gebastelt werden und anschließend verbrannt. Also man kann die Dinge einfach kaufen, kleine Uhren, Autos, Schmuck ….etc. Zwei Mal im Monat, ich glaube am ersten und in der Mitte des Mondmonats wird das für die toten Familienangehörigen verbrannt. Das finde ich eine ganz interessante Tradition.

Nach dem Markt ging es mit einem Drachenboot am Parfümfluss zur Thien Mu Pagoda. Die Fahrt war ganz witzig, es wurden einfach Plastikstühle in die Mitte gestellt als Sitzgelegenheit.





In Hue gibt es 150 Pagoden, in dieser hier leben 65 Mönche. Die jüngsten Mitglieder sind 2-3 Jahre alt. Arme Familien geben ihre Kinder manchmal an Mönche weiter, um sie von ihnen aufziehen zu lassen. Diese nehmen nur so viele auf, wie es ihnen auch möglich ist durchzufüttern. Die Mütter dürfen die Jungs regelmäßig besuchen. Wenn die Kinder alt genug sind, dürfen sie entscheiden, ob sie das Leben in den Pagoden fortführen möchten oder wieder zurück zu ihren Famlien gehen. Die 5 Gebote für die Mönche: keine Heirat/Liebe, kein Stehlen, keine Lügen, kein Alkohol und kein Fleisch. Diese Pagode hier wurde übrigens auch nachgebildet, da sie ebenfalls zerstört wurde, jedoch diesmal keine miltiärischen Gründen, sondern ein Taifun hatte sie beschädigt. Die Anzahl der Umweltkatastrophen sei in Vientam aufgrund der globalen Erwärmung übrigens zurück gegangen. Also gibt es scheinbar auch Länder die hiervon profitieren.






Übrigens haben wir heute auch einige Hochzeiten gesehen, für uns untypisch an einem Dienstag. Hier wird aber abhängig vom Mondkalender geheiratet.

Nächster Halt: Mittagessen. Das fand etwas außerhalb von Hui in einem Dorf bei einer Art Privatfamilie statt. Die Häuser hier sind alle von riesigen Gärten umgeben. Es ist richtig schön grün und idyllisch hier. Die Bananenbäume erinnern mich an Uganda. Beim Weg auf die Toilette, marschiert man bei der Küche vorbei.




Für mich gab’s als vegetarische Variante: Feigensalat mit Reischips, Gemüsesuppe, Tofu, Gemüse, Reis, Springrolls und Obst als Nachspeise. Also wieder mal viel zu viel, am besten war erstaunlicherweise der Feigensalat und die Springrolls waren der Wahnsinn. Für den Tofu und die Suppe konnte ich mich hier nicht so begeistern.



Während des Essens erfuhren wir, dass die Vorfahren des Hausherrns früher für den König gekocht hätten. Außerdem tauschte ich mich mit den Amerikanern aus, Megan und William, zwei ganz interessante Persönlichkeiten. Sie besitzen Restaurants direkt an der Küste und haben auch einen Wohnsitz in Florida, wo sie den Winter verbringen. Dort befindet sich quasi ihr Hauptwohnsitz, da sie so mit den Steuern günstiger fahren. Dies sei in den Staaten vom jeweiligen Bundesstaat abhängig, die einzige Bedingung, sie müssen sich mehr als 6 Monate außerhalb von New Jersey aufhalten, dabei zählt es auch, wenn sie auf Reisen sind. Bevor sie die Restaurants gekauft hatten, betrieben sie zwei Jahre eine Farm. Aber ihr Traum war es schon immer Restaurants zu besitzen. Sie haben 3 Kinder, wovon die ältere Tochter in der Ausbildung zur Krankenschwester ist. Williams Nachname klingt deutsch und als er sich auf Ahnenforschung begab, fand er heraus, dass seine Vorfahren ursprünglich aus Tirol stammten. Die Unterhaltung mit den beiden war sehr spannend für mich. Nach dem Essen gab’s noch ein Fußbad in zwei Eimern für Megan und mich.




