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What are you waiting for?

Nun bin ich schon wieder eine gute Woche zu Hause und schön langsam komme ich auch wieder richtig an. Zum Glück macht mir meine Arbeit Spaß und auch wieder Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, tut gut. Sonst wäre ich nach so einem Erlebnis bestimmt in ein tiefes Loch gefallen. Ich werde hier nochmal kurz ein paar Punkte zusammenfassen, die ich anders machen würde bzw. die für mich wichtigsten Highlights aus Patagonien hervorheben. Ich weiß gar nicht so recht, wie ich das angehen soll, 5 traumhafte Wochen nochmal Revue passieren lassen und in Worte zu fassen, aber ich versuche es.

Meine Highlights in Patagonien:

  • definitiv die Bobfahrt den Vulkan in Pucon hinunter
  • Kajakfahrt zu den Marmorhöhlen in der Nähe von Puerto Rio Tranquilo
  • Wandern in El Chalten
  • El Calafate – Gletscherwanderung am Perito Moreno Gletscher inkl. Bootsfahrt
  • Wandern im Torres del Paine Nationalpark (Achtung Wind!)
  • Königspinguin-Reservat auf Feuerland

Die Carretera Austral war definitiv auch schön zu fahren, aber sie zieht sich halt echt verdammt lange und durch die Schotterfahrbahn muss man zwangsweise mehr Zeitaufwand einrechnen. Wenn die Zeit für Patagonien also eher knapp ist oder jemand kein Fan von langen Autofahrten ist, dann würde ich die Reise anders aufziehen. Meine Empfehlung für Reisende, die nur Patagonien machen, wäre sich von Süden nach Norden hochzuschlagen und in Punta Arenas oder Ushuaia zu starten. Dabei ist zu beachten, in dem Land in dem du dein Mietauto/Camper abholst, musst du es auch zurück geben. Mit dem Mietauto würde ich als Standorte für Hotelübernachtungen eben Ushuaia, Punta Arenas (Torres del Paine), El Calafate und El Chalten empfehlen. Pucon und die Marmorhöhlen sind aber hier dann noch ewig weit entfernt, wie man die in eine Mietsautoreise einplant, müsste man sich ansehen oder ob hier ein Inlandsflug ratsam wäre. Die Frage ist auch, ob man überhaupt ein Mietauto benötigt oder sich mit öffentlichen Bussen zufrieden gibt. Das zum Beispiel könnte ich mir von Ushuaia bis nach El Chalten auch gut vorstellen. Also es gibt hier genug Möglichkeiten eine Reise zu gestalten und jeder hat andere Vorlieben.

Bezüglich Camper ein paar Tipps:

  • Indoor Küche! bzw. schauen, dass man wirklich alles Indoor hat, denn es staubt hier so viel von den Schotterstraßen und man hat den Staub einfach sofort wirklich überall
  • für Menschen mit ebenso “empfindlichem” Schlafverhalten, was Lärm angeht, empfehle ich hier echt kein Hochzelt, sondern einen festen Verbau
  • auf die Heizmöglichkeiten achten –> Gas finde ich nicht empfehlenswert, da in der Pampa keine Möglichkeit zum Nachfüllen besteht oder nur begrenzt
  • Größe: trotzdem so klein wie möglich, die Parkplätze sind nicht für Riesenwohnmobile gedacht, wie man es vielleicht aus Kanada oder der USA kennt

