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Tag 5 – Back to my old business

Heute klingelte mein Wecker schon um 7:00 Uhr, denn es war Zeit meinem alten Business nachzugehen. Die Sonne schien mir durchs Fenster ins Gesicht, umso mehr freute ich mich darauf die Kühe von der Weide hereinzuholen. Nachdem ich mir die Gummistiefel angezogen hatte, marschierte ich vorfreudig Richtung Melkstand, wo ich jedoch gleich mal vom ersten Regenschauer des Tages überrascht wurde. Schnell suchte ich Schutz im Stall und wartete darauf das Domhnall, der etwa 30min entfernt mit seiner Frau wohnt, eintraf. Als er dann da war, hatte es schon wieder zu regnen aufgehört und wir holten gemeinsam die Kühe von der Weide herein. Sofort kamen einige Erinnerungen an mein Praktikum hoch, wobei ich damals die meiste Zeit mit Anne die Kühe gemolken habe, da Domhnall damals noch studierte und nicht so viel Zeit hatte. Außerdem schlief er gerne länger.

92 Kühe und einen Bullen, namens Peter, haben wir hereingeholt. Diese warteten nun darauf nach der Reihe in den Melkstand zu kommen. Es handelt sich hierbei um einen Swing Over, der für 14 zu melkende Kühe gleichzeitig Platz bietet. Das war schon eine enorme Steigerung, damals molken wir 6 Kühe gleichzeitig, aber dafür auch insgesamt nur 53 Stück. Außerdem hatte er sich einige Dinge vereinfacht, die Kraftfutterspender konnte er nun über Seilzug bedienen und auch die einzelnen Melkzeuger werden automatisch über „Seilzug“ abgenommen, wenn die Kuh fertig ist. Somit muss man eigentlich nur noch das Melkzeug hinaufgeben und im Bedarfsfall, wenn eine Kuh es zu früh heruntertritt nochmal befestigen. Nach dem Melkvorgang wurden die Zitzen jeder Kuh noch mit einer Art Desinfektionslösung besprüh, bevor sie wieder auf die Weide entlassen wurden. Im Durchschnitt geben die Kühe hier 25l/Tag, was für österreichische Verhältnisse wenig ist, jdedoch leben die Tiere hier um einiges länger. Seine ältesten Tiere sind über 13 Jahre alt.

Die Kühe waren wirklich alle sehr brav während dem Melkvorgang, nur selten trat eine her. Die Milch von den Tieren mit Fußbändern wurde in extra Kannen gemolken, um damit die Kälber, welche die letzten dieser Kalbungssaison waren, zu versorgen. Domhnall erklärte mir nicht nur seine Melkanlage, sondern zeigte mir auch seine neueste Errungenschaft. Dabei handelt es sich um eine Art “Sensor”, ich bezeichne das jetzt mal einfach so, welchen die Tiere schlucken. Dieser bleibt dann in einem der vier Mägen liegen und gibt bestimmte Informationen per App an ihn weiter, z.B.: Körpertemperatur, ob die Kuh kurz vorm Kälbern ist, Wasseraufnahme,… Also echt verrückt was es schon alles gibt. Seit zirka einem Jahr testet er das System.

Während wir noch mitten im Melken waren, kam dann auch schon der Milchtank, um die Milch abzuholen. Ich glaube drei Partien hatten wir da noch zu melken. Aber der Fahrer wartete einfach bis wir fertig waren und Domhnall hatte auch keinen Stress, das ist schon wieder mal so typisch irisch. In Österreich würde das nicht so funktionieren.

Nachdem wir das Melken abgeschlossen hatten, fütterten wir noch die letzten Kälber gemeinsam. Anschließend brachten wir die Kühe wieder auf die Weide, Domhnall ging vorne ich hinten nach.

