Heute habe ich Alex wieder mal kurz vor 5:00 aus dem Bett geholt. Bis wir Kowalski abfahrtsbereit hatten, brauchten wir immer zirka eine halbe Stunde ohne uns zu stressen. Dann fuhren wir 10 Minuten zum heutigen Aktivitätsstart, eine kleines Touristenbüro in einer gewöhnlichen Wohnstraße, komplett unscheinbar. Wir ließen Kowalski zurück, nachdem wir unser Gepäck im Schlafbereich stationiert hatten. Denn die Campingvandame hatte gemeint, auf der Rückbank würde es zu einladend für Diebe wirken und das hatten wir ja erst in Köln, noch einmal brauchen wir keine eingeschlagene Scheibe. Mit Minivans wurden wir zum nahegelegen Strand gebracht. Dort ging unser Guide Gonzales mit uns zu unseren Kajaks. Wir waren insgesamt vier Personen, die sich für die längere Tour angemeldet hatten. Vorab bekamen wir noch unsere Ausrüstung: eine dünne Jacke, eine Spritzdecke (was wie ein Art Rock war), Drybag und eine Schwimmweste. Beim Strand wurden wir auf die Kajaks aufgeteilt und bekamen unsere Padel. Das Pärchen, das auch noch mit am Start war, teilte sich ein Kajak, der Name der Frau war übrigens auch Laura. Alex und ich hatten jeder unser eigenes. Ich dachte mir beim Buchen, nachdem wir schon eine Woche 24/7 aufeinander geklebt sein würden, wäre es vielleicht besser uns mal für ein paar Stunden zu trennen, sonst würde mich Alex vielleicht noch im See versenken.




So starteten wir kurz vor Sonnenaufgang unsere Kajaktour und genossen dann am See, wie die Sonne über die Berge stieg. Dieser See, welcher in Chile als “Lago General Carrera” und in Argentinien “Lago Buenos Aires” bezeichnet wird, teilt sich eben auch mit diesen beiden Ländern die Staatszugehörigkeit, wobei der chilenische Anteil etwas größeres ist. Der See ist der zweitgrößte in Südamerika, nach dem Titikaka See in Peru/Bolivien. Unsere Tour sollte zirka 5 Stunden insgesamt dauern, wobei wir sicher gut 3 Stunden am Wasser verbrachten.




Nach einer kurzen Sicherheitseinschulung fuhren wir relativ zügig zum Endpunkt unserer Tour. Den Rückweg nahmen wir uns dann Zeit, all die Marmorhöhlen zu erkunden. Einfach atemberaubend mit dem Kajak durch die Höhlenformationen zu fahren und das auch noch dazu ohne andere Touristen, nur unsere Gruppe schien die weitere Strecke gewählt zu haben. Hier musste man halt 9km zurücklegen, bei der kürzeren war es weniger als die Hälfte.




Am Ende der Tour hielten wir noch bei einem Tunnel, einer Kathedrale und einer Kapelle. Letztere würde sogar für Hochzeiten genutzt werden. Je nach Jahreszeit variiert der Wasserstand, so kommt es vor, dass man wirklich wie in einer Kapelle stehen kann. Der Marmor hier ist noch relativ jung, deshalb ist er für die Industrie noch nicht interessant, sonst könnten wir wahrscheinlich nicht mehr so gemütlich herumfahren. Anhand der Ringe im Gestein kann man, wie bei Bäumen, das Alter berechnen, ganz spannend was uns Gonzales alles berichtete.











Dann ging es gemütlich wieder retour, wo wir uns vom Kajak und der Ausrüstung verabschiedeten. Unsere Hintern waren komplett nass, aber ansonsten waren wir trocken geblieben und es kam auch zu keinen Up Side Down Turns (also keiner fiel ins Wasser). Zurück im Touristenbüro verabschiedeten wir uns von der Crew und erfreuten uns, dass Kowalski noch ganz war. Zwei Nachbarskatzen wollten gleich mit uns mitfahren, eine stieg sogar beim Beifahrersitz kurz ein.



Heute wären noch 11 Stunden Fahrt angestanden, doch da das tendenziell immer noch mehr Zeit in Anspruch nimmt, habe ich beschlossen umzuplanen und diese Strecke in zwei Tage zu fahren. So entgeht uns zwar eine Wanderung im nächsten Nationalpark, aber Alex ist sicher froh darüber, eine Foltermöglichkeit weniger. Also traten wir unsere Fahrt nach El Chalten an. Wir mussten am Weg eine Tankstelle finden, die Ad Blue verkaufte, beim zweiten Versuch schafften wir das dann auch. Zusätzlich beschwerte sich Kowalski über zu wenig Luft im linken Hinterrad, kein Wunder bei den Schotterpisten, die wir hier fuhren. Alex füllte an der Tankstelle, an der wir auch das Ad Blue bekamen, die Reifen mit Luft auf.

