Auch heute habe ich sehr gut geschlafen, lag wohl daran, dass ich den Tag gestern vollkommen vollgepackt hatte. Doch schon beim ersten Umdrehen morgens spürte ich gefühlt jeden Muskel im Rücken. Das ist das Ergebnis, wenn man über 2 Jahre nicht am Pferd sitzt und dann gleich eine Male galoppiert. Aber der Muskelkater war das tolle Erlebnis gestern definitiv wert. Vorm Frühstück, welches erst um 9:00 Uhr serviert wurde, beschäftigte ich mich noch mit Social Media, da ich ohnehin keine Langschläferin bin.
Im Frühstücksraum hatten 5 Tische Platz, wobei mich Alan auf einen Tisch mit zwei anderen Damen zugeteilt hatte. Es stellte sich heraus ,dass die beiden diejenigen mit dem Burgenlandler Kennzeichen am B&B Parkplatz waren. Die ältere Dame lebte und arbeitete 10 Jahre lang in Irland als Reiseleiterin. Die jüngere war ihre jetztige Arbeitskollegin und kam ursprünglich aus Albanien. Wir hatten eine wirklich nette Unterhaltung. Zum Frühstück gabs nun endlich ein halb irisches Frühstück, also über Bacon und Eggs habe ich mich drüber getraut und bin nicht enttäuscht worden. Die Geschmacksknopsen wurden wieder an ganz viele schöne Momente meiner ehemaligen Irlandreisen erinnert.


Nach dem Frühstück war es aber endlich Zeit aufzubrechen, denn für meine Verhältnisse war der Start schon spät genug. Ich verabschiedete mich von den Österreicherinnen und Alan zeigte nun auch noch seine herzliche Seite, hob meine Tasche in den Kofferraum und umarmte mich zum Abschied.
Mein erster Programmpunkt für heute war eine kleine Schokladenfabrik zu besuchen, um mich mit ein paar Goodies für zu Hause zu versorgen. Diese befand sich genau gegebenüber der gestrigen letzten Bucht. Der Atlantik brachte mich schon ordentlich in Versuchung nochmal hineinzuhüpfen, jedoch war mir eigentlich in den Shorts und mit der Weste schon kalt. Heute war es nämlich zum ersten Mal bewölkter und windiger. Aber egal dachte ich mir, einmal noch reinhüpfen, wer weiß wie die nächsten Tage das Wetter werden wird. Ich warf mich in den Bikini und beschloss Augen zu und durch. Im Meer befanden sich sehr viele Surfer, da es heute ordentlich Wellen schlug. Ich marschierte geradewegs rein und „genoss“ auch kurz Welle für Welle. Obwohl man sich wirklich an die Temperaturen gewöhnt, hatte ich dann doch bald genug und marschierte zurück zu Molly, wo ich sofort in trockene Sachen wechselte, um mich nicht zu verkühlen.





Anschließend stoppte ich auf der Weiterfahrt am Ring of Kerry beim Derrynane Beach. Hier musste ich das erste Mal auf den engen Straßen ein weiteres Stück zurückschieben, um mit dem Gegenverkehr zurecht zu kommen. Am Strand selbst war wieder einiges los trotz des schlechteren Wetters, aber für die Iren sind das ja normale Verhältnisse. Ich lief etwas herum und bestaunte ein verfallenes Abbey und dessen Friedhof. Die Begrabenen haben dort einen direkten Ausblick auf das Meer, das wäre auch eine wunderschöne Ruhestätte für mich.






Plötzlich bemerkte ich eine dunklere Wolke und beschloss langsam zurück zu Molly zu gehen. Jedoch schaffte ich es nicht mehr rechtzeitig. Natürlich war ich ohne Regenjacke unterwegs. Bis ich bei Molly war, war ich nass und meine Füße voller Sandgatsch. So viel dazu, dass ich Molly halbwegs sauber halten wollte, aber bei den Witterungsverhältnissen ist das ein Ding der Unmöglichkeit. So konnte ich nun auch die Heizung von Molly zum ersten mal testen, funktioniert ohne Probleme, nur die Sitzheizung haben sie vergessen einzubauen. Eine kurze Schrecksekunde hatte ich dann auch noch, da mein IPhone meinte, dass die Ladestelle nass geworden sei und das Gerät momentan nicht laden kann. Aber das ganze hat sich nach einer halben Stunde wieder normalisiert und mein Handy lud wieder. Sonst wäre es lustig geworden, ohne Kamera, Navi und Kommunikation nach Hause. Da merkt man mal wieder, wie viel man von dem Ding schon abhängig ist, eigentlich ja traurig.
Mit der Einstellung, dass das Wetter den restlichen Tag so bleiben würde, fuhr ich den Ring of Kerry weiter. Doch es dauerte nicht lange da lichteten sich die Wolken zumindest wieder etwas und es hatte zu regnen aufgehört. So beschloss ich spontan mir die Füße noch etwas in Kerrys Bergen zu vertreten. Die Leitern zwischen den eingezäunten Feldern sind in einem echt guten Zustand hier.




