Pünktlich um 6:00 Uhr beginnen hier auch sonntags die braven Baustellenarbeiter. Heute hats eh super gepasst, da ich ohnehin um dreiviertel 8 abfahrtsbereit und ausgecheckt haben sollte. Nachdem Frühstück, welches ich heute für mich perfektioniert hatte, scrambled eggs mit Käse und natürlich zur Nachspeise Obst.

Dann packte ich die restlichen Sachen zusammen und gab das Gepäck bei der Rezeption ab, welche es für mich bis morgen Nachmittag behüten werden. Mit meinem Tagesgepäck gings weiter bis morgen. Ich wartete in der Lobby noch kurz, bis mich mein Tourguide, Long, abholte. Er brachte mich zu einem großen Bus, der schon mehr als halbvoll war. Natürlich keine einzige Sitzreihe mehr frei, da die meistens Leute gleich 2 Plätze beanspruchten. Mein erstes Bauchgefühl für diese Tour war gar kein gutes. Ich bat dann zwei Mädels in der letzten Reihe darum mir einen Platz frei zu machen und verkroch mich in den letzten Winkel. Der Bus wurde noch fast voll.
Bei Halbzeit der Fahrt gab es eine Pause, denn es war Zeit für die Nutzung der Toilette oder wie sie in Vietnam so schön sagen des “happy rooms”. Dort traf ich witzigerweise auf die Deutschen vom ersten Trip. Heute sprach ich sie an, da einer der beiden von der Weite meinte, hey da ist ja Laura. Ich wusste gar nicht, dass der meinen Namen kennt. Sie waren auch am Weg zur Halong Bay, würden aber zwei Nächte am Boot bleiben. Ansonsten warte ich darauf, dass die Reise nach 30 Minuten wieder weiterging.
Im Laufe der Fahrt stellte sich dann heraus, dass sich zwei unterschiedliche Gruppen hier befanden, eine Tagesgruppe und eine Gruppe mit Übernachtung. Beim Aussteigen wurden wir dann separiert. Im Hafen, wo unser Boot ablegen sollte, mussten wir kurz warten, da es kurz davor ordentlich zu regnen begonnen hatte und das Schiff erst das “Go” aufgrund der Wetterbedingungen bekommen musste. Long erklärte während der Fahrt auch, dass man hier keine Plastikflaschen mit an Bord nehmen dürfe, da sonst eine Strafe zu bezahlen wäre. Ich fragte aber vor dem Einstieg nochmal nach, da ich gestern extra Wasser gekauft hatte für die nächsten beiden Tage und einfach wegschmeißen wäre ja auch schade gewesen. Long meinte, er müsse checken welche Security an Bord sei, dann gibt er mir Bescheid. Auf jeden Fall konnte ichs schlussendlich doch mitnehmen.
Zum Glück ist der ankommende Sturm noch zirka 3 Tage von Halong Bay entfernt und wir bekamen das Go. Mit einem kleinerem “Boot” wurden wir zu unserem Schiff für die nächsten beiden Tage gebracht. Es war hier übrigens extrem viel los also so ein richtiges Massentouristending, wovon ich ja gar kein Fan bin, aber natürlich wollen alle ins Unesco Weltkulturerbe und bald würde ich auch verstehen warum.

Am Schiff, welches aus 3 Decks bestand, angekommen hieß es im mittleren Deck im Speiseraum Platz nehmen zur Verkündung des Zeitplans der Aktivitäten und der Schlüsselübergabe für die Zimmer. Ich war etwas angespannt, da unsere Gruppe aus einer größeren indischen Familie, eine Gruppe von 5 Mädls, wo ich zu Beginn dachte sie wären Spanierinnen, einer Großfamilie aus Australien, zwei englisch sprachigen Mädls, drei japanischen Burschen und einem Herrn aus Singapur bestand und auf meinem Ticket stand, dass ich in einem Mehrbettzimmer untergebracht werden würde. Bei der weiblichen Auswahl war ich mir nicht ganz sicher, ob das gut gehen würde. Aber ich hatte Glück und bekam ein großes Dreibettzimmer für mich alleine im unteren Deck.