Zum Frühstück hielten wir entlang der Schotterstraße, da wir nichts besseres fanden. Sehr lustig, wenn man bei jedem vorbeifahrenden Auto sich wieder hinter Kowalski versteckt, um nicht komplett paniert zu werden von den Staubwolken, wobei die meisten Fahrer zum Glück etwas vom Gas gingen, als sie uns stehen sahen.



Wir sollten bald verstehen, wie groß der See wirklich war, wir fuhren 3.5 Stunden nur um die eine Seite des Sees herum, was vermutlich nicht mal ein Viertel der ganzen Umrundung in Anspruch nahm, alles nur Schotterstraße, kaum Zivilisation, aber auch Seezugänge nicht wirklich vorhanden. Der Ausblick während der Fahrt war jedoch atemberaubend. Vor einer Baustelle wurden wir wieder mal auf spanisch aufgehalten, aber außer, dass wir umdrehen sollten, verstanden wir nicht viel. Zum Glück waren zwei Autos hinter uns, die den Arbeiter verstanden hatten, also hängen wir uns an diese hinterher. Gefühlz quer durch die Pampa ging es eine enge Schotterstraße weiter.






Als nächstes Stand wieder mal eine Grenzkontrolle am Plan. Mittlerweile kannten wir ja schon den Prozess, Auto parken, mit allen Dokumenten durch Migrations- und Autokontrolle durchmarschieren und hoffen, dass man mit den paar Brocken spanisch durchkommt. In Chile verlief alles komplikationslos, bei der Einreise in Argentinien wollte die Migrationskontrolleurin unbedingt eine Adresse unseres Hotels haben. So etwas haben wir natürlich nicht, also gaben wir irgendeinen Campingplatz in El Chalten an. Sie gab mir auch ein Kompliment für mein Tattoo, so viel verstand ich zumindest. Allgemein nahmen sie es bei diesen beiden Grenzkontrollen etwas genauer, wollte die detaillierten Fahrzeugpapiere haben, aber zum Glück gab es in diese Richtung wieder keine Agrarkontrolle.
Der erste Stopp in Argentinien war ein Supermarkt. Von diesem waren wir beide nicht begeistert. Also die Auswahl in Chile war weit besser, vor allem bekamen wir dort auch Mehrkornweckerl und nicht nur Weißbrot, wie meist sonst überall auf der Welt. Das Obst und vor allem aber auch das Gemüse sah überhaupt nicht einladend aus. Bei uns würde sich das kein Laden verkaufen trauen. Aber egal wir besorgten die paar notwendigsten Dinge, vor allem Wasser, und fuhren weiter. Jetzt übernahm ich das Steuer, wobei wir jetzt das Niemandsland betraten. Die nächsten Stunden bzw. eigentlich den restlichen Tag sollten wir nichts mehr sehen als karge unendliche Weiten ohne großartige Vegetation. Das einzige spannende waren die ersten Guanakos, die uns über den Weg liefen. Ich war gleich hin und weg, eine neue Tierart in freier Wildbahn für mich. Ich kam mir vor wie auf Safari.

