Also für die Wetterbedingungen war die Nacht gar nicht so schlecht, die Airpods haben heute endlich mal geholfen. Der Wind hörte zwischen durch auch immer wieder Mal auf und richtig viel Regen kam doch nicht. Wir starteten ganz gemütlich in den Tag, wo heute zur Abwechslung mal Alex als erster aufstand, er musste auf die Toilette, sonst hätte er sich bestimmt noch nicht bewegt. Ich wälzte mich noch herum, als er zurück kam, meinte er, es sei gar nicht so schlecht draußen und man sehe sogar einen Regenbogen. Das braucht man mir nicht zwei Mal sagen, hatte ich schon die Schuhe an und hüpfte nach draußen. Somit war auch Alex Ruhe vorbei. Die Wolkenfront hing in den Bergen und der Regenbogen machte sich genau über dem See sichtbar, ein wunderschöner morgendlicher Anblick, nur der Wind hat mal wieder ordentlich geblasen.



Wir fuhren dann einmal um den Berg herum, um zu den Mylodon Höhlen zu gelangen. Diese bestehen aus drei unterschiedlichen großen Höhlen. Das Mylodon war scheinbar ein großes Säugetier, das in dieser Gegend vor 14500 bis 10000 Jahren lebte. Es hatte dickes Fell, ging auf allen Vieren und wog über eine Tonne. Es wird auch zu den bodenlebenden Faultieren gezählt. Eines dieser wurde hier 1895 entdeckt, deshalb auch der Name der Höhlen. In Summe waren die Höhlen jedoch eher unspektakulär, zumindest für uns. In unserer Gegend gibt es ja wirklich auch genug bezaubernde Höhlen, so dass unsere Erwartungen bestimmt etwas zu hoch waren.


Das Mylodon, welches am Eingang der größeren Höhle stand, war schon beeindruckend anzusehen.

Wir fuhren mit Kowalski noch ein Stück weiter zu den beiden anderen Höhlen. Alex wollte sich heute gar nicht recht bewegen, am liebsten wärs ihm glaube ich gewesen, wenn ich ihn, in die Höhlen hinein gefahren hätte. Man konnte die Strecke nämlich schon auch zu Fuß laufen, hätte halt länger gedauert. Ich muss schon zugeben, der Wind war heute nicht wirklich einladend für längere Spaziergänge und auch eine Regenfront schien schon wieder auf uns zuzukommen, somit kann ich seine kaum vorhandene Bewegungslust schon auch nachvollziehen. Auf jeden Fall parkten wir am Weg zur zweiten Höhle bei einer Picknick Area und aßen dort unser Frühstück. Hier war es zumindest halbwegs windgeschützt.



Dann marschierten wir zur mittleren Höhle, betrachteten diese kurz und fuhren anschließend zur kleinen Höhle weiter. Die war eher mehr ein Verschlag, aber zumindest windgeschützt. Danach machten wir uns auf den Weg nach Puerto Natales, also endlich wieder in die Zivilisation, um Kowalski zu füttern mit Diesel und Ad Blue. Wir kamen übrigens super mit dem Tank aus, meine Berechnungen hatten gestimmt, wir hatten noch knapp 100 Kilometer übrig und die “Bitte Tanken” Anzeige kam genau als wir zur Tankstelle fuhren. Also alles komplett easy, in Neuseeland vor mittlerweile 9 Jahren, habe ich weit mehr geschwitzt. Da sind wir sicher einmal noch über 100 Kilometer gefahren, trotz leuchtender Tankanzeige. Doch damals hatten wir Internet nicht dauerhaft zugänglich, auch so war die Route nicht komplett durchgedacht und dort hast du halt echt mal ein paar Hundert Kilometer keine Tankstelle. Mindestens zwei Mal mussten wir damals zu einer “Notfalltankstelle” abbiegen und einmal eine Tankstelle, die gerade geschlossen hatten, nochmal zum Öffnen bitten. Aber irgendwie war das damals schon eine richtig tolle Zeit. 3 Mädls alleine auf großer Tour, ein Abenteuer folgte dem Nächsten. Also zu so einem Trip würde ich immer wieder Ja sagen. Obwohl ich fürchte, dass Neuseeland jetzt immer mehr überlaufen wird, aber irgendwann wird es mich wieder sehen. Wer weiß, wer dann mit mir mitkommt oder ob ich mal wieder alleine auf Tour gehen werde?




