Komplett ausgeruht und aufgewärmt starteten wir in Tag. Alex hatte in der Früh zu arbeiten und ich chillte zur Abwechslung mal etwas länger im Bett herum. Das Hotel war echt top ausgestattet mit Spa und Gym und auch einen Wäscheservice gab es, den Alex noch nutzen wollte. Ich hatte so etwas noch nie genutzt oder vermutlich verkehre ich normalerweise auch nicht in so tollen Hotels. Ich gab dann noch zwei Westen und eine Jogginghose dazu, mit dem restlichen Gewand sollte ich auskommen. Der Vorteil der Kälte, man bzw. ich schwitze hier kaum. Also brachten wir noch etwas Wäsche zur Rezeption und gingen dann zum Frühstücksbuffet, das alles erfüllte was unser Herz begehrte. Also Eier und Würstchen für Alex, Eier, Obst und Kuchen für mich.



Nachdem Frühstück waren wir auf der Suche nach einer Waschanlage oder Waschbox, um Kowalski mal außen sauber zu bekommen. Die ersten zwei Möglichkeiten bei größeren Tankstellen gefielen Alex nicht, also wählte er dann eine Hinterhofwaschanlage. Das war mehr eine privaten kleine Werktstätte mit Waschangebot. Der Besitzer sprach sogar ein paar Brocken englisch. Also ließen wir Kowalski im Innenraum der Fahrerkabine und außen putzen. Die seitlichen Wände mit dem Campingequipment und unseren Schlafbereich würden wir anschließend noch selber sauber machen. Der Camper musste nämlich sauber zurückgegeben werden und da die Firma einem Deutschsprachigen gehört, solle hier wohl etwas Gründlichkeit vorherrschen. Zwei Stunden benötigten die Herren und wir konnten im Büro warten. Das Büro war windgeschützt, aber nicht wirklich warm. Ich nutzte die Zeit, um meinen letzten Blog fertig zu stellen, während sich Alex etwas, um Kowalski sorgte, da er ihn nicht mehr sah. Er ging auf die Suche nach ihm, aber er parkte eh nur ums Eck. Nicht das er uns jetzt am letzten Tag noch abhanden kommt. Nach zwei Stunden bezahlten wir knapp 40€. Das Ergebnis ließ sich echt sehen, er war innen wie neu und glänzte auch außen. Da sah man jetzt jeden Kratzer, den er durch unsere Gebüschfahrten abbekommen hatte.





Wir fuhren zum Hotel zurück und erledigten dort den Rest. Ich reinigten das Geschirr, die Kühlbox und den Campingkocher, während Alex den Schlaf- und Wohnbereich putzte. Nach einer Stunde waren wir komplett fertig und hatten noch etwas Zeit bevor wir Kowalski abgeben mussten. Diese nutzten wir, um unser Gepäck zu organisieren.


Hier noch ein paar Bilder von Kowalski, die bin ich euch ja noch irgendwie schuldig. Beim Abholen war einfach keine Zeit mehr, da wir etwas im Zeitdruck waren, um zu unserem Vulkantrekking zu kommen. Danach war er sofort dreckig und vollgepackt, da sah ich nicht mehr viel Sinn darin. Auf jeden Fall befand sich auf der einen Seite die Kühlbox mit etwas Stauraum und der ausklappbaren Kochfläche, sowie einem befestigbarem Waschbecken inkl. Wasserversorgung. Wir führten einen 100l Wassertank mit, der diese Leitung und die Leitung für die Außendusche hinten speiste. Außerdem konnten wir auch Außenlicht an den Seitenwänden aufdrehen.





Auf der anderen Seite befanden sich zwei große Laden, wo Besteck, Kochgeschirr, Teller, Campingkocher und teilweise auch Lebensmittel gelagert wurden. Außerdem fand auch unser Verlängerungskabel dort platz.

Hinten befand sich die Außendusche, sowie der Zugang zu unserem Wohn- und Schlafbereich. Es gab zwei Sitzbänke, einen verstellbaren Tisch und zwei große Laden als Stauraum. Ich verstaute in einer davon mein notwendigstes Gewand, um nicht ständig den Koffer von der Rückbank heben zu müssen. Die Gasflasche und Benzinkanister flogen dauernd herum, die Halterung hielt die Schotterpisten gar nicht aus, also nicht besonders praktikabel für die Gegend hier. Eine tragbare Toilette war auch mit an Bord, aber wir brauchten sie zum Glück nicht.

Der Zeltaufbau war mit vier Verankerungen befestigt und musste vor jeder Nächtigung hochgehoben werden. Das war Alex tägliche Aufgabe, während ich mich um die Verpflegung kümmerte. Auf dem Dach befand sich auch eine Solarpanele, die uns mit Strom versorgte.
Noch ein Wort zur Internetverbindung: wir hatten ja beide eine E-Sim Karte für Südamerika fürs Handy aktiviert, jedoch war die Netzabdeckung in den unbesiedelten Gegenden echt schlecht, kein Wunder, braucht ja auch niemand. Also ohne Starlink Internet von Alex hätten wir sicher 80% keine Verbindung gehabt. Diese Starlink-Schüsseln kannst du hier teilweise einfach im Supermarkt kaufen und siehst du auch bei vielen anderen Autos am Amaturenbrett unter der Windschutzscheibe befestigt. Das gehört hier glaube ich genauso zur Standardausrüstung eines Fahrzeuges, wie bei uns die Winterreifen.
Gegen halb vier fuhren wir nochmal Tanken und anschließend zum Rückgabeort, welcher in einer ganz normalen Wohnsiedlung lag. An der Tankstelle hatten wir noch ein lustiges Erlebnis mit dem Tankwart, der unbedingt ein Gespräch mit uns führen wollte. Er schaute dauernd Alex an, aber der verstand nur Bahnhof. Ich erzählte ihm dann so viel, dass wir von Santiago losgefahren sind und jetzt noch weiter nach Ushuaia und die Antarktis fahren. Er wollte noch wissen welche Nationalität wir haben. Als er Österreich hörte, kam er sofort mit Bayern München und David Alaba. Also Fußball scheint hier in Chile auch einen wichtigen Stellenwert zu haben.

