Gestern bin ich wirklich schnell weg gewesen, der Wind hat sich nachts zum Glück ruhig verhalten, dafür hat es gleich wieder etwas abgekühlt. Da half nachts nur in Embryohaltung schlafen, um so wenig Angriffsfläche wie möglich zu haben. Denn um mir noch mehr anzuziehen, hätte ich mich bewegen müssen und dafür war ich doch zu müde. Kurz vor 8 war ich komplett ausgeschlafen und fing an mich für den Tag zusammenzupacken, während Alex noch in Ruhe duschen ging. Um Punkt 10 Uhr fuhren wir ab Richtung Lago Grey. Dort wollten wir uns im Hotel für unsere heutige Bootstour anmelden, jedoch waren wir eine Stunde zu früh dort. Es dürften sich die Abfahrtszeiten geändert haben. Egal, somit hatten wir Zeit uns in der Hotelbar noch mit heißer Schokolade aufzuwärmen. Alex gönnte sich auch ein Lachsbaguette und wir teilten uns eine Art Vanillekrapfen.




Während wir uns anstellten für die Bootsregistrierung, konnten wir noch einen für uns neuen Vogel beobachten, der direkt am Hotelfenster hing. Nach der Registrierung marschierten wir noch gut 3km zum Abfahrtspunkt des Bootes. Der Weg ging am Strand des Sees entlang und führte über eine Schotterbank, die den See in zwei Hälften teilte. Kurz vorm Ziel wurde mir heute zum ersten Mal warm, obwohl ich mein Zwiebelkleidungsprinzip perfektioniert hatte, half das leider nur wenig. Ich trug heute 3 T-Shirts, zwei Westen, die Softshelljacke, Legging, Wanderhose, Handschuhe, Fleeceschal und mein Stirnband. Also eigentlich schon fast reif für die Antarktis. Ich traue mich ja gar nicht zu sagen, wie die Temperaturen heute waren, die lagen nämlich gerade im zweistelligen Bereich. Also irgendwie bin ich schon echt erfroren. Es war heute komplett bewölkt, dafür hatte sich der Wind beruhigt. Wenn es hier so geblasen hätte, wie gestern, bin ich mir nicht sicher, ob die Bootsfahrt überhaupt stattgefunden hätte.





Im Boot mussten wir diesmal eine Schwimmweste tragen und unsere Sitzplätze lagen in der Mitte des Bootes. Wir bekamen wieder einige Infos über den Gletscher, Grey Glacier, den wir anschließend besuchen würden. Der See hier hat eine Länge von 17km mit einer maximalen Tiefe von 480m. Im Vergleich zu den vielen anderen Seen im Nationalpark, die alle in verschiedensten Blautönen gehalten sind, besitzt dieser hier eine graue Farbe, welche er durch die Sedimente und Mineralien erhält. Die Gesamtfläche des Gletschers beträgt 244km2 und er ist natürlich auch Teil des patagonischen Eisfeldes, welches insgesamt 49 Gletscher beherbergt. In der Fahrt war auch ein Willkommensdrink inkludiert, wobei wir Pisco Sour und Pisco Sour Calafate wählten. Ich fand sie echt lecker, Alex meinte, schon etwas stark.




Die Bootsfahrt dauerte 2,5 Stunden, wobei sie für uns nicht ganz so spektakulär war, da wir nicht so nah an den Gletscher rankamen, wie wir schon waren, keine Kalbungen miterlebten und dieser Gletscher allgemein nicht so hoch ist wie die anderen. Dafür teilt er sich auf drei Zungen auf. Wir wechselten immer wieder zwischen Außen- und Innenbereich, ohne Sonnenschein war es mir eindeutig zu frisch an Bord.