Das sind, denke ich, die wichtigsten Punkte bezüglich Camping. Wir sind oft einfach wild gestanden und hatten nie Probleme damit, das haben wir jedoch auch nur in der Pampa gemacht, wo es in Patagonien unendlich viel gibt. Die Campingplatzpreise sind ganz akzeptabel gewesen und wir konnten eigentlich überall mit Karte bezahlen. Das einzige, wo ihr wirklich Bargeld braucht, sind die Mautstellen auf den Mautstraßen. Hier wird Kartenzahlung teilweise echt nicht akzeptiert. Bargeld zu bekommen funktioniert in Chile halbwegs okay, in Argentinien haben wir es bei keinem Bankomaten geschafft Geld abzuheben, da keiner Geld geführt hatte. Der argentinische Pesos ist so instabil, dass nicht mal das eigene Volk viel Freude an dem Geld hat. Dafür werden oft auch chilenische Pesos oder amerikanische Dollar oder einmal auch Euro akzeptiert. Die Währungen sind einfach stabiler. Das sollte man bei einer Reise nach Argentinien auf jeden Fall bedenken. Außerdem würden ein paar Worte spanisch definitiv nicht schaden. Man kommt auch ohne durch, aber eine leichtere Kommunikation ist auf jeden Fall mit Spanischkenntnissen möglich.

Ich war ja mittlerweile auf allen Kontinenten und in über 40 verschiedenen Ländern, klar als Europäerin ist das jetzt nicht sonderlich schwer, bei uns fährst du die selbe Strecke wie in Argentinien und hast mit Glück schon 5 Länder durchquert. Aber ich traue mich jetzt mal zu sagen, dass ich schon einiges gesehen habe, vor allem auch an unterschiedlichen Landschaften und ich bin der Meinung, dass jedes Land etwas für sich hat, sei es landschaftlich, kulturell oder einfach der Vibe der Bevölkerung. Der südliche Teil Chiles mit den ganzen Fjorden hat irgendwie was von Norwegen oder Neuseeland und hat mir auf jeden Fall besser gefallen als die Pampa in Argentinien. Den Teil von Argentinien, den wir gesehen haben, die Nationalparks im patagonischen Eisfeld ausgenommen, bestand halt echt fast nur aus Pampa. Welche mich teilweise an Island oder auch Teile der Südinsel in Neuseeland erinnert hat. Mit dem Unterschied, dass du die Weite der Flächen einfach nicht vergleichen kannst. In Neuseeland bist du schnell mal durch ein Landschaftsbild durch und im nächsten Moment schaut die Gegend komplett anders aus und auch Island ist einfach nicht so weitläufig. Mir persönlich war das einfach zu viel Pampa, zu wenig grün, zu viel “Nichts” oder zu wenig Hügel. (Ich würde ja im Osten Österreichs auch nicht glücklich werden – dort ist es einfach zu flach für meinen Geschmack) Also kurz und knapp Argentiniens Pampa würde mich auf Dauer eindeutig depressiv machen, aber die Nationalparks hingegen, also alles was sich rund um die Anden abspielt, ist einfach nur traumhaft schön und ich bin unendlich dankbar für jeden Berg, den ich uns hochgequält habe. Alleine die Sounds der kalbenden Gletscher und die hüpfenden Guanakos werde ich so schnell nicht vergessen. Auch das bunte Farbenspiel der landschaftlichen Highlights (Berge, Seen, Gletscher, Flüsse,..) erinnert stark an Neuseeland. Also kurz gesagt die beiden Länder haben eindeutig viele schöne Ecken, aber so ehrlich muss ich sein, unter meine Top 5 schaffen es beide nicht.

So und jetzt noch kurz zur Antarktis. Hier fehlen mir einfach die Worte und kein Text würde dem erlebtem nur in irgendeiner Weise gerecht werden. Aber ich versuche es trotzdem. Für mich war das einfach nicht von dieser Welt oder als würde man nach zwei Tagen Delirium (Drake Passage) in einer anderen Galaxie wieder zu sich kommen. Dieses Bild der unendlichen weißen Weite, geprägt von Eisbergen und einer Tiervielfalt, die man sich nicht vorstellen kann, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat bzw. einfach gefühlt hat, ist einfach unbeschreiblich. Ja gefühlt – das bringt sogar mein strukturiertes Steinbockherz zum inne halten, fühlen und einfach nur den Moment genießen.

