Kleiner Funfact zu Beginn: Alex hat nachts den Campingkocher aktiviert, um uns so den Schlafbereich von Kowalski etwas zu erwärmen. Mittlerweile hatte man schon das Gefühl, als ob er die Kälte halten würde, wie eine fahrende Kühlkammer. Wenn der Wind draußen nicht so gehen würde, wäre es dort bestimmt wärmer. Auch in der Früh hat Alex den Campingkocher gleich mal angeworfen, damit das Anziehen etwas angenehmer verlief. Stirnband und Handschuhe waren definitiv die richtige Wahl für heute Nacht. Der Wind verhielt sich komplett ruhig und somit war es in Summe eine gute Nacht, die mit einem wunderschönen Morgenrot über dem Meer endete.


Wir packten uns rasch zusammen, denn bei den Temperaturen kannst du eh nicht auf gemütlich machen und fuhren dann zum heutigen Abholpunkt. Dieser lag eher außerhalb von Punta Arenas auf einem kostenlosen Parkplatz. Die Abholzeit war für 7:00 bis 7:30 angegeben, abgeholt wurden wir aber erst gegen 8:00 Uhr. Somit starteten wir schon mit etwas Verspätung. Ein weißer Van mit rund 20 Sitzplätzen holte uns ab. Wir waren die beiden letzten Passagiere, so nahm ich in der letzten Reihe zwischen einer chilenischen Familie platz und Alex saß neben einer Asiatin. Die Fahrt dauerte bis zum ersten Haltepunkt sicher schon mal knapp zwei Stunden. Wir waren an einer verlassenen Estancia, namens San Gregorio, angekommen. Estancia bedeutet so viel wie Farm oder Ranch. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges Schafzucht-Anwesen an der Magellanstraße aus dem Jahr 1876, welches von José Menéndez gegründet wurde. Dieser kam jedoch in Konflikt mit dem indigen Volk (Selk’nam), welches Feuerland bewohnte. Die Selk’nam sahen die Schafe als Beute an, somit startete José einen Jagd auf dieses Volk. Er bezahlte zu Beginn für abgeschnittene Ohren, später dann für innere Organe, Hoden und Köpfe. Ein trauriger Ort, der wie eine Geisterstadt wirkte. Am Strand entdeckten wir noch ein Schiffswrack.




Anschließend fuhren wir zu einem Fährpunkt (Punta Delgada) weiter, wo wir die Magellanstraße überwinden sollten. Diese wurde Ende 1520 von Ferdinand Magellan, einem Portugiesen entdeckt bei der Suche nach einem Weg, um schneller vom Atlantik zum Pazifik zu gelangen. Von diesem Magellan hat bestimmt jeder schon mal im Geschichteunterricht gehört, initiierte er ja die erste Weltumsegelung. In Punta Delgada angekommen, mussten wir auf unsere Fähre warten. Die Zeit nutzten wir für eine Toilettenpause und um uns mit Tee für Laura und heißer Schoki für Alex aufzuwärmen.



Auf der Fähre wechselten wir vom Van in den Passagierbereich, wo wir das Meer beobachten konnten. Die Überfahrt dauerte gut 20 Minuten, wobei die Wellen schon gut auf- und abgingen. Am anderen Ende angekommen, konnte ich einen Graufuchs am Uferrand beobachten, jedoch kein Bild von ihm schießen. Unsere Fahrt mit dem Van ging noch zwei Stunden weiter direkt zu unserem Hauptziel, dem Pinguino Rey Naturreservat. Ein Reservat, welches Königspinguine beheimatet. Die Bucht hier wird auch “useless bay” zu deutsch “unnützliche Bucht” genannt, da sie dem Export aufgrund ihrer Lage nicht dienlich war. Schiffe finden hier aufgrund der weiten Buchtöffnung keinen Schutz vor den doch sehr starken Westwinden. Für die Pinguine dafür optimal, die lieben Wind und Kälte. Seit ca. 2010 beherbergt die Bucht über 90 Königspinguine, welche anhand ihrer Farbintensität ihr Alter einschätzen lassen. Die Kücken sind nur graubraun mit dem Alter bekommen sie die typischen gelb-orange Töne, die immer intensiver werden. Momentan befinden sie sich in der Brutzeit, was bedeutet, dass wir auch die Möglichkeit haben Kücken zu entdecken. Auch erwachsene Tiere, welche sich in der Mauser befinden, werden wir zu sehen bekommen. Diese dauert ein Monat an. Währenddessen können die Tiere nicht ins Wasser gehen und somit auch keine Nahrung zu sich nehmen. Deshalb müssen sie davor schon richtig viel fressen.