By the way diese Bootstour würden wir nicht nochmal buchen, die anderen waren einfach spektakulärer, obwohl der Drink echt gut war. Danach hieß es wieder zurück zu Kowalski marschieren, wobei mir endlich wieder warm wurde. Ich fuhr dann die Strecke zu unserem heutigen Schlafplatz, während Alex wieder mal gemütlich am Beifahrersitz dahin schlief. Ich verstehe echt nicht, wo der Mann überall schlafen kann. Die Strecke war nämlich alles andere als gemütlich, eine Schotterpiste und wenn mal Asphalt da war, dann mit Löchern. Allgemein gab es in diesem Nationalpark fast ausschließlich Schotterstraßen, wobei es echt darauf ankommt in welchem Zustand sie sind. Bei manchen kannst du ohne Probleme zwischen 80 und 100km/h fahren, die bestehen dann aus feinem Schotter ohne Querrillen. In dem Fall hinterlässt man eine ganz nette Staubwolke. Andere hingegen haben riesige Schotterbrocken, Löcher und richtig gemeine Querrillen, da poltert es dann ordentlich. Ich bin ja froh, dass wir Kowalski haben, mit meinem Quaxie würde ich hier keine Straßen fahren wollen. Kowalski hat übrigens eine Rückfahrkamera, ohne die es echt mühsam wäre, denn mit den Seitenspiegel sieht man nicht nach hinten und der Rückspiegel ist ohnehin nur Zierde.


Der erste Schlafplatzversuch war an einem See gelegen, wo wir durch ein Gatter hindurch einen ausgewaschenen Feldweg hinunterpolterten, auch hier würde ich mit meinem Auto nicht runterfahren, da tut er mir einfach zu sehr leid. Unten angekommen hatte Alex nur kurz das Fenster offen und es waren sofort ohne zu übertreiben, 15 riesige Moskitos in unserer Fahrerkabine. Hier würden wir definitiv nicht übernachten. Also fuhren wir zum nächsten Spot, 15km weiter, auch an einem See gelegen, aber ohne Moskitos und momentan zumindest auch ohne Wind. Die Sonne kam sogar kurz heraus, was das Outdoorkochen angenehmer machte. Heute gabs das nächste Restlessen: Nudeln, Erbsen, Mais, Käse und den letzten Rest vom Pesto. Achja verfeinert wird zusätzlich zum Salz immer alles mit Oregano (eine andere abgepackte Kräutermischung in geeignetem Gefäß hatte ich leider nicht finden können), Chilliflocken, Curcuma und Knoblauchpulver. So kann man aus den einfachsten Dingen, echt gut und schnell ein paar vegetarische Gerichte zaubern. Während ich kochte, putzte Alex etwas den Staub von Kowalski und chillte dann in der Sonne. Übrigens der Kochtopf funktioniert super, auch zum Abgießen der Nudeln, der er einen Schlitz als Öffnung hat.








Als wir fertig waren mit dem Essen, kam unser Freund der Wind wieder auf. Wir parkten Kowalski nun doch nochmal um und standen jetzt hinter einem großen Felsen. Ob das helfen wird? Also ich sehe schon wieder etwas schwarz für meine Nachtruhe, aber vielleicht beruhigt sich der Wind ja doch nochmal. Alex meinte, er könnte mich ja mit unserem Campingkochergas besänftigen, wovon ich nicht so begeistert war. Vielleicht sollte ich mir auf der nächsten Reise einen Anästhesisten mitnehmen, der kann mich dann nachts ins Koma legen. Ich schrieb noch an meinem Blog, wofür ich immer Alex Laptop benutzen durfte. So kam ich echt schneller voran und teile auch mehr Dinge mit euch. Normal schreibe ich nämlich immer am Handy, da ich meinen Laptop nicht mitschleppen mag, aber Alex braucht seinen ohnehin zum Arbeiten und so hat er zumindest kurz mal eine gute Ausrede, um nicht hineinsehen zu müssen/können.

Also als ich meinen letzten abendlichen Toilettengang draußen erledigte und meine Zähne putzte, konnte ich noch einige Gänse beobachten. Dabei sah ich auch, dass sich eine Regenfront auf uns zu bewegte. 10min später hatten wir Weltuntergangstimmung in Kowalski. Zumindest wird so der Staub abgewaschen, aber für die Nachtruhe sehe ich schon schwarz. Gut, dass wir morgen nicht wirklich was vor haben.