Nach einer kurzen Verschnaufpause, in der ich zum ersten Mal die wunderschöne Landschaft genießen konnte, war es Zeit fürs Mittagessen. Long teilte unsere Plätze zu, ein Tisch für die indische Familie, ein Tisch für die Australier, ein Tisch für Japan und Singapur und ich landete bei den Mädls. Dabei stellte sich heraus, dass die 5er Gruppe aus Italien stammte. Sie waren ganz erstaunt, warum ich alleine vereisen würde. Sie sprachen hauptsächlich untereinander und natürlich italienisch, ich denke das Englisch von einige war nicht das Beste. Die anderen beiden Mädls waren so gar nicht mein Fall, sehr knapp bekleidet und eindeutig komplett andere Interessen als ich. Denn als Long erzählte wir würden dann zu einer Höhle hoch marschieren, waren sie gleich schockiert und meinten sie würden die Aktivität auslassen. Das könnte noch lustig werden. Ich fühlte mich an dem Tisch komplett unwohl, das Essen jedoch war echt lecker und es gab erneut viel vegetarische Auswahl für mich.




Dann hatten wir noch etwas Zeit bevor die beiden Ausflüge starten würden. Das war optimal, da momentan noch ein Gewitter in der Halong Bay sein Unwesen trieb. Als es zu regnen stoppte, gings wieder auf das kleine Beiboot, um ans Land von einer der vielen Inseln hier zu gelangen. Von dort sollten wir eine Höhle besuchen mit dem Namen suprising cave. Das war so ein richtiges Massentouristending, wo alle nach der Reihe durch marschierte im Einbahnsystem.




Ich nutzte hier die Chance, um mit den Japanern ins Gespräch zu kommen, da sie in meinem Alter zu sein schienen. Das klappte zu Beginn noch nicht so gut, da das Englisch eine kleine Hürde für sie darstellte. Ich war mir zu Beginn auch nicht ganz sicher, ob sie sich etwas über mich lustig machten, aber die Zweifel waren dann schnell beseitigt. Akira war zu Beginn sehr introvertiert und zurückhaltend, er lebt in Hanoi aufgrund seiner Arbeit und spricht das beste Englisch von ihnen, Kazuki redet die ganze Zeit, spricht jedoch nur ein paar Brocken Englisch und Tsuyoshi blieb immer im Hintergrund und sprach fast kein Englisch, wobei ich später das Gefühl hatte, dass er mehr versteht als er zugibt, sich aber einfach nicht Englisch sprechen traut.
Von nun an hielt ich mich an die Jungs. Die Höhle lag ungefähr 200 Stufen in der Höhe, dabei war das leichte Nieseln angenehm, da es die Temperaturen etwas senkte. Oben ging es durch eine Tropfensteinhöhle durch mit drei Räumen, wobei der letzte der spektakulärste war. Anschließend hieß es wieder im Gänsemarsch die Stufen runter zum Beiboot. Der Ausblick von oben war aber schon echt atemberaubend.








Dieses Boot brachte uns zur nächsten Insel, Tipitop, wo man zuerst zum Aussichtspunkt hoch marschieren und sich anschließend im Meer erfrischen konnte. Ich lief mit den Japanern hoch, wo wieder extrem viel los war. Alle Ausflugsboote schienen hier dasselbe zu unternehmen. Nachdem wir ein paar Bilder gemacht hatten, gings wieder runter zum Strand. Dort verließ ich die Jungs, um mich umzuziehen, denn kurz wollte ich schon ins Meer hüpfen. Den Jungs war es hier nicht ganz geheuer, zu viele Menschen und das Meer zu trüb.



Ich ließ mich nicht abhalten, parkte den Rucksack am Rand und marschierte Richtung Meer. Es dauerte nicht lange, kamen einige chinesische Damen auf mich zu. Sie fragten mich etwas auf chinesisch, wobei ich dachte, sie würden wollen, dass ich ein Foto von ihnen mache also sagte ich ja. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass sie ein Foto mit mir machen wollten. Dann kamen noch einige an. Ich habe echt keine Ahnung wie viele Chinesinnen jetzt ein Bild mit mir im Bikini haben, aber okay. Ich kannte das ja schon von Uganda, dass die stark pigmentierten Kinder von meinem weißen Hautton angetan waren. Sie meinte ich wäre so schön, ich dacht immer die Asiaten sind nur auf die blonden Damen mit blauen Augen fixiert. Ich verstand ihre Begeisterung auf jeden Fall nicht, habe es aber irgendwie ganz lustig gefunden. Danach nutzte ich die Chance und bat eine der Damen ein Foto von mir zu machen.