Als nächstes stoppte ich in Kenmare, um ein paar Souvenirs zu shoppen und mich im Supermarkt mit ein paar Süßigkeiten für die Weiterfahrt einzudecken. Ich passierte die Grenze vom County Kerry zum County Cork und wurde gleich mal von meinem ehemaligen Heimatcounty mit Nebel begrüßt – not a really warm welcome. Entlang der Strecke erkannte ich plötzlich eine Stelle, wo ich mit meinen Eltern vor 14 Jahren schon einmal war, als sie mich damals auf der Farm besucht hatten. Ich stoppte sofort. Es handelte sich hierbei um ein Freilichtmuseum einer Farm von der damaligen Zeit. Ich beschloss einen Blick hineinzuwerfen, ließ natürlich wieder meine Regenjacke im Auto und bekam dann doch einen ordentlichen Schauer ab, vielleicht habe ich es mir jetzt gemerkt, diese wieder immer einzupacken. Es wurde auch ein Film gezeigt, wie hier früher die Farm betrieben wurde, wobei sich mir die Frage auftat, wie die Menschen früher ohne Wetterbricht die Heuernte durchführen konnten. Obwohl in Irland tut das nicht viel zur Sache, das Wetter ändert sich so schnell, da kann der Wetterbericht heutzutage auch noch nicht mit.









Der nächste Stopp sollte endlich meine alte Heimat sein. Die Farm auf der ich vor 14 Jahren mein 14wöchiges Praktikum vom Josephinum aus absolvierte. Damals eine Farm mit 53 zu melkenden Kühen und 5 B&B Zimmern für deren Sauberkeit ich zuständig war. Aufgeregt fuhr ich um die letzten Kurven und nahm dann die Einfahrt zur Farm. Es fühlte sich noch immer etwas wie nach Hause kommen an. Ich wurde sofort herzlich begrüßt von Domhnall, Margrete, ihrer Tochter Siobhan und ihren beiden Söhnen. Das erste was natürlich gefragt wurde, would you like a cup of tea. Worauf ich selbstverständlich mit ja antwortete. Dazu gabs noch einen Bananenmuffin, der wie Bananabread schmeckte. Auch das löste herrliche Erinnerungen aus. Wir unterhielten uns, ich übergab meine Mitbringsel, gestrickte Socken und Patschen von Oma, einen Polster, Mannerschnitten, Mozartkugeln und Moser Kabanossi. Die Mozartkugeln wurden sofort geöffnet und auch die Kabanossi getestet und als sehr gut empfunden.
Anschließend räumte ich mein Gepäck in mein Zimmer für die nächsten 3 Tage. Es war alles noch genau wie damals, die einzige Veränderung, dass jetzt überall Kinderspielsachen herumlagen, denn Margarete hatte mittlerweile 7 Enkelkinder und das achte sollte im Oktober dazukommen. Nur Anne fehlte, die Schwester von Margrete, sie verstarb leider vor gut 1,5 Jahren. Ich beschloss mir noch die Beine zu vertreten, da es wieder zu regnen aufgehört hatte. Aber bevor ich das tat, war mein erster Blick natürlich noch in den Stall, wo ich sogleich auf ein paar Kälber traf.





Danach marschierte ich zum Drombeg Stone Circle, einem Steinkreis, wobei nun der typische irische Sprühregen einsetzte. Eigentlich kann man das ja gar nicht wirklich Regen nennen, ich glaube das können nur die Leute verstehen, die schon hier waren. In Österreich habe ich so einen „Regen“ noch nie erlebt. Beim Stonecircle wurde ich sogar mit einem Regenbogen und einer wahnsinnig tollen Ausicht überrascht.






Da ich noch nicht genug hatte, marschierte ich dann noch zu einer meiner beiden Buchten, die damals meine Plätze für die freien Tage waren. Die Flut war gerade da, so hoch habe ich das Wasser hier selten gesehen. Da aber überall ganz viele „Sandflies“ oder was auch immer das war, unterwegs waren, hielt ich mich hier nicht lange auf. Es war ohnehin schon nach 21:00 und ich wollte nicht allzu spät zur Farm zurück gelangen.




Bei Meiner Rückkehr saßen Margarete, Siobhan und Pierce gerade vor der Zeitung und beantworteten Rätselfragen, wobei ich zumindest eine Antwort beitragen konnte, die Nationalität von Greta Thunberg. Nachdem mir Siobhan für morgen noch Gummistiefel bereit gestellt hatte, begab ich mich erschöpft vom Tag in mein Zimmer. Dort stellte ich dann fest, dass mein Interent in diesem Teil des Hauses gar nicht funktioniert. So dass ich nur noch den Text für einen Blogbeitrag erstellen konnte, jedoch keine Bilder hochladen. Mit voller Vorfreude auf den morgigen Tag, wo es dann heißt: back to my old business, fiel ich ins Bett.





