Auch heute hieß es wieder früh aufstehen, denn um 8:00 Uhr mussten wir in El Calafate sein, um am Minitrekking am Perito Moreno Gletscher teilnehmen zu können. Die Nacht war ganz okay, doch mir war einfach nur richtig kalt. Gut, es hatte draußen auch nur 4°C und unser Gasvorrat für die Heizung schien zu Ende zu sein. So sieht übrigens Kowalskis Reifendruck im Überblick aus.

Wir parkten Kowalski direkt vorm Touristenbüro und schon ging auch die Tour los. Mit einem großen Reisebus und vielen anderen Teilnehmern aus den unterschiedlichsten Nationen fuhren wir ins innere des Nationalparks. Lorena unser Tourguide erklärte uns auf der Fahrt hin alles mögliche. Wir bekamen auch wieder Guanakos und Nandus zu sehen. Über letztere erklärte sie uns, dass hier das Männchen das Nest bauen muss. Wenn dieses dem Weibchen nicht gefällt, zerstört sie es einfach und das Männchen muss nochmal von vorne anfangen, bis zu 15 Eier werden in ein solches gelegt.

Der Nationalpark Los Glaciares ist mit seinen 7300km2 der größte Nationalpark Argentiniens. Das südliche patagonische Eisfeld teilt sich auf Argentinien und Chile auf. 70% davon befinden sich in Chile, hauptsächlich im Torres del Paine Nationalpark und 30% davon in Argentinien im Los Glaciares Nationalpark. Auf der chilenischen Seite befinden sich hauptsächlich Fjorde, auf der argentinischen hingegen gibt es eben diese gespeisten Gletscherseen. Wir sollten heute den Perito Moreno Gletscher aus nächster Nähe betrachten. Dieser kann sich pro Tag bis zu 2m bewegen. Hier gibt es sogar das Phänomen, dass der Gletscher bis ans andere Uferende gelangen kann und somit im See ein Damm entsteht und der Wasserpegel steigt. Das gibt es nur hier und bei einem Gletscher in Alaska, letztes Mal sei das jedoch 2018 passiert. Es wird vermutlich auch nicht mehr so schnell passieren, da der Gletscher mittlerweile schneller schmilzt als er wächst. In den letzten 4 Jahren hätte er 2km verloren. Der Perito Moreno Gletscher ist hier 40m hoch über der Seefläche und zirka nochmal 60m unterhalb.
Gegen 11:00 Uhr kamen wir dann nach Toilettenpause und Nationalparkticketkontrolle, wobei am Eingang einfach ein Mitarbeiter des Nationalparks in den Bus hüpfte und alle durchkontrollierte, am Steg an, wo uns ein Boot auf die andere Uferseite bringen würde. Dieses war weit kleiner als das gestrige. Auf der Fahrt konnten wir wieder Eisberge um uns herum betrachten. Die Fahrt dauerte nur gut 20 Minuten. Am anderen Ende wurde unsere Gruppe in drei Teile geteilt, zwei englischsprachige Gruppen und eine spanische. Mit einem erfahrenem Guide ging es dann Richtung Gletscher. Auch hier konnten wir wieder Kalbungen beobachten, eigentlich ja irgendwie traurig. Wir jubeln über das Naturschauspiel, das wir betrachten dürfen, jedoch bedeutet dies ja das Schrumpfen des Gletschers. Unser Guide erzählte mir während des Trekkings, dass er die letzten Jahre den Sommer immer in Norwegen verbracht hatte, um dort zu arbeiten. Er betreute dort ebenso Gletscher- und auch Kajaktouren. Ein anderer Guide meinte, als er hörte, dass wir aus Österreich seien, dass sie “Stubai”-Steigeisen benutzen würden und fragte was Stubai bedeuten würde. Wir klärten ihn auf.








Kurz vor dem Gletscher erhielten wir unsere Ausrüstung, eben einen Helm und Steigeisen. Für uns gab es aber keine Stubai-Steigeisen, sondern 0815 selbst zusammengebanderte, zumindest sahen sie so aus. Das funktionierte hier wie am Fließband, sicher 6 Männer waren nur dazu da uns die Steigeisen anzumachen. Ich erwischte einen, der sogar etwas deutsch sprach. Also daran, dass mir die Schuhe angezogen werden, könnte ich mich gewöhnen.




Mit Steigeisen bewaffnet ging es dann direkt auf den Gletscher. Für mich war das nun die zweite Gletschertour, hatte ich so etwas schon vor 4 Jahren in Island gemacht, jedoch nicht bei so einem Traumwetter. Gut eine Stunde waren wir am Gletscher unterwegs und bekamen auch hier nochmal einiges über ihn erklärt. Die Wege hier würden sie regelmäßig neu machen, da sich der Gletscher ja stetig verändert. Zwischenzeitig führte ich die Gruppe mal kurz an, da unser Guide einer asiatischen Dame zur Hilfe eilte. Handschuhe waren hier übrigens Pflicht, da das oberflächliche Eis echt scharfkantig war.