Dann fuhren wir weiter zum nächsten Halt. In einem Dorf präsentierte unser Tourguide die Herstellung von Räucherstäbchen, was wir auch selbst probieren konnten. Mega spannend und eigentlich ganz leicht. Es werden zwei Pasten zusammen gemischt, die eine der klebrige Brennstoff, die andere der jeweilige Geruch. Bei uns handelte es sich um Zimt. Dann wird das Material über ein Bambusstäbchen gerollt.



Anschließend wurde uns noch die Herstellung der typischen Bambushüte gezeigt. Die ursprünglichen wurden nicht bemalt, sondern zwischen den Blätterschichten werden mit einem Papierschnitt Bilder versteckt, welche sich nur zeigen, wenn man den Hut gegen das Licht hält. Das sei wie mit den Vietnamesen, erst wenn man sie besser kennt, geben sie mehr von sich preis.



Dann standen noch zwei Grabstätten des zweiten und des zwölften Königs/Kaisers auf dem Plan. Insgesamt gibt es in Hue 7 royale Grabstätten. Der zweite König, Minh Mang, hatte 500 Frauen und 142 Kinder mit ihnen, unvorstellbar für mich. Die Grabstätten wurden immer an schönen Plätzen ausgewählt. Der Aufbau war bei beiden ähnlich, zu Beginn die Wächter (Soldaten, Elefanten), dann ein Informationshaus mit einer Steintafel, wo die Geschichte des jeweiligen Kaisers geschrieben stand, dann folgte das Wohnhaus mit riesigem Bett, und am Ende befand sich dann ein Hügel, wo die Tore davor verschlossen waren. Dahinter liegt das Grab des zweiten Kaisers. Doch niemand weiß genau wo, damit dieser seine Ruhe hat. Einmal im Jahr wird das Tor geöffnet für Verwandtenbesuche. Da sollte es ja einige geben bei so vielen Nachkommen. Am Ende der Anlage waren auch zwei große Säulen, die quasi die Kerzen in den Himmel darstellen sollen.







Außerdem sprachen wir über die Moskitos, da ich verwundert war, noch keine einzige gesehen zu haben und sich ja doch in den Städten und auch hier überall stehende Gewässer befinden. Der Grund dafür sei, dass es überall Fische gibt und diese die Eier der Moskitos fressen würden. Moskitos würde ich nur noch in den Wäldern finden.



Die Anlage des zwölften Königs, Khai Ding, war komplett anders. Hier sah man den europäischen Einfluss auch in der Architektur. Insgesamt wird die Symbiose von Ost und West wiedergespiegelt. Die Augen der Drachen waren aus Champagnerflaschen. Der zwölfte König starb an Tuberkulose. Dieser versteckte sein Grab nicht, im Gegenteil der “Tempel” war extrem prunkvoll und man konnte das Grab direkt besuchen. Ausgerichtet war die Grabstätte so, dass man den Blick auf eine Statue in der Ferne hatte, den so genannten Lady Buddah.







Eine Geschichte zu Drachen wurde uns auch noch erzählt. Der Drachen symbolsiert in dieser Kultur das mächtigste Tier und jedes andere Tier wollte auch zum Drachen werden. Deshalb versuchten die anderen Tiere 3 Aufgaben zu verrichten also quasi 3 Levels zu durchlaufen, um auch als Drachen zu gelten. Der Koifisch war das einzige Tier, dem das gelang. Deshalb steht der Koifisch für Weiterentwicklung und ist in Vietnam in vielen Teichen und Seen zu finden.



Dieses Bild hier wurde von einem Mann von der Decke hängend mit seinen Füßen gemalt.

