Die erste Nacht in Afrika war nicht nur sehr kurz, sondern für mich auch sehr gewöhnungsbedürftig. Irgendwie fühlte ich mich etwas unsicher. Die Gebäude sind sehr hellhörig mit dünnen Zwischen- und Außenwänden gebaut, also konnte man einfach alles hören, vor allem bellten auch immer wieder Hunde. Nichtsdestotrotz klingelte der Wecker um halb 7, damit sich Frühstück, Packen usw. vor der Abfahrt ausging. Andi hatte etwas besser geschlafen, war aber immer noch matt. Mir fehlte es nur noch an Schlaf, sonst war ich wieder fit, zum Glück reagiert mein Immunsystem meist recht schnell. Unser Frühstück genossen wir mit Blick auf den Pool, wo wir sogar unsere ersten zwei Affen am gegenüberliegenden Dach beobachten konnten. Es gab baked beans und Toastbrot für Andi, ich blieb bei Obst und Toastbrot, um meinen Magen nicht gleich wieder zu überfordern, was auch ganz gut funktionierte.


Kurz nach 8:00 Uhr brachten wir unser Gepäck zum Auto, wo Jones schon auf uns wartete. Er hatte uns bereits Kappen mit Safari Logo und Wasserfalschen auf unseren Sitzplätzen bereit gelegt. Dann ging es los. Heute stand eine längere Fahrt an, da wir a.bends in einer Lodge im Murchison Falls Nationalpark ankommen sollten, welcher 270km entfernt von Entebbe liegt und die Straßenverhältnisse hier nicht die besten sind.

Während der Fahrt, wobei man hier übrigens auf der linken Straßenseite fährt, was darauf zurückzuführen ist, das Uganda eine britische Kolonie war, erklärte uns Jones einiges über das Land selbst, die Vegetation und auch schon etwas über die Tiere. Uganda wird als die Perle Afrikas bezeichnet, da es landschaftlich sowohl Savanne, als auch Berge und grüne Regenwälder zu bieten hat und natürlich somit ein sehr umfangreiches Habitat für eine Vielzahl an unterschiedlichen Tieren bietet. Die wichtigsten Exportgüter sind schwarzer Tee und Kaffee. Die Flagge Ugandas enthält drei Farben, wobei rot dafür steht, dass alle gleichen Blutes sind (Bruderschaft), gelb für die Sonne (Wärme hier) und schwarz für die Hautfarbe der Menschen. Auch die ersten Rinder konnte ich bald entdecken, wobei es sich hierbei um Ankole Rinder mit riesigen Hörnern handelt.


Es dauerte nicht lange um zu erkennen, dass der Verkehr hier seine eigenen Regeln hat. Teilweise wird kreuz und quer gefahren, vor allem die vielen Mopeds machen was sie wollen. Teilweise gibt es keine Mittellinie, also wird auch in Städten einfach überholt und dreispurig gefahren, auch wenn nur zwei Spuren vorhanden sind. Die Ladegutsicherung lässt auch zu wünschen übrig, da werden Dinge in die Höhe gestapelt ohne Sicherung und ganz oben findet man dann oft auch noch menschliche Mitfahrer. Die Taxis sind hier Vans meist von der Marke Toyota und können bis zu 14 Personen mitnehmen. Man sieht hier extrem viele Menschen auf den Straßen, sowohl in den Städten als auch außerhalb. Entweder warten sie auf Taxis oder transportieren Lebensmittel und andere Güter herum. Außerdem gibt es in den Ortschaften überall Märkte, wo hauptsächlich Lebensmittel, wie Obst, Gemüse, aber auch lebende Tiere, wie Hühner, verkauft werden. Jones warnte uns an manchen Stellen, wenn wir hielten, nicht mit dem Handy herumzuzeigen und Türen und Fenster lieber geschlossen zu halten.



