5 Uhr Tagwache – die restliche Ausrüstung einpacken und dann Challenge Nummer 1 für heute: Das Tor des Campingplatzes per Fernbedienung öffnen, diese danach über einen Pfeiler hängen, schließen drücken und hinauslaufen. In der morgendlichen Dunkelheit war das gar nicht so einfach.
Beim Trekkingbüro angekommen, trafen wir auf einige andere Teilnehmer. Jeder bekam einen Rucksack mit Ausrüstung zur Verfügung gestellt an dem der jeweilige Name befestigt war. Unsere eigenen Schuhe wurden dann doch nicht akzeptiert, da unsere Guides meinten, dass die Nationalparkranger diese aus Angst vor Einschleppung von Krankheiten oder fremder Vegetation nicht akzeptieren würden. Also nahmen wir die geborgten Trekkingschuhe, die sehr gewöhnungsbedürftig waren, etwas zu groß und man konnte sie nicht so fest schnüren, da die Schnürsenkel irgendwie so spröde waren. In den geborgten Rucksack packten wir unsere Jause und dann ging es auch schon los.


In Minivans wurden wir zum Ausgangspunkt der Wanderung auf 1200 Höhenmeter gebracht. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 40 Minuten. Genau bei Sonnenaufgang starteten wir die Tour. Ein Teil der Gruppe fuhr den ersten Teil des Weges mit einem Sessellift hoch. Wir marschierten die ganze Strecke zu Fuß, was Alex bald bereuen sollte.


Das Tempo war eher hoch und es ging von Beginn an steigend dahin. Bei der ersten größeren Pause meinte Alex so zu mir, ob wir da wirklich hoch wollen, natürlich meinte ich. Er sei sich nicht sicher, ob er nicht umdrehen wolle, wo ich zu ihm meinte, das passiert alles nur in deinem Kopf, einfach durchziehen. Es ging wirklich die ganze Zeit steil bergauf, großteils über Vulkangestein in den verschiedensten Größen. Ich wurde dabei stark an die Wanderung in Neuseeland vor 9 Jahren erinnert, als wir auf den Spuren von Frodo und Sam, den beiden Hobbits aus der Herr der Ringe, wanderten am Tongariro Alpin Crossing.



Der Vulkan, den wir zu besteigen versuchten, heißt übrigens, Villarica und ist über 2800 Höhenmeter hoch. Also hieß es 1600 Höhenmeter zu bewältigen, wofür meist 5-6,5 Stunden in Anspruch genommen werden. Falls um 13:30 der Krater des Vulkans nicht erreicht sein sollte, musste man kehrt machen. Da sonst die Zeit für den Rückweg zu kurz werden würde bzw. die Kraft auch einfach fehle.

Unsere Gruppe bestand aus einer Kanadiarin, zwei Israelis, zwei Guides, Alex und mir. Alex und einen der Guides ließen wir nach der ersten größeren Pause zurück. Da Alex sich in seinem eignen Tempo hochkämpfen wollte. Ich versuchte mit dem Rest der Truppe mitzuhalten, gar nicht so einfach, denn die Dame aus Kanda lief regelmäßig Halbmarathons und auch die Israelis wirkten fit. Meine Tattoo-bedingte Sportpause hatte ich nicht zur besten Zeit genommen, das werde ich zu Hause gleich wieder ändern.

Nach gut 3 Stunden waren wir am Gletscher angelangt, wo wir bei der zweiten Hälfte, die Steigeisen anlegten um besseren Gripp zu bekommen.






Für den letzten 20 Minuten Aufstieg zum Gipfel, ließen wir unsere Rucksäcke zurück und marschierten nur mit Gasmaske und Handy hoch. Die Maske hatten wir nur sicherheitshalber mit, wir benötigten sie aber nicht. Nach genau 5h25min hatten wir den Krater erreicht. Das Gefühl und der Ausblick von oben waren alle Mühe wert. Nach gut 15 Minuten traten wir den Abstieg an, wo wir nach ein paar Meter auf Alex trafen, der sich die letzten Meter hochkämpfte. Innerlich hatte er mich heute sicher ein paar Mal verflucht, hatte ich ja diesen Trek vorgeschlagen.






