Heute war endlich der Tag gekommen auf den ich seit gut zwei Jahren hingefiebert hatte. Alex, ein sehr guter Freund von mir, mit dem ich 2022 gemeinsam ans Nordkap gedüst bin, hat mir zum 30iger geschenkt: noch einmal eine Reise gemeinsam zu machen mit der kleinen Randnotiz der Ort müsste sich nur auf Planet Earth befinden. Da war für mich klar, ich will in die Antarktis. Das habe ich ihm dann aber erst ein paar Wochen später schonend beigebracht. Damit hatte er nicht gerechnet, aber für verrückte Ideen ist er immer zu haben. Da so eine Reise doch etwas Vorlaufzeit braucht, haben wir die Umsetzung letztes Jahr nicht geschafft, aber 2026 sollte es soweit sein.
“Nur” für die Antarktis soweit zu fliegen, war für mich natürlich nicht genug. Ich wollte unbedingt auch noch Patagonien in Chile und Argentinien mitnehmen und Alex wollte dann die Carretera Austral befahren. So wurden aus drei Wochen Urlaub, irgendwie 5 Wochen. Zum Glück konnte ich es in der Arbeit mit meinem Team so vereinbaren und auch mein Vorgesetzter hatte nichts dagegen. Alex ist ja sowieso vogelfrei, der wird vermutlich wieder vom Laptop aus einige Dinge erledigen.
Nachdem wir zu Weihnachten 2024 die Schiffsreise fixierten, letzten Mai die Flüge buchten, beschäftigte ich mich gefühlt das letzte halbe Jahr immer wieder mit der Route durch Patagonien. Start sollte in Santiago de Chile sein, wo wir uns einen Camper holen und mit diesem dann die Straßen über Argentinien bis runter nach Punta Arenas unsicher machen werden. Von dort nehmen wir dann den Bus nach Ushuaia, wo am 14.02.2026 das Schiff ablegen wird. Das wird wohl eines meiner größten Abenteuer.
Alex und ich haben ja beide gute Nerven. Während ich vormittags noch arbeiten war, musste er sich erst einen geeigneten Koffer kaufen, da er erst vor 2 Tagen von Dubai heimkam und seine Schwester den großen Koffer für ihre Reise gebraucht hatte, schlechtes Timing würde ich mal sagen. Meine Eltern brachten uns nach Schwechat, wobei Alex in Altlengbach zustieg. Die Autofahrt war etwas kuschlig, die Männer vorne, Mama und ich mit Gepäck auf der Rückbank. Der Kofferraum war doch etwas zu klein für unser ganzes Gepäck.


In Schwechat angekommen, kam es zur ersten Challenge bei der Gepäcksaufgabe. Alex Koffer war um 3kg zu schwer. Aber die Dame von Austrian Airlines war sehr freundlich. Sie meinte, da ich um 3kg unter der Grenze war, bräuchten wir keinen Aufpreis zahlen, da sich das ausgleichen würde. Vielleicht kann ich Austrian die vergangen stornierten Flüge doch noch verzeihen. Hier sei noch kurz festgehalten, dass ich als Frau, weniger Gepäck als Alex hatte.
Dann hieß es verabschieden und ab durch die Sicherheitskontrolle. Da war gar nichts los. So ein Abendflug war richtig angenehm. Anschließend entführte mich Alex in eine Lounge, die er aufgrund seiner Kreditkarte nutzen darf. Ich war komplett erstaunt, ruhige Warteräume, eigene WCs, Buffetessen und Getränke und das alles for free. Alex aß zu Mittag, ich holte mir ein Stück Kirschstrudel und ein paar Nüsse. Unsere Wasserflaschen füllten wir auf und Alex arbeitete noch ein paar Dinge auf, bevor wir zum Gate marschierten. Dort gönnte ich mir traditionell noch meinen Smoothie. Hier ging mir auch zum ersten Mal mein Polarparka etwas auf die Nerven, aber in den Koffer hätte ich den unmöglich hinein gebracht.




Per Bus gings zum Flieger oder wie Alex ihn bezeichnete, zur Coladose. Für ihn war der Flieger einfach zu klein, der fliegt ja normal nur nach Dubai mit größeren Vögeln. Mit etwas Verspätung hoben wir ab, da die Coladose noch enteist werden musste. Der Flug selbst verlief sehr ruhig und schnell, wir hatten ja auch einige Dinge zu bereden.

In Barcelona angekommen, hieß es Gepäck abholen und wieder neu einchecken. Beide Koffer waren da. Die Dame von Iberia war leider nicht so zuvorkommend und Alex musste hier für sein schweres Gepäck zusätzlich bezahlen. Mit Handgepäck passierten wir erneut den Securitycheck, wo wir diesmal gefilzt wurden. Ferngläser und alle möglichen elektronischen Geräte von Alex wurden genauer unter die Lupe genommen. Doch die Dame war sehr freundlich und wir konnten uns, nachdem wir alles wieder eingepackt hatten, auf die Suche nach der Lounge machen.