Nach gut zwei Stunden Fahrt hielt unser Guide an einem kleinerem Markt an, worauf sofort vier Leute mit unterschiedlichem Obst und Grillspießen in der Hand da standen. Jones kaufte Annanas, kleine Bananen, Mangos und eine Kostprobe von Kochbananen für uns. Letztere trafen meinen Geschmack mehr als Andis, der übrigens sehr davon profitierte heute noch einen ruhigeren Tag im Auto zu verbringen, um sich noch weiter zu erholen.





Dann ging es weiter zu unserem ersten richtigen Stop ins Ziwa Rhino Sancturary Camp. Hierbei handelt es sich um ein Camp mit dem Ziel, die einst in Uganda ausgerotteten Breitmaulnashörner wieder anzusiedeln. Momentan gibt es hier wieder gute 40 Exemplare und einige davon sollten wir heute sehen dürfen. Nach einem Check der Dokumente inklusive Reisepässe, mussten wir noch ein Dokument unterzeichnen, dass sie nicht für Unfälle haften würden, und bekamen einen Willkommenssmoothie. Anschließend fuhren wir mit Jones noch weiter ins Innere des Nationalparks, wo wir den nächsten Affen zu Gesicht bekamen, eine südliche Grünmeerkatze. Jones gab uns nun auch einen Plan worauf wir unsere Route fanden, sowie eine Tabelle in der wir die Tiere, die wir zu Gesicht bekommen, pro Park unterteilt abhaken können.



Beim Restaurant etwas mehr innerhalb des Parks wurden wir unserem Ranger zugeteilt, der mit uns zu den Breitmaulnashörnern wandern sollte. Wir bekamen eine kurze Sicherheitsunterweisung, fuhren noch ein Stück und dann ging es zu Fuß weiter. Wir hatten Glück und mussten nicht weit gehen, da sahen wir schon drei Nashörner im Schatten liegen. Dabei handelte es sich um ein Weibchen mit zwei Kälbern, wobei wir das Kleinere sogar kurz beim Trinken beobachten konnten. Sie bewegten sich ansonsten kaum und genossen ihre Schattenplätze, da Nashörner nicht schwitzen können und die Temperaturen mittags über 30°C lagen. Weiter hinten konnten wir dann noch ein Männchen kurz beobachten. Wir waren diesen mächtigen Tieren wirklich so nah, da waren kaum mehr als 10m Abstand zwischen uns.





Nun hatten wir auch schon den ersten der Big 5 sehen dürfen. Vorfreudig machten wir unseren Weg zu Jones zurück, der uns zum Restaurant innerhalb des Nationalparks chauffierte. Dort gab es unser erstes warmes Essen in Afrika, wobei sich Andi und ich für vegetarische Gerichte entschieden, die wirklich beide sehr gut schmeckten. Anschließend machten wir unseren Weg weiter Richtung Murchsion Falls Nationalpark.


Am Eingang dieses Parks dauerte es sicher 20min bis alle Dokumente gecheckt wurden und wir einfahren durften. Wenige Meter nach der Einfahrt konnten wir schon die nächsten Affenarten begutachten, die grünen Paviane und Schwarz-weiße Stummelaffen (Colobus). Jones fuhr wirklich immer langsamer oder stoppte für uns, damit wir die Möglichkeit hatten, gute Bilder zu machen und die Tiere in Ruhe zu beobachten.




Anschließend stoppten wir am oberen Ende der Murchison Falls (Nil), wo uns Jones darauf hinwies offene Schuhe beim Spaziergang zu tragen. Nach 5min konnten wir schon die tosenden Wassermassen bestaunen, welche über 40m in die Tiefe fallen. An der obersten Spitze wurden wir vom erzeugten Wassernebel erfrischt und konnten sogar einen Regenbogen begutachten.





Dann ging es zurück zum Auto und weiter auf eine Brücke über den Nil, wo uns Jones einen typischen afrikanischen Sonneuntergang mit roter Sonne zeigte. Er hob dort auch das Dach unseres Autos nach oben, so dass wir bei den letzten Kilometern zur Lodge stehen und oben hinaus sehen konnten, um mögliche Tiersichtigungen besser wahrnehmen zu können. Nach einer kurzen Sonnenuntergangs-Fotosession machten wir uns auf den Weg zur Lodge, wobei Andi und ich unsere neuen Stehplätze genossen.





