Zum letzten Mal hieß es heute Morgen Kühe hereintreiben und Melken. Dabei ließ mich Domhnall mit den 14 Melkzeugern mal kurz alleine, obwohl die automatisch abgezogen werden, ist es doch eine Herausforderung mitzubekommen, ob die Kuh nicht selbst das Melkzeug abgetreten hat und nochmal erneut an der selben Kuh angebracht werden muss. Denn 14 Kühe auf einmal im Auge zu behalten ist etwas schwierig. Aber es macht einfach Spaß im Verlgeich zum Krankenhausalltag mal wieder ganz was anderes zu machen.





Heute hatte sich der Wind verzogen, jedoch war es wieder mal nass von Sprühregen über Starkregen und auch der Nebel hatte nun Einzug gefunden. Somit war es auch vorbei mit meiner schönen Aussicht auf die Buchten Glandores. Nachdem wir die Kühe wieder auf die Weide gebracht hatten, befand sich der Milchtankwagen schon in Warteposition. Dieser hatte echt zu kämpfen die rutschige Straße bergauf rückwärts hochzuschieben. Die Reifen drehten teilweise durch, aber beim fünften Anlauf hat er es dann gepackt. Ich verabschiedete mich noch bei den Kälbern und hüpfte in die Dusche. Das Stallgewand wurde in einem Plastiksack verstaut, wo es bleiben würde bis ich wieder zu Hause war.




Aufgrund des grauslichen Wetters nahm ich mir beim Frühstücken Zeit und genoss noch die Gespräche mit der Familie. Anschließend brachte ich meine benutzen Handtücher und das Bettzeug zur Waschmaschine und packte meine Taschen zusammen. Zum Abschluss gönnte ich mir nochmal ein getoastetes Sandwich mit Käse aus dem Airfryer. Dann verabschiedete ich mich bei Margarete, Domhnall und Siobhan und fuhr mit feuchten Augen zum letzten Mal die Auffahrt der Farm hinab. Ein letzter Blick Richtung Kuhweide und weiter ging die Fahrt zum Reen Pier.


Dort wollte ich ursprünglich eine Whale Watching Tour schon am Montag nehmen, aber das schlechte Wetter hatte dies nicht möglich gemacht. Der Anbieter meinte es würde am Nachmitag eventuell möglich sein, doch ich hatte die Hoffnung aufgrund der nicht vorhandenen Sicht und des Regens eigentlich schon aufgegeben. Ich nutzte die Wartezeit, um einen Blogbeitrag im Auto fertigzustellen. Plötzlich kam die SMS mit der Bestätigung der Absage. Da es zu regnen stoppte, stieg ich zumindest kurz aus und bekam sogleich auch Besuch von einem süßen Hund, der nicht mehr von mir weichen wollte.


Ich brach bald auf und stoppte am Weg nach Youghal, wo mein nächstes B&B auf mich wartete, noch in Clonakilty, um mich mit ein paar Snacks für die Fahrt zu versorgen. Auch eine Outdoor WC Pause war notwendig. Die ziehe ich ja öffentlichen Toiletten prinzipiell immer vor. In Irland ist das nur oft nicht so einfach, da gefühlt jedes Stück Land als Weide genutzt wird und überall Gates sind. In den letzten Tagen bin ich einige Male über diese einfach drüber geklettert, auch heute wieder. Jedoch bekam ich diesmal sofort Besuch von herantrabenden Rindern, so dass ich mich wieder schnell übers Gate schwang und in Molly flüchtete. Die waren mir doch nicht ganz geheuer. In Youghal angekommen, war das Wetter noch immer nebelig und nass, aber zum Glück nur leichter Regen. So beschloss ich Molly abzustellen und mich zumindest etwas durch die Stadt zu bewegen. Ich fand zwei Kirchen und einen alten Friedhof, der seine Türen laut Anzeige um 16:00 schließen würde. Es war schon halb 5, ich beschloss trotzdem einen kurzen Blick hineinzuwagen, da es nicht so wirkte als würde hier bald etwas verschlossen werden. Auf der anderen Seite war die Tür dann wirklich schon verschlossen, da bekam ich dann doch etwas Stress. Denn die Nacht im Friedhof wollte ich auf jeden Fall nicht verbringen. Ich spurtete also wieder zurück auf die andere Seite, wo nun auch schon die Kette gespannt war. Da konnte ich aber ohne Probleme noch drüber steigen und war heilfroh, wie ich das offene Tor beim Kircheneingang sah. Fazit: vielleicht die Öffnungszeitenanzeigen doch ernst nehmen. Youghal an sich hat mich jetzt nicht sonderlich begeistert. In der Hauptstraße waren ohne Spaß fünf Pharmaziegeschäfte, unverständlich wie die alle überleben können.