Zurück bei unseren Rucksäcken hieß es alles aus dem Rucksack anziehen, denn nun war es an der Zeit, mit dem Plastikteller den Schneehang runterzufetzen. Die Bekleidung bestand aus: Hose, Jacke, “Lendenschurz”, Fäustlingen und dem Plastikteller. Der Lendschurz kam um die Hüfte und der Plastikteller wurde eingehängt. Alex war in der Zwischenzeit wieder zu uns aufgeschlossen. Er meinte, fünf mal hätte er fast aufgegeben, aber dann doch durchgezogen. Ich war sehr stolz auf ihn.


Nach einer kurzen Erklärung, wie wir jetzt mit dem Plastikteller den Vulkan runterkamen, ging es auch schon los. Ich sags euch, das war so eine geile Sache. Auf dem Hintern ein Schneefeld runterzufahren mit Eispickel in der Hand um die Geschwindigkeit zu reglen und dabei den Ausblick auf die umliegende Landschaft genießen. Also das hat meine mentalen Energiereserven definitiv wieder aufgefüllt und davon werde ich hoffentlich irgendwann mal meinen Enkelkindern erzählen. Das hat echt so Spaß gemacht. Sicher die Hälfte des Vulkans sind wir so runtergefahren.




Danach hieß es die Klamotten wieder ablegen und im Rucksack verstauen. Die letzten 1,5 Stunden gingen wir wieder zu Fuß hinab. Hauptsächlich rutschten wir hier in ganz feinem Gestein herum, das ordentlich staubte, aber für die Knie sehr schonend war. Bei der Liftstation hielten wir noch für eine längere Pause, da wir noch auf den Rest der Gruppe warten mussten. Wir erfuhren, dass der letzte kleinere Ausbruch 2015 war, der letzte größere in den 70ern.


Nach 9 Stunden hatten wir den Startpunkt wieder erreicht. Mit dem Van gings zum Büro zurück, wo wir alles an Leihausrüstung auspackten und zurückgaben. Im Endeffekt waren wir froh über die geliehenen Schuhe, so konnten wir unsere schonen. Jetzt ist mir auch klar, warum diese schon so mitgenommen aussahen. Ein paar Snacks und Getränke wurden uns zum Abschied noch bereit gestellt.

Alex und ich beschlossen noch einmal zu unserem gestrigen Campingplatz zurück zu fahren und um eine Dusche zu bitten, die hatten wir jetzt beide dringend nötig. Der Besitzer war so freundlich und wollte nicht mal Geld fürs Duschen haben, also gaben wir ihm zwei Bier, die wir gestern von der Campingvan-Dame geschenkt bekommen hatten.



Nachdem wir uns erfrischt und umgepackt hatten, fuhren wir weiter Richtung Süden. Denn wir wollten als nächstes einen Abstecher zum Pazifik machen. Ich fuhr die erste Strecke. Gegen 20:00 Uhr hielten wir, um noch bei Tageslicht abendessen zu können. Ganz schnelle Küche war angesagt, Chilli ohne Fleisch. Das doch etwas länger dauerte, da unsere Kühlbox zu einer Gefrierbox geworden war und auf minus 11 Grad gefroren hatte.


Nach dem Essen übergab ich bald Alex das Steuer, da ich so mit seinem Laptop noch an meinem Travelblog schreiben konnte und Alex zur Abwechslung mal keine Lust auf arbeiten hatte. Auf der Autobahn ging das Schreiben ja noch halbwegs, auf der Schotterstraße war das dann nicht mehr so spaßig. Auf dieser Schotterstraße machten wir auch zum ersten Mal Erfahrung mit Baustellen, wo eine Fahrbahn abwechselnd freigegeben wird. Hier gibt es keine Ampeln dafür wie bei uns, sondern Personen sitzen in einem kleinen Hütterl und drehen die Stop/Go Tafel herum. Genauso wie bei jeder Mautstation Personen sitzen und teilweise keine Kreditkarten akzeptiert werden. Da wir noch immer kein Bargeld abgehoben hatten, kamen wir heute in die unangenehme Situation an einer abgelegeneren Mautstation einer Autobahnabfahrt nicht bezahlen zu können. Da der Maut-Kontrolleur kein Englisch konnte und keine Lust mehr auf Diskussionen hatte, ließ er uns einfach so passieren. Es handelte sich umgerechnet auch nicht mal um einen Euro. Aber morgen müssen wir uns endlich Bargeld besorgen, auch wenn Alex das immer gern verweigert.
Unseren Schlafplatz fanden wir heute, auf einem abgelegenen Hügel mit Blick aufs Meer. Wir wurden zum perfekten Abschluss des Tages mit einem schönen Sternenhimmel belohnt. Etwas erschöpft gings dann bald ins Bett.