Diese stellte sich eher als Tortur heraus. Ich fühlte mich wie bei Asterix und Obelix, wie sie in dem Irrenhaus Passierschein A38 suchten. Auch wir wurden von A nach B geschickt. Hier ging mir mein Polarparka so richtig auf die Nerven, aber ich werde noch sehr dankbar sein ihn dabei zu haben. Nachdem wir endlich die Richtung wählen, die ich von Anfang an gemeint hatte, fanden wir die Lounge endlich. Wir entspannten kurz, holten sich ein paar Snacks und machten unseren Weg zum Gate. Das Boarding sollte schon 1.5 Stunden vor Abflug beginnen. Also endlich ein richtiger Vogel für Alex.

Wir hatten eine Zweierreihe für uns, ich am Fenster. Mittlerweile war ich schon richtig müde, als wir kurz vor Mitternacht abhoben. Gegen 1 Uhr wurde uns noch Abendessen gebracht, die nächsten 12h sollte kein Service mehr kommen. Es gab hier auch keine Decken, Schlafsocken oder Kopfhörer. Die Airline von der der Flug durchgeführt wurde, nennt sich Level. Ich habe mir dann meinen Polarparka als Decke geschnappt. Jetzt war ich heilfroh ihn zu haben, sonst wärs kein gemütlicher Flug geworden. Alex saß im Vergleich neben mir im kurzen Shirt. Ich bin eindeutig etwas erfrorener als er.


Ich schlief zwar schnell ein, wurde aber durch die Turbulenzen immer wieder wach. Alex schien das nichts auszumachen, mich machte es doch etwas nervös. Der Flug ging ja 14h und eine sehr lange Strecke über den Ozean, irgendwie war da doch ein mulmiges Gefühl dabei. Zum Glück besserten sich die Turbulenzen dann ab der Hälfte der Strecke und als wir über Brasilien waren, verlief alles Weitere ruhig. Hier konnten wir auch den Sonnenaufgang beobachten. Pilot muss schon ein schöner Beruf sein, wenn man immer wieder solche Farbenspiele am Himmel beobachten kann.

Die letzten 40 Minuten waren einfach ein Traum, so knapp über die Anden zu fliegen unbeschreiblich und da war auch mein Travelgrinser wieder da. Genau solche Momente machen das Reisen für mich unbezahlbar. Der Landeanflug verlief nach Plan und kurz vor 10:00 Uhr Ortszeit kamen wir in Santiago de Chile bei 21 Grad an. Zuerst wurde meine Weste gleich mal im Rucksack verstaut, reichte ja das der Polarparker um die Hüften gebunden werden musste. Einem kleinem Jungen, der neben uns in der Reihe saß, hätte ich am liebsten sein Stofftier entwendet, er streichelte die ganze Zeit einen kleinen niedlichen Stoffkiwi.





Am Flughafen mussten wir durch die Pass- und Einwanderungskontrolle, was über eine Stunde dauerte, da so viel los war. Wir kamen aber ohne Probleme durch und auch der Schnüffelhund schlug nicht an bei uns. Also blieb nur noch die Frage, ob unsere beiden Koffer angekommen sind. Meinen erblickte ich schon von der Weite, er hat ja auch ein auffälliges Design. Alex ging dann auf die Suche nach seinem Koffer. Dieser hatte den Flug leider nicht ganz heil übersstanden, ein Rad fehlte ihm nun. Nicht mal 48 Stunden in Alex Besitz und schon kaputt. Also mussten wir uns später um die Anschaffung eines neuen Koffers kümmern, zuerst aber fuhren wir mit einem Uber ins Hotel. Der Fahrer bestand unbedingt darauf, dass eine Person vorne sitzen muss, da Uber hier in Chile, zumindest in Flughafennähe, illegal sei und die Polizei so weniger Verdacht schöpfen würde. Der Fahrer war ursprünglich aus Venezuela.



Nach 20 Minuten waren wir im Hotel, das ganz einfach war. Ich ließ Alex mit den Koffern in den fünften Stock fahren, ich selbst nahm wie immer die Treppen. Das Zimmer war klein und die Einrichtung veraltet, aber sauber und wir bleiben ja nur eine Nacht.

Nachdem wir uns beide erfrischt hatten, ging es auf Koffersuche. Wir wurden rasch fündig und so marschierten wir mit einem riesigen grünen Koffer wieder zurück. Danach spaziereten wir noch in Santiago etwas herum, aßen bei einem sehr guten Inder und fuhren dann noch mit einer Seilbahn zum Cerro San Cristobal. Das ist eine Erhebung von der man wirklich schön über ganz Santiago sehen konnte. Auf der anderen Seite ging es mit einer Gondel hinunter und anschließend wieder zurück hoch. Die Aussicht auf der Fahrt und von ganz oben war wirklich ein Traum, die Stadt wirkt echt riesig. Auch eine Jungfrauenstatue befand sich am höchsten Punkt.












Gegen 19:00 verließen wir den Hügel und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel, wo es für Alex noch umpacken und etwas arbeiten hieß. Ich nutzte die Zeit für meinen Blog. Morgen holen wir gleich in der früh unseren Wegbegleiter für die nächsten Wochen ab.


















