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Runde Nummer 2 in der Drake Passage

Die Nacht verlief halbwegs okay, wenn man sich mal auf die Waschmaschinendynamik eingestellt hatte. Die Reisetabletten trockneten nur meinen Hals ganz schön aus, was neben leichtem Kopfweh und Müdigkeit ein unangenehmer Nebeneffekt war. Aber zumindest war die Übelkeit beendet. Nach dem Frühstück brachte sich Alex sofort wieder in die Waagrechte, während ich im Aufenthaltsraum die Zeit verbrachte. Dort wurde wieder ein Film gezeigt, jedoch der selbe, wie bei der Hinfahrt, somit schlief ich relativ schnell ein. Mittlerweile wusste ich mich schon richtig zu positionieren. Vorwärts und Rückwärts Schaukelbewegungen waren weit angenehmer als die seitlichen, da mich das ans wirkliche Schaukeln erinnerte. Ich vermute mal mit dem kann da Gehirn oder das Innenohr besser umgehen. Allgemein war es nun viel leerer und ruhiger am Schiff, da einige Passagiere den gesamten Drake Shake in der Kabine blieben. Die Stufen hier haben in der Mitte nochmal eine extra Halterung zum Festhalten, was auch unbedingt notwendig war. Auf diesen war es immer ganz spannend von wo die Welle gerade kam, entweder trieb es dich von allein hoch oder du musstest dich hochziehen. Am besten war einfach die richtige Welle abzuwarten und mit dieser Bewegung mitzugehen.

Zu Mittag gabs wieder Salat, Kürbispüree mit Sojafleisch und Dulce de Leche Mousse als Nachspeise. Ich bat Carla, unsere Servicechefin, mir nur das Püree mit einem Stück Brot zu bringen. Daraus wurde Püree mit zwei Spiegeleiern, was voll okay war. Die Nachspeise tauschten Jasmin und ich gegen frisches Obst. Alex musste den Tisch kurz verlassen, da es diesmal ihn erwischt hatte, Kürbis kann er gar nicht riechen. Also es liegt nicht nur an meinem empfindlichem Geruchssinn. Wir saßen heute immer länger nach dem Essen noch beisammen, da die Schwankungen im halbvollen Speisesaal auch angenehmer zu ertragen waren, da die Luft besser war und wir alle ohnehin zu nichts anderes fähig waren. Außer ein paar Fotos auszusortieren am Handy ging trotz der Tabletten nichts. Es fühlte sich so an, als würden diese den Körper so richtig auf Sparflamme halten.

Nachmittags gab es zuerst eine Dokumentation über Pinguine, wobei diese oft zwei Kücken haben. An Land haben Pinguine in der Antarktis nur Vögel als Feinde. Vor dem Abendessen erhielten wir noch den letzten Vortrag zum Thema Gletscher und Eis. Wusstet ihr, dass die Antarktis fast 70% unserer weltweiten Frischwasservorkommen besitzt? Wenn sie komplett schmelzen würde, erhebt sich der Meeresspiegel voraussichtlich um 60m. Würde das selbe mit Grönland passieren, sind es hingegen nur 6,5m. Momentan beträgt die Meeresspiegelerhebung 32cm pro Jahrhundert. Wir erfuhren auch die Unterschiede von Berggletschern, kontinentalen Gletschern, Gezeitengletschern und Eisfeldern. Außerdem wurden uns unterschiedliche Gletscherformen erklärt, sowie die Entstehung von Meereis. Die Gletscherbewegung kann aufgrund der Linienlage bestimmt werden. Je nachdem, ob der Gletscher horizontale oder vertikale Linien aufweist, bewegt er sich seitlich oder nach vorne. Meereis ist extrem gefährlich beim Navigieren, da man nicht weiß, wie es sich verhält. Die Bedingungen können sich rasch ändern, so dass die Gefahr besteht, dass das Schiff in so einem Meereisfeld selbst anfriert und gefangen geht.

Abends gab es wieder Salat, Gemüsereis und Kompott als Nachspeise. Der Reis war echt lecker, das Kompott sehr süß aber okay. Danach gings wieder sofort ins Bett, damit die Zeit des Drake Shakes bald zu Ende ist.

Nun war der letzte volle Tag am Schiff angebrochen. Nach dem Frühstück sollten wir die Rechnung unserer am Schiff konsumierten Güter bei Fabian bezahlen. Alex musste sich aber sofort hinlegen, somit warteten wir bis kurz vorm Mittagessen. Der Bezahlprozess mit Kreditkarte ist extrem kompliziert und funktionierte überhaupt nicht gut, so dass wir mehrere Anläufe brauchten bis es klappte. Ich verbrachte den Großteil des Vormittags auch in der Kabine, da mir im Aufenthaltsraum aufgrund der zahlenden Passagiere zu viel Unruhe herrschte. Zu Mittag gab es heute Spaghetti mit Gemüse und Milchreis. Im Gemüse versteckten sich noch ein paar Brocken Tofu, vermutlich die letzten Reste, die sie los werden wollten. Ein Chinese neben uns orderte sehr selbst bestimmt zwei Mal Nachschlag bei den Nudeln. Man merkt hier schon stark die kulturellen Unterschiede. Auch eine gewisse Gruppendynamik hatte sich die letzten 10 Tage entwickelt, wobei diese großteils auf die sprachlichen Hintergründe zurück zu führen war. So gab es die spanisch sprechende Gesellschaft, wo auch die Italiener ihren Platz fanden. Die große chinesische, die niederländische und die deutschsprachige Gruppe. Diejenigen, die englisch als Muttersprache hatten, unterteilten sich in kleinere Gruppen. Hier gab es eine fünfköpfige Amerikaner Gruppe und die restlichen wechselten beim Sitzen eigentlich immer durch. Als “Außenseiter” gab es noch Mexikaner, Japaner und Taiwanesen. Deren Englisch aber recht gut war, so dass sie überall mal mit quatschten. In Summe war es echt eine angenehme Truppe, wobei sich im Laufe der Tage ein paar Spitznamen herauskristallisierten, wie der Schreier, da er beim Frühstück mal laut rum geschrien hatte, der Grapscher, da er einen Pinguin bewusst berührt hatte oder die Kugelstiftklauerin, da sie Jasmin den Kulli am ersten Tag aus der Hand riss. Wer weiß, welche Spitznamen wir von den anderen erhalten hatten.