Bei der Rückgabe von Kowalski lief alles problemlos und es nahm keine drei Stunden in Anspruch, so wie bei der Übernahme. Wir hatten auf jeden Fall zur Sicherheit genug Zeit eingeplant. Sie beanstandete nur einen kleinen Steinschlag an der Windschutzscheibe, welcher echt leicht möglich von uns war, bei den vielen Schotterstraßen auf denen wir unterwegs waren. Das Gas kontrollierte sie zum Glück nicht, das war nämlich komplett leer. Wie sie den Campingkocher inspizierte, meinte sie, ob wir den überhaupt benutzt hätten, da er so sauber sei. Ich dachte mir beim Putzen noch, der sieht noch immer dreckig aus. Da habe ich mich echt gefreut, dass sie zufrieden war. Nach 30 Minuten hatte sie alles nur oberflächlich gecheckt und ihre Bilder gemacht. Ich bin mir sicher unsere Reinigung hatte dazu beigetragen, dass sie ihn nicht so genau unter die Lupe nahm, machte dies ja schon einen gepflegten Eindruck.

Wir marschierten anschließend zu Fuß zurück zu unserem Hotel, wobei wir noch an einem Supermarkt stoppten, um uns für die morgige 10stündige Busfahrt mit Essen zu versorgen.



Im Hotel versuchte Alex Ordnung in sein Packchaos zu bringen, während ich gemütlich an meinem Blog schrieb. Gegen 19:00 Uhr gings dann auf Restaurantsuche, was sich doch etwas als schwierig herausstellte. Denn wir waren hier im Fleisch- und Fischparadies angekommen. Vegetarische Gerichte gab es so gut wie keine auf den Speisekarten. Schlussendlich wurden wir in einem komplett niedlichen Lokal fündig. Von innen wirkte es fast wie in einem Glashaus zu sitzen, mit alten Kachelöfen, Pflanzen und Gartenzwergen als Dekoration. Ich wählte sofort einen Platz neben dem Kachelofen. Wir bestellten zwei Minz-Ingwer-Limonaden und einen Calafate Sour, der einfach nur nach Alkohol schmeckte, so überhaupt gar nicht, wie der am Schiff. Alex ließ ihn einmal zurück gehen, der Neue kam dann mit Eiswürfel, war aber für mich trotzdem nicht zu trinken. Er schmeckte als würdest du puren Schnaps trinken und dafür war mir ein Sektglas voll einfach zu viel. Sonst könnte die Busfahrt morgen lustig werden.




Als Vorspeise bekamen wir gleich zwei Brötchen mit Dip hergestellt. Die Auswahl in der Speisekarte war riesig, jedoch führten sie momentan nicht alles. Wir mussten beide zwei Mal um entscheiden. Zum Essen wählte ich angebratenen Karfiol, dazu bestellte ich noch eine Portion Reis und Pommes. Alex bekam eine Art Krabben-Fondue als Vorspeise und ein Krabbenrisotto als Hauptgang. Es sah sehr speziell aus. Heute konnten wir beide nicht zusammen essen, sicher 2/3 vom Risotto und der Pommes ließen wir uns einpacken. Somit waren wir für morgen gut versorgt. Aber die Gerichte waren echt alle super lecker und auch das Personal war trotz Sprachbarrieren extrem freundlich. Die eine Kellnerin gefiel Alex besonders gut. Sie hatte auch echt eine süße Ausstrahlung.






Wir kugelten dann zurück ins Hotel, wo wir unsere Souvenirs, die wir in einem echt coolen Laden vorhin geshoppt hatte, noch verstauten. Am Rückweg entdeckten wir auch noch ein Feuerwehrhaus mit gelben Feuerwehr Autos. Das musste ich sofort festhalten. Jedes Feuerwehrauto im Ausland wird für meine Freundin Kathi fotografiert, ihr Papa war eine Zeit lang Feuerwehr-Kommandant.


Alex hatte vorhin auch seine Wanderschuhe gewaschen und auf den Heizkörper gestellt. Trotz leicht geöffnetem Fenster sind wir fast umgeflogen als wir die Zimmertür öffneten. Ich erinnerte mich an früher an die Klassenzimmer in der Schule, wenn es ums Fenster öffnen ging, so auf die Art: “erstunken ist noch keiner, erfroren schon”. Er wusch auch noch zwei Hosen und befestigte diese am Heizkörper. Ich schrieb in der Zwischenzeit seelenruhig an meinem Blog, das Gepäck fertig gepackt für die morgige Bustour, die uns nach Ushuaia bringen sollte.


Wir hatten unsere Reise bei Breitengrad 33 gestartet und waren mittlerweile bei Breitengrad 53 angekommen. Ushuaia liegt auf Breitengrad 54. Ziel unserer Reise wäre es den südlichen Polarkreis auf Breitengrad 66 zu erreichen, drückt uns die Daumen dafür, denn hierzu müssen die richtigen Witterungsbedingungen gegeben sein. Insgesamt haben wir mit Kowalski 5372km zurück gelegt.