Alex schaffte es nebenbei den Zigarettenanzünder zu crashen, da er Laptop, Handy und Starlink gleichzeitig angesteckt hatte. Das war dann doch zu viel. Ich hatte ja davor schon ein paar Mal gefragt, ob er da unsere Batterie eh nicht umbringt. Somit musste Alex Powerbank fürs Internet die nächsten Kilometer herhalten, denn hier gab es echt 0 Empfang. Am Straßenrand stand immer wieder “Precaucion Zona de Baches”. Die Bedeutung sollte mir schnell klar werden als die ersten riesigen Löcher im Asphalt auftauchten. Das erforderte eindeutig eine Geschwindigkeitsreduktion. Also fuhren wir etwas gemütlicher weiter. Plötzlich parkten zwei Autos auf gegenüberliegender Straßenseiten auf selber Höhe am Straßenrand, beide die Warnblinkanlage eingeschalten. Das war zwar hier keine Seltenheit, jeder schaltet die gefühlt ein, sobald er abbiegt, wo keine Abbiegespur vorhanden ist. Jedoch winkte uns schon von Weitem eine Frau zum Anhalten. Ich stoppte und ein jüngeres Paar quatschte uns auf Spanisch an. Alex wollte zuerst gar nicht aussteigen, ihm kam es glaube ich nicht ganz sicher vor. Die beiden sprachen kein Englisch, aber ich verstand so viel wie, dass der Wohnwagen Hilfe bräuchte und sie Deutsche waren. Also sprangen wir aus Kowalski und marschierten zu den Deutschen. Ein älteres Ehepaar hatte einen platten Reifen und der Mann versuchte gerade den Reifen zu wechseln, hatte aber Probleme damit den Wagen hoch genug zu bekommen. Mit untergelegten Steinen und zwei Wagenhebern werkte er. Alex half dem etwas hilflos wirkendem Mann und hatte den Reifen bald abmontiert. Während Alex den neuen Reifen gemeinsam mit ihm hochhob, erklärte der Mann, dass er selbst noch nie Reifen gewechselt hätte. Da musste ich etwas schmunzeln, hatte das ja sogar ich schon mal gemacht. Wir befestigten den kaputten Reifen noch am Heck des Fahrzeuges. Das einheimische Paar wies uns noch darauf hin, nicht zu schnell zu fahren aufgrund der ganzen Löcher auf den Straßen. Jetzt hatte ich definitiv noch mehr Respekt von der Straße. Wir verabschiedeten uns von den Deutschen, die sich sehr bedankten und setzten unsere Fahrt fort.



Das mit der Lochstraße hatte sich aber eh bald erledigt, dann hieß es wieder auf der Schotterpiste weiterholpern. Bei einer etwas spezielleren Tankstelle am Weg stoppten wir, dort wurde jedoch keine Kartenzahlung akzeptiert und die Bankomaten in der Bank im vorigen Ort wollten uns beiden kein Bargeld geben. Also gab’s kein Tanken für uns, najo zur Not hätten wir ja noch den Reservekansiter. Kurz vor Sonnenuntergang hielten wir neben einem Fluss. Hier war es echt windig. Zum Glück war noch etwas von der Chillifüllung von gestern übrig. Ich gab noch ein Sackerl fertigen Gemüsequinoa hinzu um es etwas zu vermehren. Das versuchte ich am Campingkocher zu wärmen, was nur semigut funktionierte, da der Wind das Kochen erschwerte. Da kamen Erinnerungen an Neuseeland hoch. Dort hatten wir auch des öfteren Probleme mit Wind beim Kochen. Also gab es heute wieder Wraps mit Gemüsefüllung. Danach reparierte Alex noch die Sicherung vom Zigarettenanzünder bzw. er tauschte eine andere seiner Meinung nach unnötigen Sicherung mit der des Zigarettenanzünders aus. Denn wir hatten zwar Sicherungen mitbekommen, die waren jedoch alle zu groß. Ich verzog mich bald ins Bett, denn die letzte Nacht war doch etwas kurz.



Gegen 3:00 Uhr fing der Wind so richtig ins stürmen an, ich wurde munter und konnte nicht mehr einschlafen. Ich hatte das Gefühl das Auto bzw. der Zelthochbau würde jederzeit wegfliegen. Also weckte ich Alex zu seinem Bedauern auf. Er versicherte mir zwar, dass da nichts sein könnte, maximal würde seine Internetschüssel wegfliegen, das beruhigte mich jedoch nicht wirklich. Ich versuchte dann mit Airpods und Musik wieder einzuschlafen, aber auch das half nichts. Denn Kowalski wackelte ja auch herum. Alex meinte noch er könne mir mit der Taschenlampe eine drauf geben oder wir sollten Schnaps für kommende Nächte besorgen, alles nicht wirklich zielführend, meiner Meinung nach. Gegen halb 5 bat ich Alex dann ein Stück weiterzufahren und auf einen anderen Stellplatz zu wechseln. Er war nicht gerade begeistert, aber ich versicherte ihm das ich hier kein Auge mehr zu machen würde. Also fuhren wir zirka 30 Minuten zum nächsten Stellplatz. Der Wind war draußen gar nicht so schlimm, aber in Kowalski fühlte es sich an, als würde uns gleich ein Hurricane holen, also so stelle ich mir das zumindest vor. Der neue Stellplatz lag auch an einem Fluss, wo in der Appbeschreibung stand, dass weniger Wind sein würde, da er etwas unterhalb eines Hügels lag. Dort parkten auch schon andere Camper. Wir parkten uns ein und gingen gleich wieder zu Bett. Ich nahm sofort die Airpods und drehte mir eine Playlist auf, um den Wind gar nicht so mitzubekommen. Hier klappte es mit dem Schlafen besser und ich ließ Alex bis 10:00 in Ruhe schlafen.