Der Nachmittag war eigentlich ziemlich voll mit Programm. Leider hatte sich mein Halsweh verschlimmert und auch so fühlte ich mich nicht mehr so gut. Ich bin mir nicht sicher, ob es jetzt nur die Tabletten sind oder ich etwas ausbrüte. Auf jeden Fall mussten Fabio und Jasmin nach dem Essen ihre Kabine wechseln, da es bei ihnen von der Decke tropfte und der Raum schon ordentlich nass war. Als erstes gab es am Nachmittag ein Quiz, wo wir aufgrund der Sitzecken in Teams aufgeteilt wurden. Ich war in einer spanischen Gruppe, aber wir konnten uns gut verständigen. Wir bekamen 10 Fragen mit je 4 Antwortmöglichkeiten, nur die letzte war eine Schätzfrage, wobei wir die Anzahl der unterschiedlichen Passagiernationalitäten zu schätzen hatten. Es waren insgesamt 15 an der Zahl, wir sind auf 14 gekommen. Das Gewinnerteam bekam eine Flasche Prosecco. Ich war froh nicht in diesem zu sein, denn nach Alkohol war mir momentan gar nicht.

Gegen 16:00 Uhr erhielten wir unsere Reisepässe zurück und auch das erste Land war in Sicht. Die See hatte sich wieder beruhigt und auch Fabio kam wieder aus seiner Kabine hervor. Zum Abschluss bekamen wir noch Sei- und Finnwalen zu Gesicht, die überall um unser Boot herum schwammen. Auch die Duschen waren wieder freigegeben, was jeder sofort ausnutzte.

Vor dem Abendessen war es Zeit für die Urkundenübergabe. Jeder bekam ein Zertifikat, welches enthielt antarktischen Boden betreten und den südlichen Polarkreis passiert zu haben. Zusätzlich erhielten wir einiges an Infomaterial, was genau unsere Reise betraf. Sprich eine Liste mit all den Tieren, die wir beobachten konnten und dem genauem Routenplan. Auch ein Video mit Bildern von uns allen war dabei. Das alles war auf einem USB-Stick enthalten, der wie die MV Ushuaia aussah. Das ganze Expeditionsteam inklusive Kapitän und Schiffsengineer war für die Gratulationen vertreten.

Anschließend wurde mit Sekt angestoßen und ein wunderschöner Sonnenuntergang genossen. Der Sekt schmeckte mir zwar gar nicht, aber es gehörte doch gefeiert. Mike , ein Australier, bat mich noch ein Video von meiner Tätowierung zu machen und auch eine weitere Passagierin machte Fotos davon. Meine Polarkreis und Äquatoridee kam in diesem Umfeld echt gut an.

Als Abschiedsessen gab es Kürbiscremesuppe, mit Bohnen gefüllte Paprika auf Kartoffelpüree inklusive Spiegelei und Eiscreme als Nachspeise. Also ihre Speisekombinationen finde ich sehr spannend. Dieses Kartoffelpüree finde ich hier nicht ganz passend, aber der Paprika und vor allem die Suppe waren echt lecker. Übrigens hatten wir schon vor zwei Tagen die Bar etwas geleert. Es gab keinen weißen Wein mehr, keine kleinen Sektfalschen und heute ging auch das Patagonia Bier aus, so dass auf Heinekken umgestiegen werden musste. So ein junges Durchschnittsalter bei den Passagieren hatten sie bisher nie und die jungen Amerikaner ließen es sich echt gut gehen. Die hatten zu jeder Tageszeit ein Bier oder ein Glas Wein in der Hand.

Im Anschluss saßen wir noch etwas mit Jasmin und Fabio bei uns im Zimmer beisammen, wobei mir schon fast die Augen zu fielen. Einen letzten Moment mit einem Abschiedssong genoss ich noch an Deck bei Dunkelheit. Anschließend ging es mit Neocitran als Betthupferl ins Bett. Auf der einen Seite vorfreudig, dass der Drake Shake vorbei war und wir bald wieder richtiges Land unter den Beinen hatten, auf der anderen Seite auch etwas demütig, das Team und die anderen Passagiere verlassen zu müssen, da wir ja doch irgendwie zusammen gewachsen waren in den letzten Tagen.

4 Kommentare

Renate
Danke fürs Teilhaben-Lassen, Laura!
Laura Karner
Laura KarnerRedaktion
Sehr gerne, Renate! 🙂
Monika
Was für eine beeindruckende Reise, danke für den Blog so konnten wir alle mitreisen, denn ich bin mir sicher, da werde ich nie hinkommen😉🤣
Laura Karner
Laura KarnerRedaktion
Sag niemals, nie 😉

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