Aufgrund des Wetters beschloss ich früher in mein B&B als angekündigt zu fahren. Dies war nur 5min von hier entfernt. Dort wurde ich herzlich mit etwas Verwirrung von John begrüßt, denn er dachte, ich würde zu dritt reisen. Deshalb stand in meinem Zimmer auch ein Zusatzbett mit Mickeymouse-Bettwäsche. Das Zimmer war riesig und das Bad extrem schön. Ich wartete den Regen ab, da es in einer Stunde eventuell für den restlichen Abend stoppen sollte und so war es dann auch.


Ich beschloss gegen 18:30 noch meine Strände in der Umgebung abzufahren. Ich war in dieser Gegend schon zwei Mal, also wusste ich schon genau wo ich hinwollte. Zuerst fuhr ich zur Goat Island, dann zur Whiting Bay und abschließend noch zur Caliso Bay. Die Straßen hier zu den Buchten sind wie immer eng und mit Gebüschen links uns rechts verwuchert. Der Vorteil bei diesem Wetter: ich war zumindest bei Goat Island komplett alleine.




Bei der Whiting Bay wurde ich überrascht von den vielen Autos, die am Parkplatz parkten. Da schien eine irische Hurlingmannschaft gerade ihr Training zu absolvieren. Dabei handelt es sich um eine irische Sportart. Momentan drehen hier gerade alle durch, da am Sonntag das irische Finale zwischen County Tipperary und County Cork in Dublin stattfindet. Überall fahren Autos mit Flaggen herum. John, der B&B Besitzer, und auch meine ehemalige Hostfamilie redeten in einer Tour darüber, alle waren ganz aufgeregt. Deshalb wird der Verkehr Samstag und Sonntag nach Dublin hoch auch mehr werden. Gut, dass ich am Sonntag in der Früh schon im Flieger sitze. Also wegen dem Verkehr gut, sonst ist da gar nichts gut daran. Ich könnte ewig auf dieser magischen Insel bleiben.






Ich vertrat mir noch etwas die Beine am Sandstrand und machte einen Videocall mit Mama, damit sie wieder etwas Meeresrauschen wahrnehmen konnte. Dann gings weiter zu meiner Lieblingsbucht, der Caliso Bay, mit der natürlich engsten und steilsten Anfahrt hier. Dort traf ich doch auf ein paar Menschen mit Hunden. Hier hatte es zu regnen aufgehört und ich konnte den rauen Anblick des Atlantiks nochmal richtig genießen. Ich traf auch auf einen Vogel, der sich nicht wirklich von der Stelle bewegte, wobei ich nicht herausfinden konnte, was ihm genau fehlte. Anschließend wurden noch ein paar Steine als Andenken gesammelt, wobei ich mir beim Abwaschen im Meer natürlich komplett die Füße nass machte, da ich eine Welle übersah. Patschnass lief ich zurück zu Molly, wo noch ein Ersatzpaar Socken, eine trockene Leggings und andere Schuhe auf mich warteten. Nachdem ich das Gewand gewechselt hatte, genoss ich noch meinen Himbeerscone im Auto.











Anschließend fuhr ich zurück zum B&B, wo ich stark auf eine funktionierende Heizung für meine Schuhe hoffte. Dieser Wunsch ging aber leider nicht in Erfüllung. Im Zimmer war es nun auch etwas kalt, die Häuser hier kann man halt nicht mit unserem Baustil vergleichen. Ich schrieb noch meine Blog fertig, bevor ich mir eine heiße Dusche gönnte. Dann hieß es ab ins Bett mit schönem Ausblick auf Youghal, wo ich die Abendbeleuchtung betrachten konnte.




