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Tag 6 – Auf die nächste Insel

Auch heute habe ich mir den Wecker wieder für 7:00 Uhr gestellt, denn ich wollte auf keinen Fall das Melken versäumen. Da ich gestern Abend Domhnall nicht mehr antraf, konnte ich nicht fragen, wann er heute starten würde. Aber ich schrieb ihm einfach eine Nachricht auf Facebook, welche er mir sofort beantwortete. Wir würden gegen 8:00 Uhr starten. Es war also noch Zeit mich in dem wirklich bequemen Bett etwas herumzuwälzen. Das tolle daran war, dass ich die ganz dicke Decke bekommen hatte. In Irland gibt es oft nur sehr dünne Decken mit einem einfachen Leintuch darüber geschlagen, das wäre definitiv nichts für mich bei den momentanen Temperaturen.

Kurz vor acht war ich dann draußen und frierte mir den Arsch ab. Es war echt mega windig gemischt mit Sprühregen. Keine besonders angenehme Kombination, vor allem, wenn man keine extra Jacke für Stallbedarf mit genommen hatte. Naja egal, den Iren tut das auch nichts, also muss ich da jetzt durch. Domhnall meinte noch Scherz halber als er kam, du bist nicht aus Salz, also kannst du dich auch nicht auflösen im Regen. Heute hatte wir keinen Stress, da der Milchtank nur jeden zweiten Tag die Milch abholte. Also ließen wir die Kühe gemütlich von der Weide nach oben marschieren und hetzten uns im Melkstand auch nicht ab. Domhnall erklärte mir die Melkanlage noch genauer und dass sein Ziel für nächstes Jahr auf über 100 melkende Kühe zu kommen sei. Das hängt natürlich davon ab, wie viele Kühe dann auch wirklich trächtig werden würden. Ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen.

So auf eine Dusche wie heute, hatte ich mich schon lange nicht mehr gefreut. Ich genoss das warme Wasser richtig, um mich wieder aufzuwärmen. Danach wurde gemeinsam mit der Familie gefrühstückt. Das Wetter war heute wieder richtig bewölkt und windig. Margrete riet mir auf eine der in der Nähe gelegenen Inseln mit der Fähre zu fahren. Denn es sollte zumidest nachmittags besser werden. Ich packte den Rucksack für den Tag und machte mich also auf den Weg zum Cunnamore Pier, wo ich nach Heir Island schippern wollte. Dort angekommen wurde ich gleich von einer Frau um Starterkabel gebeten, womit ich leider nicht dienen konnte. Die Fähre hatte ich um 10min verpasst und die nächste würde erste in 2h gehen. Somit beschloss ich den Pier wieder zu verlassen und nach Baltimore zu fahren, um von dort nach Sherkin Island zu fahren.

In Baltimore angekommen, hatte ich totales Glück auf dem fast vollen Parkplatz noch einen der letzten freien Parkplätze für Molly zu ergattern. Dann lief ich zum Hafenwächter, welcher mir verriet wann und von wo die Fähre auslaufen würde. Ich hatte noch eine gute Stunde Zeit, welche ich nutzte um zum Beacon zu wandern. Das ging sich gerade schön aus und ich konnte die teilweise akzeptabel Sicht dort kurz genießen.

Zurück am Hafen verließ ich dann gegen 14:00 Uhr das Festland. Nach einer 10minütigen Bootsfahrt legten wir schon auf Sherkin Island an, wo ich mich so gleich auf den Weg ins innere der Insel machte. Da war der Wind etwas gemäßigter, doch mein Ziel waren die Strände auf der anderen Seite, wo ich im Gegenteil schon wieder fast verblasen wurde. Ich suchte mir dort ein etwas windgeschützeres Plätzchen, um mein Lunchpaket zu verspeisen und einen Blogbeitrag fertig zu schreiben. Nachdem mir etwas kalt wurde, wanderte ich weiter zum nächsten Strand, beschloss dann aber mein Glück auf der anderen Seite der Insel zu versuchen mit der Hoffnung, dass sich der Wind dort mehr in Grenzen halten würde.

Am Weg dorthin passierte ich noch eine Kirche, in der ich eine Kerze für Anne „entzündete“. Es handelte sich hierbei um elektronische Kerzen, die per Knopfdruck erleuchtet wurden, das ist irgendwie nicht ganz mein Fall, ich würde echte Kerzen bevorzugen. Ich nahm dann eine der angeschriebenen Wanderrouten, den Horseshoe Loop, wobei ich auf eine schöne windgeschützte Bucht traf. Dort gönnte ich mir wieder eine Pause und laß in meinem Buch weiter. Plötzlich riss der Himmel auf und die Sonne kam zum Vorschein. Ich beschloss weiterzuziehen, da ich das schöne Wetter am Abend auf der Farm noch ausnutzen wollte. Bevor ich aber zur Fähre zurück marschierte, musste ich natürlich noch schnell zum Leuchtturm der Insel hoch. Dieser rasante Aufstieg unter Zeitdruck hat sich sowas von gelohnt, die Aussicht war ein Traum. Ich konnte den Beacon sehen, wo ich mich kurz davor noch befand und das Meer spielte alle unterschiedlichen Blautöne, einfach traumhaft. Lange konnte ich die Aussicht leider nicht genießen, da ich meine Fähre nicht verpassen wollte.

Die Bootsfahrt retour war ebenso ein Traum, da die Sonne das Meer nun glitzern lies. Zurück in Baltimore machte ich mich sogleich mit Molly auf den Weg zurück zu Farm. Voller Glücksgefühle, dank diesem schönen Moment beim Leuchtturm, packte ich meine ganze Energie nochmal zusammen und beschloss zum Stonecircle zu laufen.

Ich kam nicht weit, wurde ich von hilfesuchenden Touristen, um eine Wegauskunft gebeten, die ich auch beantworten konnte. Ich fühle mich hier wirklich mehr einheimisch als Tourist. Der Lauf tat richtig gut, vor allem die Aussicht auf das Meer und die grünen Felder war traumhaft. Eine Stunde später war ich wieder retour, wo ich Domhnall noch half die Kühe auf die Weide zurück zu treiben. So konnte ich ihn auch fragen, wann wir morgen früh starten würden, wieder gegen halb 8, da Milchtank Tag sein würde.

In der Küche warteten schon Pierce, Margrete und Siobhan, die beisammen saßen und jeder hatte etwas zu lesen bei der Hand. Das begeistert mich so an dieser Familie, da wird abends nicht TV geschaut, sondern noch Zeit miteinander verbracht. Siobhan half mir noch im Airfryer einen Käsetoast zu machen. Das Ding ist schon echt cool, in 3min war mein Toast sowas von fertig. Anschließend verbrachte ich noch fast 2h mit ihnen gemeinsam, wobei wir uns über alle möglichen Themen unterhielten, das Schulsystem, die Universitäten und die Arbeitszeiten hier in Irland, die Situation mit Nordirland, den Brexit und vor allem auch über unterschiedliche Reisen. Pierce und Siobhan waren nämlich bevor sie Eltern wurden auch in Patagonien gewesen, wo meine nächste große Reise hingehen wird. Es war toll sich über all die Dinge auszutauschen und meinem eingerosteten Englisch tat es auch richtig gut. Anschließend zog ich mich in mein Zimmer zurück, wo ich noch etwas an meinem Blogbeitrag schrieb.

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