Zum Abschluss gab es noch in einer kleinen Eisbar Whiskey on the rocks. Der Guide holte das Eis direkt vom Gletscher und verteilte es auf die Gläser. Danach wurde schottischer Whiskey eingeschenkt. Dazu gab es Schokolade, die wie Mannerschnitten in Kugelform schmeckte. Den Whiskey musste ich natürlich schon testen, obwohl ich gar kein Whiskeyfan bin. Das war der erste Moment heute, wo mir endlich etwas wärmer wurde. Ich fror schon den ganzen Tag, obwohl es gar nicht so kalt war. Aber mir lief es dauernd irgendwie kalt über den Rücken, ich war scheinbar wirklich nicht ganz fit. Alex würde mich heute sicher nicht ohne sein Neocitran ins Bett lassen.







Ich verfolge hier übrigens das Zwiebelprinzip bei der Kleidungswahl. Ich bin immer mit Legging und Wanderhose unterwegs, oben meist zwei Sportshirts, Fleeceweste und Softshelljacke. Dazu mein Stirnband und heute auch Fleeceschal. Falls mir mal warm werden sollte, kann man ja Schicht für Schicht ausziehen. Im Vergleich dazu Alex hatte heute nur Shirt und Jacke an und sowieso nur eine Wanderhose und ihm war nicht kalt. Wenn es so weiter geht, muss ich meinen Polarparker noch vor der Antarktis auspacken.
Nach unserem Whiskey ging es retour, wo wir zuerst die Steigeisen wieder abgaben. Hier warteten wieder die Männer, die uns nach der Reihe dabei halfen. Zurück an der Ausgangshütte, hatten wir noch 40 Minuten Zeit für unsere Mittagspause in der uns ein Caracara besuchte. Für mich gabs unterwegs immer Obst, Proteinriegel und Cracker. Alex wählte hier meist den Klassiker, Baguette mit Käse uns Salami.


Anschließend verabschiedeten sich die Guides und es ging retour aufs Boot. Wir fuhren damit noch ganz nah zum Perito Moreno Gletscher ran, wobei wir heute jedoch kein Glück mit Kalbungen währenddessen hatten.



Zurück am Ufer stiegen wir wieder in den große Reisebus ein, der uns zu den Aussichtsplattformen von gestern brachte. Wir waren froh gestern schon hier gewesen zu sein, da wir nur eine Stunde Zeit hatten. So genossen wir nochmal kurz den Blick auf den imposanten Anblick des Gletschers von oben und machten dann den Souvenirshop unsicher.

Gegen 17:15 fuhren wir dann wieder zurück nach El Calafate. Dabei verspeisten wir noch ein paar Butterkekse, also zumindest heißen die so wie bei uns und schmecken auch ähnlich.

Es war dann schon fast 19:00 Uhr als wir wieder bei Kowaslki waren mit dem wir sofort zur Tankstelle fuhren, um die Reifen wieder auf normalen Druck zu bringen, uns umzuziehen und das Gepäck neu zu ordnen. Gas für die Heizung konnten wir hier keines bekommen, irgendwie ist das etwas umständlich. Ich kenne das ja schon aus Kanada und der USA, da muss man immer die richtige Stelle erwischen. Wir hatten nur Kontaktdaten für chilenische Firmen bekommen und soweit ich das auf Google entdecken konnte, kamen wir hier in der Pampa nicht mal annähernd in die Nähe von so einer. Also würde das wohl heißen, mehr anzuziehen beim Schlafen. Zum Glück hatte ich von Beginn an die dicke Decke ergattert und Alex nur die extra angeordnete dünnere Zweitdecke, immerhin war ja auch ich die Erfrorener von uns beiden. Nachdem wir uns wieder sortiert hatten, fuhren wir noch einmal ins Zentrum von El Calafate hinein. Dort waren wir noch auf einem Kunstmarkt unterwegs und gingen anschließend Essen, damit Alex auf seine Fleischration kommt. Für ihn gab es wieder Steak, für mich Nudeln mit Käsesoße. Als Nachspeise gab es noch eine Cheescake mit El Calafate-Beeren, diese sehen aus wie Heidelbeeren, wachsen auf den typischen Bäumen hier, schmecken aber etwas anders.









Es war dann schon echt spät, gegen 22:30 Uhr brachen wir aus dem Lokal auf. Ein Stück Strecke wollten wir heute noch Richtung Nationalpark Torres del Paine zurück legen. Nur soweit bis wir einen geeigneten Schlafplatz fanden, der neben einer Hauptstraße auf einem verlassenen Parkplatz lag. Dieser hatte eine kleine Heckenzeile, die hoffentlich etwas Windschutz bieten würde. Alex wärmte mir dann extra noch Wasser mit dem Campingkocher und bestand darauf, dass ich das Neocitran nahm, ich war heute doch etwas ruhiger und ich erwärmte mich außer kurz nach dem Whiskey wirklich gar nicht. Also trank ich den Zaubertrank, wie Alex es bezeichnete und fiel dann gegen halb 1 ins Bett. Morgen mussten wir zum Glück nicht früh auf und hatten einen gemütlichen Tag vor uns.