Wir brauchten dafür zwei Tankstellen, denn die Shell führte wieder mal kein Ad Blue. Bei der zweiten klappte es dann. Anschließend suchten wir einen Supermarkt auf, dessen Parkplatz eine Frechheit war für die Autogrößen hier und auch sein Sortiment war nicht überzeugend. Wir brauchten drei Anläufe um einen Parkplatz zu bekommen. Es gab hier kein frisches Obst mehr, also nur noch Zitrusfrüchte und riesige Melonen, die nicht wirklich praktisch für unterwegs sind. Dafür fand Alex die schönsten Bananen am Boden liegen, die haben wir dann schnell geschnappt, die Schale kommt ja ohnehin weg. Zum Glück lagen die am Boden, sonst hätten wir diese wohl auch nicht bekommen. Es gab fast keine Crackerauswahl und auch keinen abgepackten Mais. Ja das ist Jammern auf hohem Niveau, wir sind ja schon froh, dass wir Wasser bekommen haben, aber das war der größte Supermarkt hier im Umkreis, da war ich schon etwas enttäuscht. Wir marschierten dann noch zu Fuß zu einem zwei Straßen weiter gelegenen. Dort bekamen wir dann frische Äpfel und meinen abgepackten Mais. Denn heute musste ich nochmal den letzten Couscous verkochen und dazu brauchte ich noch etwas Gemüse. Die “Bänder” auf die normalerweise die Einkäufe bei der Kasse gelegt werde, sind in beiden Ländern übrigens alle ganz kurz und hier war es nicht einmal ein Band sondern nur eine Ablage, kein Wunder, dass der Bezahlprozess so viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber die Länder hier sind einfach gemütlicher, da merkt man schon den Unterschied zum hektischen Zentraleuropa.

Dann wollten wir beide so schnell wie möglich wieder aus der Stadt raus und fuhren zum selben Stellplatz, wie gestern. Der Wind würde uns zwar heute wieder um die Ohren blasen, aber ansonsten war der Platz hier super. Tagsüber kamen zwar auch viele Einheimische her, um zu baden, grillen, Stand Up paddeln etc. ,aber abends würde es dann wieder ruhiger werden. Der Regen, der uns kurz nach der Höhle erwischt hatte, verzog sich wieder Richtung Berge. Hier scheinte eigentlich die Sonne, nur der Wind machte die ganze Sache halt etwas ungemütlich.

Alex verzog sich dann gleich mal ins Bett, ich schrieb an meinem Blog und ja dann hatte ich Zeit für … ? Gute Frage, Alex genießt das immer, wenn er mich mal zur Ruhe zwingen kann. Ich meinte nur, wenn du mir deinen Laptop gibst, plane ich sofort die nächste Reise und das tat ich dann auch. Ich möchte mit meiner Mutter heuer wieder verreisen, letztes Jahr war es gesundheitsbedingt ja nicht möglich. Heuer werden wir das nachholen und gleich drei Städte in Angriff nehmen. So wäre zumindest mein Plan, Ziel: das Baltikum. Das bin dann wohl mal ich voll in meiner Energie, sitzt am anderen Ende der Welt und plant aufgrund der Witterungsbedingungen gleich mal die nächste Reise.


Ich wagte mich später doch nochmal nach draußen und spazierte ein wenig den See entlang. Der Wind hielt sich gerade in Grenzen und die Sonne gab ihr bestes. Ein bisschen erinnerte mich die Stimmung jetzt an Irland. Da wechselt das Wetter ja auch so schnell. Wenn man sich hier zu weit ins Gebüsch wagt, da man menschlichen Bedürfnissen nachgeht, hat man überall so kleine “Kletten” dran hängen. Also eigentlich sind es gar keine Kletten, sondern mehr kleine Dornen. Beim Freimachen davon, zog ich mir einen davon ein. Jetzt hatte ich zwangsweise etwas zu tun. Ich werkte mit Nagelschere und Pinzette, gar nicht so einfach ohne Nadel, aber hat zum Glück doch geklappt. Das nächste Mal muss eine Nadel auch wieder mit ins Gepäck.


Ich genoss noch einen Proteinriegel in der Sonne und laß in meinem Buch weiter. Alex war in der Zwischenzeit wieder erwacht und arbeitete einige seiner E-Mails ab. Ich entschied gegen halb 6 zu kochen, in der Hoffnung noch bei Sonnenschein draußen essen zu können. Das sollte auch gerade noch klappen. Heute gabs das letzte gekochte Restlessen: Gemüsecouscous mit Käse. Das Curcumapulver wurde sogar komplett leer.



Anschließend verzogen wir uns wieder in Kowalski, es war einfach etwas zu frisch, um draußen zu bleiben. Alex gönnte sich noch seine Kabanossisticks als Nachspeise, während ich zu Nüssen griff. Zum Glück steht morgen wieder etwas tolles am Programm, also zumindest für mich, denke ich. Aber dazu verrate ich jetzt noch nicht zu viel. Momentan hat der Wind sogar nachgelassen, vielleicht bekommen wir ja eine ruhige Nacht.