Die Tour war mega informativ und unser Tourguide, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt hatte, sprach wirklich langsam und deutliches Englisch, so dass ich ihm gut folgen konnte. Die Amerikaner gaben mir noch einen Tipp für eine Bar, die sie am Vortag besucht hatten und verabschiedeten sich von mir.
Im Hotel erholte ich mich kurz von der Hitze, an die ich mich noch immer nicht gewöhnt hatte und beschloss gegen 17:00 doch nochmal den Schritt hinaus zu wagen. Als erstes begab ich mich zu einem Billardclub, da mich mein Vater und Bruder darauf angesetzt hatten. Hier in Vietnam sei das ein bekannter Sport und so sah auch die große Billardhalle aus. Gemischt mit Carambol- und Snookertischen. Ich hatte nur leichte Verständigungsschwierigkeiten, da hier keiner Englisch sprach. So übersetzte ich mit Google, dass mein Bruder ein bekannter Spieler in Österreich sei und ich gerne ein Bild machen wollte. Nach dem Bild verschwand ich aber sofort wieder, um weitere Unklarheiten zu vermeiden.

Weiter gings ins Stadtzentrum, in welchem ich mich nicht so wohl fühlte. Es war hier ruhiger, ich hatte aber das Gefühl mehr angestarrt zu werden von den Einheimischen. Das kommt wahrscheinlich davon, dass hier eben weniger Touristen herkommen würden. Ich schlenderte durch ein paar Souvenirläden und beschloss dann dem Bartipp der Amerikaner nach zu kommen, the secret lounge.



Die Bar war der Hammer, super freundliches Personal, mega Ambiente und leckere Cocktails. Noch dazu gab’s bei jedem Cocktail eine Message mit dazu und ein gratis Obstteller und auch salzige Snacks wurden for free dazu gestellt. Außerdem gab’s einen gratis Willkommen Shot und auch so gefühlt jede Stunde einen Shot for free. Ich fühlte mich wie daheim in Lukas Bar. Die Musik war auch toll und so wollte ich eigentlich an meinem Blog weiterschreiben. Doch dazu kam ich nicht wirklich. Denn eine Kellnerin setzte sich dann zu mir und spielte Jenga mit mir.




Als sie wieder weiter arbeitete, kamen auf einmal die beiden Amerikaner von der heutigen Tour um die Ecke. So hatte ich erneut Gesellschaft. William lud mich auf einen Cocktail ein, wir tauschten unsere Kontaktdaten auf Insta aus und hatten noch eine wirklich nette Unterhaltung. Ich solle mich bei ihnen melden, wenn ich an die Ostküste käme, sie hätten ein Zimmer für mich. Ich bot ihnen im Gegenzug auch an, falls ihre Tochter mal eine österreichisches Krankenhaus besuchen wollen würde, lasse sich da sicher etwas arrangieren. Denn sie hatte schon mal ein Praktikum in Italien absolviert. Außerdem sprach ich meine Herzensempfehlung für Uganda aus. Dann verließen mich die Amerikaner.





Ich wollte dann eigentlich nur noch austrinken und meinen Weg zurück ins Hotel machen, da sprach mich die nächste Kellnerin an. Wir hatten eine echt nette Unterhaltung, sie saß sicher fast 1h bei mir. Sie war noch nie außerhalb von Hue und ihr großer Traum war ein eigenes Café zu besitzen am liebsten in Australien, da sie dort eine Tante hat. Vietnamesen bekommen noch weniger Urlaub als die Japaner, nur wenige Tage im Jahr haben sie frei. Da weiß man mal wieder wie glücklich man sich schätzen kann in Österreich zu leben. Bei uns steht einem ja mehr oder weniger die Welt offen. Sie wollte mir ein Taxi rufen, aber ich marschierte die 20min zu Fuß zum Hotel. Dabei landete ich zwar kurz in einer sehr dunklen Gasse, die sich als Sackgasse herausstellte, das war dann doch etwas unheimlich. Im Hotel fiel ich sofort ins Bett, heute hatte mein Hirn ja einiges zu denken. Morgen geht’s dann weiter in die nächste Stadt, Hoi An.