Danach freute ich mich auf eine Dusche und auf das wohlverdiente Frühstück, welches ich gemeinsam mit Margrete und Arthur, einem weiteren Sohn von Margrete einnahm. Dieser lebt zwar eigentlich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Cork, war jedoch gerade auch zu Besuch und arbeitete von hier aus im Homeoffice. Über Nacht blieben sie aber in dem Haus ihrer Großmutter, das nicht weit von hier entfernt liegt. Es war auch nett ihn wiederzusehen. Überhaupt sind alle hier so freundlich und zuvorkommend, ich liebe die irische Gastfreundschaft einfach. Domhnall gesellte sich dann auch noch dazu, der nach wie vor seine Schokopopps frühstückte, hier hatte sich nichts geändert zu damals.

Ich war heute sehr unsicher was ich mit dem Tag anstellen sollte, da es immer wieder stark zu regnen begonnen hatte während wir im Stall waren und auch der Himmel draußen, versprach nicht viel. Mir wurde empfohlen nach Kinsale zu fahren. Zu diesem Ort sagen die Iren, entweder man ist verheiratet oder man fährt nach Kinsale, wenn man eine Affäre möchte. Da dies scheinbar der Ort mit der höchsten Scheidungsrate sei. Ich war zwar nicht auf der Suche nach einer Affäre, entschloss mich dann aber trotzdem dort hinzufahren, da Margrete noch meinte, man kann nicht in Irland gewesen sein und noch nie in Kinsale, dass sei wie wenn man in Frankreich war, aber nicht in Paris.

Also packte ich meine Sachen für den Tagesausflug zusammen und wollte mich schon auf den Weg machen. Als der Himmel plötzlich aufriss. Da entschied ich spontan doch noch zu meiner Lieblingsbucht von damals zu spazieren. Aus dem kurzen Spaziergang wurden über drei Stunden. Diese Gegend hier hat mich einfach verzaubert, damals schon und jetzt noch mehr. Vielleicht war ich ja im früheren Leben eine Irin, hier fühlt sich einfach alles so richtig an. Ich marschierte auch bei dem Haus vorbei, wo ich mir damals schon gedacht habe, ich weiß nicht wie, aber irgendwann werde ich irgendwo hier einen Wohnsitz für den Sommer haben. Mal schauen, ob ich das irgendwann schaffe.

Anschließend begab ich mich zu meiner versteckten Bucht, die auch Prison Cove genannt wird. Dort nahm ich mir dann Zeit, um einen Blogbeitrag fertig zu machen, da hier das Internet weit besser war als auf der Farm. Dieser Platz gibt mir soviel, hier habe ich noch nie jemand anderen angetroffen, hier kann ich einfach nur sein und Energie tanken, das ist einfach mein “happy place”. Der einzige Nachteil heute, es war doch etwas frisch aufgrund des immer stärker werdenden Windes. Es begann dann auch kurz zu Tröpfeln, so beschloss ich mich wieder auf den Weg zur Farm zu machen. Dieser „Regen“ war aber gleich wieder Geschichte und es riss schon wieder auf. Ich glaube der starke Wind, vertrieb die Woken sogleich wieder.

Als ich bei der Farm retour war, fuhr ich sogleich Richtung Kinsale, stoppte aber noch in Glandore beim Friedhof und der Kirche. Denn dort lag Anne begraben. Ich besuchte ihr Grab, setzte ihr ein Engerl zu ihrem Kreuz und laß den letzten Brief, den sie mir 2023 im Jänner noch geschrieben hatte. Unter Tränen gedachte ich der schönen Momente, die wir gemeinsam hatten. Sie war damals immer so nett zu mir, man kann sich das etwa so vorstellen, Anne und Margarete waren wie guter und böser Bulle, Anne war stets der gute Bulle und Margarete hatte einfach eine bestimmendere Art. Ich wusste Ende 2023, dass es schlecht um Annes Gesundheit stand, aber war voller Hoffnung sie noch einmal wieder zu sehen. An meinem 30igsten Geburtstag habe ich dann den Brief mit der Todesnachricht erhalten. Ich weiß noch genau wie bei mir die Tränen nur so geflossen sind. Wir hatten irgendwie eine Verbindung, die wir wahrscheinlich beide nicht verstanden haben, aber sie war da. Liebe Anne, Rest in Peace. By the way die Friedhöfe sind hier irgendwie eigenartig angelegt in Doppelreihen wobei man zu den hinteren Gräbern nicht ordentlich dazukommt, alles verdreht im Verlgeich zu unseren.

