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1000km Umweg und 4 Grenzkontrollen

Ich wollte euch ja eigentlich nicht jeden Tag mitnehmen, aber die Story ist halt auch einfach zu gut oder vielleicht auch zu traurig, als sie nicht zu teilen. Der Tag fing ganz entspannt an, ich schlüpfte vor Alex aus Kowalski und ließ ihn noch etwas weiterschlafen. Denn ich wollte zum Meer runterspazieren und Alex meinte gestern schon, nach dem Vulkantrekking geht er da sicher nicht zu Fuß runter. Von meiner Seite her auch verständlich, es ging doch ein ganzes Stück steil bergab und das musste ich danach ja alles wieder hoch. Ich war insgesamt vielleicht eine Stunde unterwegs, traf am Weg ein paar Kühe und ein ganz kleines Kalb, welches sich leider nicht streicheln ließ. Am Meer angekommen, hielt mich das zugezogene Wetter auch nicht davon ab, meine Zehen in den Pazifik zu halten, sehr erfrischend, aber im Vergleich zum Eisbaden vor ein paar Wochen harmlos. Natürlich wurde kurz Mama angerufen, damit sie etwas Meerrauschen genießen kann.

Wieder oben angekommen, war Alex schon beim Abfahrtsbereit machen. Also konnten wir gleich los düsen, denn heute hatten wir wieder eine längere Strecke mit Fährfahrten vor uns. Es regnete immer wieder kurz, zum Frühstücken hielten wir in einer Trockenphase neben der Landstraße.

Auf der Autobahn passierten wir wieder zwei Mautstellen, bei der ich bei der ersten gleich mal die falsche Spur wählte, statt “tarjeta” erwischte ich “solo efectivo”, was soviel wie nur Bargeld bedeutet und wir hatten ja noch immer keines. Wir hätten es aber schon an einer Tankstelle probiert gehabt, der Bankomat funktionierte aber nicht. Zumindest weiß ich jetzt das “tarjeta” Kartenzahlung bedeutet, hätte ich wohl im Spanischunterricht besser aufpassen sollen. Naja learning by traveling ist meine Devise, jetzt vergesse ich es bestimmt nicht mehr. Auf jeden Fall konnte ich mich dann soweit verständigen, dass wir einen Führerschein bei ihr abgeben konnten, anschließend durchfahren, an der Seite parken und dann in der anderen Hütte bezahlen und danach von ihr den Führerschein wieder abholen. Ich fuhr durch, parkte an der Seite und Alex erledigte den Rest. Bei der letzten Mautstation hielt ich dann nach tarjeta Ausschau, war gar nichts angeschrieben. Auch klar, die akzeptierten allgemein wieder nur Bargeld. Also noch einmal dasselbe Spiel, jetzt wusste ich ja schon was zu tun war. Alex musste hier in die Hütte ganz am Rand. Nächster Halt war in Puerto Montt eine Tankstellen, in der der Bankomat zum Glück funktionierte und wir beide Bargeld abheben konnten. Außerdem hielten wir noch an einem Supermarkt und Baumarkt. Da Alex Panzertape benötigte, um sein Starlinkinternet am Armaturenbrett zu befestigen. Denn er hatte dann zu arbeiten und so konnte er eine sichere Internetverbindung gewährleisten. Auch das erste deutsche Auto kam uns hier am Parkplatz unter.

Nach gut einer dreiviertel Stunde waren wir bei der Fähre angelangt, wo wir nicht lange warten mussten und gerade noch den letzten Platz ergatterten. Da es jetzt immer stärker regnete, blieben wir im Auto sitzen. Irgendwie war das ein komisches Gefühl, sich zu bewegen ohne das Auto zu fahren. Also da könnte die Antarktisschiffsfahrt noch lustig werden. Am anderen Ende der Fähre wartete eine Schotterpiste auf uns. Das nennt man dann wohl Herzlichen Willkommen auf der Carretera Austral.

Wir hielten noch auf einer Brücke mit schönem Ausblick auf den darunter liegenden türkisblauen Fluss. Die Strecke erinnerte mich an den Long Forgotten World Highway in Neuseeland. Am anderen Ende sollte uns die nächste Fähre erwarten, jedoch war dies eine Fähre, die nur 2-3mal täglich fährt, da die Fahrt 3-5 Stunden in Anspruch nimmt. Das hatte ich schlecht recherchiert. Also dachten wir, wir könnten am nächsten Morgen die Fähre nehmen, ich checkte jedoch die Website und es gab die nächsten 3 Tage keinen Platz für uns. Was so viel bedeutete, wie 1000km Umweg fahren. Einmal wieder 300km retour, nach Argentinien und dann wieder 700km runter und wiederholt nach Chile einreisen. Also die Strecke schreckte uns ja nicht ab, wir haben schon andere Sachen durchgezogen. Aber die Straßen kann man halt echt schlecht mit skandinavische Verhältnissen vergleichen und die Fahrtzeit sollte knappe 16 Stunden betragen und das ohne die Zeit, die wir für die beiden Grenzübergänge benötigen sollten.

Also drehten wir um, hielten an der Brücke um zu Abend zu essen. Während ich kochte, fixte Alex alle möglichen Dinge, der Zusatztankkanister, den wir mittlerweile auch ohne Genehmigung bekommen hatten, war scheinbar nicht ganz dicht. Also hatte er einiges zu tun. Nachdem wir gegessen hatten, Gemüsecouscous, übergab ich nun Alex das Steuer.

