Die Nacht war ganz okay, den Jetlag spüren wir aber beide. Alex noch stärker als ich, da er ja eigentlich fast direkt von Dubai kam. Das Frühstück war ganz einfach gehalten, erfüllte aber all unsere Anforderungen.


Nachdem wir die letzten Dinge verstaut hatten, ging es wieder mit einem Uber zum Abholort unseres Campervans. Die Gegend dort war etwas rustikaler. Wir wurden von drei Hunden begrüßt mit denen ich mich sofort anfreundete. Die Dame, die uns den Van aushändigen sollte, sprach so gut wie kein Englisch und unser Spanisch ist einfach echt mies. Ich verstehe im Vergleich zu Alex zwar ein bisschen was, aber reden geht leider kaum. Ich hoffe, das bessert sich in den nächsten Wochen. Sie versuchte uns zu erklären, dass das Garagentour klemmte, der Mechaniker es gerade reparieren würde und wir kurz warten sollten. Da wir etwas im Zeitdruck waren, wir mussten heute noch 800km zurück legen, da wir uns noch für die morgige Tour voranmelden mussten, versuchte ich sie davon zu überzeugen den Papierkram in der Zwischenzeit zu regeln, aber sie bat uns nur Kaffee, Tee und Kekse an. Letztere sollte Alex bald als Nervennahrung benötigen.





Das Tor war zum Glück bald geöffnet, sie fuhr mit unserem Campervan heraus, wobei sich Alex und ich sofort auf den Namen Kowalski einigten, einem der Pinguine aus Madagaskar geschuldet. Dann begann unsere Chilenische Geduldsprobe. Alleine für den Papierkram benötigten wir eine Dreiviertelstunde, dann bekamen wir noch das ganze Fahrzeug erklärt, inklusive Checkliste der Ausstattung. Das ist bestimmt dem deutschen Besitzer eingefallen, zumindest roch es ganz stark nach deutscher Gründlichkeit. Als wir zwei Stunden später dachten endlich fertig zu sein, musste sie noch von jedem Winkel ein Bild schießen, was locker nochmal 20 Minuten Zeit in Anspruch nahm. Alex und ich wurden schon etwas unrund, nach 2,5 Stunden verließen wir endlich den Übernahmeort. Versteht mich bitte nicht falsch, die Dame war sehr freundlich und auch die Sprachbarrieren waren kein Problem, aber ich hatte eben noch nie eine so detaillierte Übergabe und dementsprechend keine 3h dafür kalkuliert.




Wir fuhren noch ganz schnell die paar wichtigsten Lebensmittel einkaufen, um dann Richtung Süden aufzubrechen. Da bemerkte Alex, dass sein Führerschein abgängig war, ich meinte, den hätte die Dame in seinen Pass gelegt. Als wir den Einkauf in Kowalski verstauten, riet ich Alex nochmal nach seinem Pass zu sehen. Er war jedoch der festen Überzeugen, dass den ich hätte, was nicht so war. Er muss im Büro liegen geblieben sein, wir führen zurück. Doch kamen gar nicht bis zum Büro, da uns schon ein paar Meter davor ein verschlossenes Eisentor den Weg versperrte. Alex rief die Dame an, doch verständigen war ja schwierig. Ich lief zum Büro, zu Fuß konnte man zwischen einem Stacheldrahtzaun hindurch vorbei klettern. Das Büro war wirklich verschlossen, zurück bei Alex hatte er noch nichts erreicht. Also meinte ich nochmal, ob er wirklich nachgesehen hätte. Er noch immer fest davon überzeugt ihn nicht zu haben. Dann öffnete ich einfach seinen Rucksack und was zog ich heraus? Seinen Reisepass inklusive Führerschein. Das lassen wir mal so im Raum stehen.
Kurz nach 12 Uhr hieß es also so schnell wie möglich ins 800km entfernte Pucon fahren. Dort sollten wir vor 20:00 Uhr erscheinen. Ankunftszeit laut Navi: 20:36, das könnte sportlich werden.
Alex fuhr die erste Strecke, Polizei hätte uns keine erwischen dürfen, denn die Geschwindigkeitsbeschränkungen nahmen wir eher als Richtwert an. Bei der Hälfte zirka tankten wir auf, wo ich die Toilette benutzen wollte, diese aber nicht zugänglich war. Sehr ärgerlich, da das noch mehr Zeitverlust bedeuten würde. Auch den Zusatzkanister Sprit konnten wir nicht auffüllen, da der Tankmann meinte, man bräuchte eine Sondergenehmigung. Egal wir hatten keine Zeit für Diskussionen und fuhren weiter.
Kurz danach hielt Alex am Straßenrand für die WC Pause und ich übernahm das Steuer. Alex hatte die Ankunftszeit schon auf 20:08 verkürzt, die zwei kurzen Pausen hatten aber wieder auf 20:16 verlängert. Also musste ich noch eine Viertelstunde reinholen. Bis wir von der Autobahn waren, war ich bei 19:58. Die letzten 100km ging nicht mehr viel, da es nun eine Landstraße war. Aber ich parkte mich wirklich um 19:58 in Pucon vorm Trekkingladen ein. Dort standen wir erneut vor Sprachbarrieren, aber dank Google Übersetzer lässt sich heute ja alles regeln. Wir unterschrieben die Sicherheitsbestimmungen für unser morgiges Event und probierten Trekkingschuhe an. Diese sahen alle sehr mitgenommen aus, also fragten wir, ob wir auch unsere eigenen Wanderschuhe tragen könnten, ja es sei okay. Das alles war in weniger als 10 Minuten erledigt und dafür mussten wir uns so stressen. Naja egal es war halt doch etwas knapp eingeplant.
Wir besorgten im Supermarkt noch ein paar Lebensmittel, die wir vergessen hatten und waren dann heilfroh als wir den Ort wieder verlassen konnten. Hier war richtig viel los. Da wir morgen um 6:00 Uhr früh wieder beim Trekkingbüro sein mussten, um an unserem Vulkantrekking teilzunehmen, beschlossen wir in einem nahegelegenen kleinen Campingplatz die Nacht zu verbringen. Der Campingplatz war ganz familär mit wenigen Stellplätzen, aber nagelneuer Waschräumlichkeiten. Ich wurde beim Eintreten gleich wieder von einem Hund begrüßt, der noch knuffiger war, als die am Vormittag. Natürlich verteilte ich sofort wieder Streicheleinheiten, ich weiß gar nicht wer sich mehr freute, der Hund oder ich.
Da es schon finster war, packten wir nur noch alles notwendige für morgen zusammen und gingen bald zu Bett. Denn morgen steht uns ein anstrengender Tag bevor.