Die Weiterfahrt nach Kinsale verlief problemlos, nur wurde ich dort am Parkplatz gleich mit einem heftigen Schauer, welchen ich noch im Auto aussaß, begrüßt. Als ich mich dann endlich aus dem Auto wagte, war der ganze Aufenthalt hier von mehreren Schauern geprägt. Was dazu führte, dass ich nur von Geschäft zu Geschäft hüpfte, um nicht zu nass zu werden. Ich fand zumindest ein paar besonders schöne Magneten, beschloss dann aber Kinsale hinter mir zu lassen, da ich kein Lokal fand, wo ich mir einen Scone gönnen hätte können. Die Scones sicherte ich mir dann im Supermarkt, mal schauen, ob die auch meine Anforderungen erfüllen werden.

Spontan entschied ich mich noch zum Old Kinsale Head raus zu fahren, wo mich der Wind fast verblasen hätte. Also so starke Windböen habe ich seit Neuseeland nicht mehr gespürt. Ich blieb zuerst im Auto sitzen, da es immer wieder stark herunter regnete und gönnte mir in der Zwischenzeit meinen Himbeer-Scone der erstaunlicherweise wirklich sehr gut war. Als der Regen stoppte wagte ich doch einen Sprung aus dem Auto, um ein paar Bilder von den Klippen zu machen. Hier konnte man aber echt nicht zu weit an den Rand gehen, da der Wind mich wirklich fast verblasen hätte. Nachdem ich meine Bilder hatte, machte ich meinen Weg schnell zurück ins Auto und fuhr dann weiter.

Mein nächster Halt hätte ein verfallenes Castle sein sollen, aber irgendwie war mir die Straße dorthin nicht ganz geheuer und auf Google Maps war keine Umkehrmöglichkeit zu sehen, so dass ich beschloss das gefahren Stück wieder retour zu schieben.

So machte ich meinen Weg entlang der Küste wieder zurück zur Farm. Ich hielt dabei noch einige Male, um die Sandstrände zu bewundern bzw. auch die Menschen die sich bei dem Wetter und Wellengang trotzdem ohne Swimsuit in die Fluten schmießen.

An einem größeren Sandstrand hielt ich dann länger, spazierte noch eine Runde und beschloss aufgrund der guten Internetverbindung mich hier im Auto noch etwas mit meinen Instastories zu beschäftigen. Dabei wurde ich mit 2 Regenbögen belohnt. Einer war wirklich riesig. Der Anblick direkt über dem Meer war einfach nur atemberaubend schön. Natürlich wurde hier auch ein kurzer Videocall mit Mama durchgeführt, damit sie zumindest virtuell zu ihren Stränden kommt.

Da es dann schon 20:00 Uhr war, musste ich mich auf den Heimweg machen, denn allzu spät wollte ich auch nicht zur Farm zurück kehren, damit sie sich keine Sorgen um mich machen. Gegen 21:00 war ich dann retour, unterhielt mich kurz mit ihnen, bevor ich mich in mein Zimmer zurückzog. Achja es werden hier nun sicher schon seit 11 Jahren keine Touristen mehr aufgenommen, nur noch Familie und Freunde nutzen die Räumlichkeiten des großen Hauses. Im Zimmer beschäftigte ich mich noch mit meinem nächsten Blogbeitrag, bevor ich zufrieden ins Bett ging.

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