Nachdem flüchtete ich ins Wasser, das echt angenehm war von der Temperatur her. Es war aber sehr voll, so dass ich bald beschloss das Weite zu suchen und auf die Suche nach den Japanern zu gehen. Nach einer Weile entdeckte ich sie dann zum Glück. Ich erzählte ihnen von der Begegnung mit den Chinesinnen und Akira meinte, dass es wahrscheinlich meine schönen europäischen Gesichtszüge seien, die sie so begeistern würden. Gemeinsam gingen wir dann zum Treffpunkt, wo wir auf Long warteten. Nachem ich mich mit denn Jungs auf Instagram ausgetauscht hatte, fragte ich sie noch, ob es für sie okay wäre, wenn ich mich beim Abendessen zu ihnen sitze, da sie mir weit sympathischer waren als die Mädls. Für sie war es gar kein Problem. Dann kam ich zum ersten Mal ins Gespräch mit Ron, dem Herrn aus Singapur. Eine ganz interessante und freundliche Persönlichkeit, der mich auch sofort zu ihnen auf den Tisch einlud, der hatte scheinbar sofort gemerkt, dass ich mich bei den Mädels unwohl fühlte. Außerdem bot er mir an, falls ich je nach Singapur kommen würde, würde er mich herum führen. Noch dazu versuchte er Deutsch zu lernen über eine App, wobei er mich im Laufe des Abends einige Male bat, ihm seine Fehler zu erklären. Für ihn sind unsere Artikeln und Einzahl/Mehrzahl sehr schwierig zu verstehen, was ich gut nachvollziehen kann. Deutsch ist ja wirklich nicht die einfachste Sprache.
Bevor wir aufs Beiboot stiegen bat ich Long darum, mich bei allen weiteren Essen bei meinen neuen Freunden zu platzieren, was zum Glück auch kein Problem war. Von nun an war ich total happy auf dem Schiff. Zurück am Schiff hatten wir Zeit uns frisch zu machen, bevor wir den Sonnenuntergang vom oberen Deck betrachten konnten. Nun war auch happy hour, was bedeutete 2 Drinks zu zahlen, 3 Drinks zu bekommen. Da es Mojitos und Gin Tonic gab, entschied ich mich das Angebot zu nutzen. Die Japaner ließen noch etwas auf sich warten, so dass mich die Australier in der Zwischenzeit zu sich auf den Tisch einluden. Auch eine ganz nette Familie mit der ich mich kurz unterhielt. Die Elten waren beide komplett tätowiert, wobei die Frau echt coole Disneytattoos hatte.



Nach Sonnenuntergang bekamen wir Kochuntericht von Long und lernten eine vietnamesische Sommerrolle zu zubereiten. Die wird im Gegenteil zur Frühlingsrolle nicht frittiert und kann sofort nach Herstellung verspeist werden. Das funktionierte erstaunlicher Weise recht gut und wir hatten alle gemeinsam unseren Spaß, da Long das wirklich lustig aufzog. Naja nicht alle, die Mädels haben natürlich nicht mitgemacht und blieben abseits.



Danach begab ich mich zu Mr. Singapur und den Japanern und wir genossen unsere Cocktails. Von nun an wurde alles mögliche an Kulturaustausch betrieben. Vom Japanisch Kurs:
Prost = Kampai
Danke = Arigatou
Itadakimasu = Mahlzeit
Gochisousama = Danke nach dem Essen
Über Religion, Essen und Arbeitsbedingungen. Am meisten schockierte mich, dass Japaner scheinbar nur 3 Wochen Urlaub im Jahr bekommen und die noch dazu nur wochenweise nehmen dürfen, für mich unvorstellbar. Also nach Japan wandere ich schon mal nicht aus. Die Gespräche waren echt super und wir hatten viel Spaß.
Gegen 19:00 gab’s dann Abendessen, wo ordentlich aufgetischt wurde. Für mich gab’s wieder eigene vegetarische Gerichte, aber ich teilte eigentlich alles mit ihnen, worüber sie sich besonders freuten.







Nach dem Essen marschierten wir wieder aufs obere Deck, wo wir uns noch gegenseitig ein paar Drinks spendierten und dann schlussendlich noch eine Runde Karaoke sangen. Akira hat eine echt tolle Stimme und gab drei Lieder von sich, wobei ich beim letzten Song von Ed Sheeran kurz miteinstimmte. Danach übernahmen die Italienerinnen die Mikrofone und gaben ihr bestes mit Songs in ihrer Sprache. Ron verließ uns nach einer Weile, während die Japaner und ich noch bis halb 11 am Deck blieben. Wir waren dann die letzten, die zu Bett gingen.


Nach diesem enttäuschten Start in den Tag, war ich echt dankbar und sehr erfreut darüber, wie er sich noch entwickelt hatte. Auf meinem Zimmer genoss ich es heute statt mit Ventilator bei offenem Fenster und Meeresrauschen im Hintergrund zu schlafen. Von den Moskitos hatte ich mittlerweile auch keine Angst mehr, da ich noch keine gesehen hatte. Bin schon gespannt was der morgige Tag bringt.