Anstatt der Fähre retour fanden wir eine Schotterpiste, die in richtig miesem Zustand war. Da machte Alex Starlinkschüssel gleich mal einen Abflug nach unten, zum Glück ist die mega stabil. Gegen 23:00 hielten wir auf einem kleinem Parkplatz an einer Nebenstraße, um hier die Nacht zu verbringen. Es regnete noch immer, was beim Campen immer etwas suboptimal ist. Ich kroch einfach nach dem Zähne putzen, geschwind unter meine Decke. Nach gut 3 Stunden Fahrt hatten wir noch keine 200km, das könnte morgen noch lustig werden.

Ich hatte mir zwar einen Wecker gestellt, aber ich bin ohnehin vor 7:00 Uhr wach, da es zu Hause ja schon 11:00 Uhr wäre. Es hatte zum Glück zum Regnen aufgehört. Wir fuhren noch kurz vor halb 8 weg, wobei ich den ersten Teil übernahm, da Alex etwas arbeiten wollte. Die Landschaft war hier echt schön, alles viel grüner als im Norden und sehr viele Farmen rundherum, hauptsächlich Rinder, aber auch Schafe und Schweine habe ich entdeckt. Bei den Rindern waren alle möglichen Rassen vertreten, allem voran Angus und Fleckvieh, aber auch Schwarzbunte waren vertreten. Kurz vor der argentinische Grenze hielt ich für die Frühstückspause, da wir eigentlich keine frischen Lebensmittel von einem in das andere Land einführen dürfen. Chile sehe das aber strenger als Argentinien.

Nur wenige Meter nach der Pause kam schon das erste Kontrollhaus, hier bekamen wir einen Zettel mit KFZ Kennzeichen und der Anzahl der Personen im Auto. Diesen Zettel müsste man nach den ganzen Kontrollen am anderen Ende wieder abgeben. Wir fuhren in den Grenzbereich, es stellte sich heraus, dass das hier nur der chilenische Teil war. Wir parkten das Auto und dann gings zu Fuß zuerst zur Migrationskontrolle und dann noch weiter, wo die Fahrzeugpapiere gecheckt wurden. Man braucht nämlich eine Extra-Genehmigung um mit dem chilenischem Mietauto nach Argentinien einzureisen. Was das angeht sind wir in Europa echt verwöhnt, ob das bei uns früher auch so war? Es sprach natürlich wieder niemand Englisch, also war der ganze Prozess wieder mal sehr lustig mit den Sprachbarrieren, aber wir durften Chile schlussendlich verlassen. Dann kam das Niemandsland, welches aus einer ewig langen Baustelle, sicher einige Kilometer, bestand.

An der argentinischen Grenzkontrolle angekommen, wussten wir ja schon besser bescheid, der Prozess war genau gleich und es sprach auch niemand Englisch. Aber wir bekamen alle Stempel und fuhren dann langsam mit Kowalski vor. Aber es schien niemand von der Agrar-Behörde zu kontrollieren, also hatten wir Glück.

In Argentinien schien die Sonne und die Temperaturen waren gleich wieder angenehm warm. Hier gab es auf jeden Fall viel mehr Polizeikontrollstellen, in jedem größeren Ort wurde per Schilder darauf hingewiesen und sie standen meist auch neben der Straße. Also hier sollten wir uns lieber an die Geschwindigkeitbeschränkungen halten. Sonst wirkte das Land ähnlich zu Chile. Wir fuhren hier durch ein Seengebiet mit Bergen im Hintergrund, erinnert mich teilweise stark an Kanada, die Schotterstraßen hingegen aber an Neuseeland.

So eine grauenhafte Schotterpiste fuhren wir ewig entlang, der landschaftliche Ausblick war aber wunderschön, viele Tiere, grüne und blaue Farbtöne. Gegen 15:00 Uhr übergab ich an Alex. Um 19:00 Uhr passierten wir in Mitten der Schotterpiste erneut den Grenzübergang diesmal in die andere Richtung. Der Prozess war wieder genau der Gleiche. An der chilenischen Grenze wurden wir jedoch so richtig gefilzt: Koffer ausräumen und öffnen, überall wurde hineingeleuchtet Handschuhfach etc.. Zum Glück mussten wir das Seitenfach, wo die Kühlbox steht, nicht öffnen, sonst wäre das ganze Obst und die anderen frischen Lebensmittel 1:1 in den Müll gegangen, obwohl wir sie ja in Chile gekauft hatten. Eine Banane und einen Apfel fanden sie im Fahrerbereich, die wurden konfiziert. Danach durften wir weiterfahren. Bei diesem Geschaukelt versuchte ich die Internetschüssel mit meinen Beinen zu befestigen, diesmal blieb sie oben.

Gegen 23:00 kamen wir kurz vorm Ziel, einem Nationalpark, an. Jetzt wissen wir zumindest schon was uns bei den nächsten Grenzübertritten erwartet. Morgen heißts dann endlich wieder mal etwas bewegen, ich hoffe das Wetter hält.

3 Kommentare

Renate
Sehr abenteuerlich! Bewundere euch, dass ihr da nicht die Nerven verliert! Und wunderschöne Landschaften! Gute Weiterfahrt!
Evi
Eure Nerven hätte ich gerne 😂
Laura Karner
Laura KarnerRedaktion
Es hilft ja nicht 😅 Die Landschaften waren den Umweg auf jeden Fall wert ☺️☺️

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