Es dauerte auch nicht lange, da konnten wir schon den nächsten der Big 5 entdecken, eine Herde afrikanischen Büffel, die sich teilweise gerade ein Schlammbad gönnten.




Das nächste Tier, das sich zeigte, war die Rothschild Giraffe. Wir erfuhren von Jones, dass die Männchen dunklere Flecken als die Weibchen tragen und sobald mehrere Giraffen beieinander zu sehen sind, man von einem Turm von Giraffen spricht. Hier ist ein Weibchen beim Fressen zu sehen.

An der nächsten Kreuzung wurden unsere Erlaubnis für die Gamedrives, so nennt man geführte Safaris in Jeeps mit lokalen Guides, kontrolliert. In Uganda wird allgemein gern kontrolliert, auch während der Fahrt zum Murchison National Park sahen wir einige Polizisten Kontrollen auf der Straße durchführen und sogar wir mussten anhalten, da der Polizist meinte, dass Jones zu gefährlich überholt hatte, ließ es aber bei einer Verwarnung bleiben. Wenn sie es hier wirklich so genau nehmen würden, dann müssten die Polizisten ja fast jeden aufhalten, da der gefährliche Fahrstil hier allgemein sehr weit verbreitet ist. Ich war froh diesmal nicht selber zu fahren und eine Reise mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Es wurde immer dunkler, deshalb gab uns Jones eine Taschenlampe, um nach weiteren Tieren besser Ausschau halten zu können. Es dauerte nicht lange, da konnten wir unsere ersten Elefanten entdecken, sogar Junge waren dabei. Diese Tiere leben immer in Herden, sind echt gigantisch und wirken auf mich extrem faszinierend. Somit hatten wir schon Nummer 3 von den Big 5 zu Gesicht bekommen. Doch das sollte es noch nicht gewesen sein für heute.



Wir fuhren noch ein Stück weiter, auf einmal entdeckte ich Augen in der Dunkelheit und sagte nur zu Jones, “Animal in front of us”. Als wir näher kamen, wurde ihm klar, dass es sich um einen Leoparden handelt. Jones konnte es kaum fassen, denn diese Tiere sind extrem schwierig zu finden. Wir verfolgten ihn kurz, beobachteten wie er sein Revier markierte und sahen zu wie er schlussendlich in der Dunkelheit verschwand. Einfach unglaublich, dass wir dieser riesigen Katze bei ihren Bewegungen zuzusehen durften. Jones meinte, dass wir so ein Glück hatten, was wir jetzt alles schon sehen durften, immerhin war der Leopard unsere Nummer 4 von den Big 5, somit blieb nur noch der Löwe übrig.



Kurz nach unserer letzten Tiersichtung kamen wir gegen halb 9 an unsere Lodge an, die mitten im Nationalpark mit Blick auf den Nil lag. Dort war einiges los, so dass wir kaum einen Parkplatz fanden. Unser Gepäck wurde sofort wieder von drei Leuten hineingetragen, das ist für uns noch immer sehr gewöhnungbedürftig. Nach dem Check In inspizierten wir schnell das Zimmer und machten uns danach auf zum Abendessen. Hier gab es ein leckeres Buffet, zu meinen Freuden, mit einer großen Auswahl an vegetarischen Gerichten. Beim Essen saßen wir gemeinsam mit Jones auf der Veranda mit direktem Blick auf ein Wasserloch, wo die Möglichkeit bestand weitere Tiere zu entdecken. Aber außer einer kleinen Herde von Wasserböcken, blieb es heute Abend ruhig. Andi gönnte sich zum Essen sein erstes Bier, somit war auch er gesundheitlich übern Berg.



Nach dem Essen machten wir uns sofort auf ins Zimmer und fielen ins Bett, denn morgen würden wir schon um 6:00 Uhr starten für unseren ersten richtigen Gamedrive. Fazit von Tag 2: 4 von den 5 der Big 5 bereits entdeckt und das nur am Weg zur Lodge, einfach verrückt. Bin schon gespannt was morgen auf uns wartet.