Nochmal zusammengefasst was wir alles erleben durften:

  • Kolonien von Pinguinen beobachten, wie sie unter anderem auf ihren Bäuchen die antarktischen Hügel bergab rutschen
  • gesehen Pinguinarten: Eselspinguine, Adeliepinguine, Zügelpinguine
  • den südlichen Polarkreis passiert
  • wirklich den Kontinent Antarktis betreten (mein 7. Kontinent)
  • Sonnenuntergänge vom Schlauchboot aus erlebt
  • Orcas beim Pinguin jagen beobachten dürfen
  • Gruppen von Buckelwalen bei der Nahrungsaufnahme zu sehen (atemberaubend)
  • Drake Shake 2mal überlebt
  • Polar Plunge durchgezogen –> also einmal im Eismeer mit Pinguinen plantschen
  • im südlichsten Postamt der Welt Postkarten aufgeben
  • unterschiedlichste Robben gesehen
  • Eisberge so weit das Auge reicht
  • ganz liebe Menschen kennenglernt und tolle Unterhaltungen geführt
  • sehr viel über diesen Kontinent gelernt


Bezüglich Antarktis hätte ich wirklich gar nichts anders gemacht. Wir haben das richtige Schiff gewählt und waren zum optimalen Zeitpunkt für unsere Wünsche unterwegs. Die Reise hat auf jeden Fall all meine Vorstellungen übertroffen und alle Erwartungen mehr als erfüllt. Den einzigen Tipp, den ich hier geben würde, wenn man zeitlich flexibel ist, würde ich kurzfristig buchen, da hier die Preise echt nochmal nach unten gehen.

Jeder der überlegt die Antarktis zu bereisen und Bedenken bezüglich Drake Shake hat, ich bin ehrlich zu euch, es war echt kein schönes Gefühl die zwei Tage, aber es ist absolut zum Aushalten und wenn ich jetzt zurück denke an die Zeit, überwiegen die schönen Momente sowas von, die Übelkeit und das Übergeben war sofort vergessen. Im Gegenteil ich fühle mich so gelassen und relaxed wie schon lange nicht bzw. ich denke so gechillt war ich noch nie. Die Antarktis hat mich einfach sowas von runter geholt und ich hoffe ich zehre noch ganz lang von meinen Erinnerungen und das Gefühl der Gelassenheit bzw. Entschleunigung geht einfach nie weg. Ich habe ja gehört, dass so eine Reise in die Antarktis Menschen verändern kann. Bei mir trifft das zu 100% zu. Diese unberührte Natur und vor allem auch die vielfältige Tierwelt haben mein Herz einfach verzaubert und das wird mir nichts und niemand mehr nehmen. Die letzten fünf Jahre haben sowohl beruflich, aber vor allem auch privat, so viel von mir gefordert, dass ich teilweise vergessen habe, dass das Leben aus mehr als nur “Funktionieren” besteht. Jetzt beinhart zu sagen, damit ist Schluss und ich schaue jetzt nur noch auf mich, wäre definitiv nicht ich. Aber ich habe nun endlich gelernt, dass ich nur für andere da sein kann, wenn mein Glas regelmäßig gefüllt wird mit Dingen, die mir gut tun und mir Freude bereiten. Denn was hat dein Umfeld davon, wenn du dich selbst in deiner Hilfsbereitschaft und deinem Mitgefühl verlierst?

Da ich jetzt schon zweimal den Anstoß bekommen habe, ob ich nicht einen Vortrag zu meiner Reise halten wollen würde, bin ich momentan echt am Überlegen. So würde ich mehr Fotos bzw. auch Videomaterial teilen können und vor allem auch meine Emotionen besser rüber bringen können. Abschließend bleibt mir jetzt eigentlich nur noch zu sagen an alle die Überlegen, ob sie ihre nächste Reise antreten sollen: “What are you waiting for”? – Das Leben ist einfach viel zu kurz für irgendwann!!!

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