Die Pinguine bevorzugen dieses Gebiet hier, da das Wasser nicht besonders tief ist und somit natürliche Feinde, wie die Orkas, Seelöwen und Seeleoparden schon mal minimiert werden. Auch an Land gibt es Feinde, wie den Graufuchs und den amerikanische Nerz. Außerdem herrscht hier ein Fischverbot, was das Futterangebot für die Pinguine natürlich interessant macht. Auf Feuerland gibt es übrigens keine Pumas, was das vorhanden sein von riesigen Guanako-Herden erklärt. Das Gebiet Feuerland wird auf Chile und Argentinien aufgeteilt, wobei der nördliche Teil eher karg steppenartig ist, der südliche Teil hingegen mehr Landschaftshighlights haben soll. Das werden wir vielleicht in Ushuaia noch sehen.


Die Pinguine legen sich am Boden, um ihre Temperatur zu regulieren, die schlafenden hingegen sind jene, die aussehen als hätten sie sich das Genick gebrochen. Wir entdeckten auch drei Babys. Ihr Anblick war echt süß. Für mich war das jetzt schon die dritte Pinguinart, die ich in freier Wildbahn erleben durfte. In Neuseeland trafen wir damals auf Gelbaugenpinguine und den kleinsten Pinguin der Welt, die Blue Penguins.



Der Wind ging hier wieder ordentlich, wobei unser Guide meinte, heute sei ein guter Tag. Zurück am Ausgangspunkt erfuhren wir, dass es Komplikationen mit unserer restlichen Tour geben würde. Eigentlich wäre geplant gewesen unsere Lunchpause in einer kleinen Siedlung hier zu machen und anschließend noch Porvenir zu besuchen, von wo wir die Fähre Richtung Punta Arenas nehmen sollten. Jedoch wurden aufgrund der Witterungsbedingungen alle Fährfahrten für den restlichen Tag storniert. Diese Fährfahrt hätte zwei Stunden beansprucht, da wir hier eine längere Strecke am Meer zurück legen hätten müssen. Somit blieb uns nur noch den Weg zurück zu fahren und die Überquerung mit der selben Fähre zu nehmen. Doch hier war auch ungewiss, ob diese in zwei Stunden noch fahren würde. Wir sollten doch nicht wirklich die Nacht in Feuerland verbringen müssen, wo es gefühlt nichts gab?

Nach zwei Stunden Fahrt waren wir bei der Fähre angelangt, sie fuhr zum Glück noch. Doch wir mussten 30 Minuten warten. Beide Restaurants am Straßenrand hatten geschlossen, aber wir fanden in einer verlassen wirkenden Räumlichkeit zumindest eine Toilette und meinen besten Freund des heutigen Tages, einen richtig heißen Heizkörper. Der wurde gleich mal von mir beschlagnahmt bis wir wieder in den Van einstiegen. Hier beobachtete ich auch einen Graufuchs am Straßenrand, den ich diesmal auch abbilden konnte.



Bei der Fährüberfahrt merkte man, dass die Wellen nochmal ordentlich zugenommen hatten und die Fähre fuhr auch weit langsamer. Am anderen Ende angekommen, stoppten wir nochmal bei der offenen Cafeteria, damit sich einige Passagiere nochmal mit Snacks verpflegen konnten. Mittlerweile war es schon fast 19:00 Uhr und es standen uns noch zwei Stunden Fahrt bevor. Alex und ich verschliefen beide den Großteil der Fahrt, denn der Blick aus dem Fenster war auch kaum möglich. Diese liefen nämlich pausenlos an, richtig warm war es in dem Van jedoch auch nicht. Zum Glück durften wir als erstes den Van verlassen und hüpften gegen 21:00 Uhr in Kowalski.


Dann hatte ich die beste Idee des Tages. Ich konnte mir überhaupt nicht mehr vorstellen noch eine Nacht in dieser Kälte zu verbringen, also meinte ich, ob wir probieren sollten, ob unser Hotel für morgen, heute schon etwas frei hatte. Alex checkte sofort auf booking.com die Kapazitäten und es war etwas frei. 10 Minuten später stand er in der Lobby des Hotels und organisierte unser Zimmer. So sehr auf eine heiße Dusche und ein warmes Bett habe ich mich schon lange nicht mehr gefreut. Wir luden noch unser ganzes Gepäck aus Kowalski aus, wobei Alex keine Lust mehr hatte, dass Hochdach zu öffnen, ich aber ohne meinen Sternpolster nichts ins Bett wollte. Also versuchte ich ihn so zu erwischen, es ging sich gerade so aus, ohne stecken zu bleiben.



Die Temperaturen hier sind halt einfach frisch und das ist auch voll okay so. Ich brauche die Hitze prinzipiell ja gar nicht unbedingt, aber wenn man sich nachts oder tagsüber gar nicht aufwärmen kann, machts halt nicht mehr soviel Spaß. Jetzt sind wir für den morgigen Tag optimal gerüstet, denn an der Tagesordnung steht Kowalski wieder sauber bekommen und zurück geben. Das geht auf jeden Fall besser, wenn wir wieder wieder motiviert sind und unser Gepäck schon im Hotelzimmer verstauen konnten.




