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Von Buckelwalen umgeben

Die Nacht war etwas kürzer, da ich noch länger an meinem Blog saß, dafür durften wir aber auch bis 7:30 Uhr schlafen. Nach dem Frühstück hatten wir noch etwas Zeit, da wir heute die zweite Zodiac Gruppe waren. Voll eingepackt marschierten wir fast 45 Minuten vor Start nach unten, um ein gemeinsames Zodiac mit unseren neuen Freunden zu bekommen. Unser Schiff befand sich momentan in einer Bucht, die voll von Eisschollen und Eisbergen war und rund um uns herum waren wirklich überall Buckelwale. Der Anblick ist nicht in Worte zu fassen, könnte ich auch noch so gut schreiben.

Wir konnten hier ihr klassisches Fressverhalten beobachten. Diese fressen in Gruppen und arbeiten dabei als Team zusammen. Es wird unter Wasser gesungen und dabei Blasen erzeugt. Diese helfen dabei, dass der Krill (ihre Hauptnahrungsquelle) sich Richtung Wasseroberfläche bewegt. Die Wale steigen dann einfach nur noch an die Oberfläche mit geöffnetem Maul auf und fangen diesen ein. Es war wirklich unglaublich dabei zuzusehen. Vom Schiff aus sahen wir schon die ersten und dann ging es aufs Zodiac.

Es war wieder unsere Gruppe, diesmal gemeinsam mit einem weiteren Deutschen, einem Australier und einem Engländer. Heute hatten wir die Historikerin als Guide. Sie versuchte uns wirklich das beste Erlebnis möglich zu machen und fuhr ganz nah an die Wale heran. Durch dieses Fressverhalten, konnten wir die Blasen bereits aufsteigen sehen und wussten, wo die Wale als nächstes hochkommen würden. Es waren auch Jungtiere dabei, die man anhand ihrer kleineren Schwanzflosse eindeutig wahrnehmen konnte.

Eine ganze Stunde waren wir hautnah neben diesen Kolossen. Gestern hatte ich ja noch etwas Respekt in einem Schlauchboot so nah neben solch riesigen Tieren zu sein. Heute war dieser komplett verfolgen und der Genuss stand im Vordergrund. Marlena erklärte uns, dass die Zodiacs die Motoren anlassen müssen, damit die Wale wissen, dass wir hier sind. So können sie entscheiden, ob sie hier bleiben oder Abstand von uns nehmen. Marlena war nun schon das siebte Jahr hier auf Expeditionen unterwegs und so etwas hatte sie noch nie gesehen. Den Buckelwalen war es komplett egal, dass wir hier waren und sie lieferten uns eine sagenhafte Show. Auch ihre Geräusche, die sie zusätzlich zum Blas (=Ausatmen) gaben, war einzigartig. Auch diese Blasenbildung an der Meeresoberfläche sei eine Seltenheit betrachten zu können, denn hierzu musste das Gewässer ja auch ruhig sein. Wir hatten einfach wirklich verdammtes Glück.

Nach der Tour war es Zeit fürs Mittagessen, heute mit Kürbiscremesuppe, Gemüselasagne und Karamellapfel. Die Bechamelsoße haben sie echt gut erwischt. Achja Kräuterbaguette findet man fast auch immer auf den Tischen als Vorspeise bereit stehen.

Den Nachmittag wollte ich ursprünglich zum Blog schreiben nutzen, aber die Sonne machte mir zum Glück einen Strich durch die Rechnung. Die zeigte sich nun wieder von der schönsten Seite. Wenn Eisberge und Gletscher mit blauem Himmel als Hintergrund an dir vorbei ziehen und der Wind sich in Grenzen hält, da kannst du nicht mehr im Schiff bleiben, also ich zumindest nicht. Ich leistete Jasmin Gesellschaft. Wir saßen auf der Seite des Schiffes, wo sich der Wind zurück hielt und genossen bei guten Unterhaltungen die Aussicht. Es tat nach den 4 Wochen echt wieder mal gut ein Gespräch von Frau zu Frau zu führen. Immer wieder entdeckten wir Wale und Pinguine, welche unseren Weg kreuzten.

Ich unterhielt mich kurz mit Erio, dem Vogelspezialisten, der sich sehr über mein Interesse zu freuen schien. Er erklärte mir auch gleich, dass gerade eine Antarktis-Schwalbe über uns flog. Später gesellten sich auch Alex und Fabio zu uns. Gemeinsam gingen wir an die Vorderseite des Schiffs. Mittlerweile fuhren wir so langsam, dass sich der Wind hier auch beruhigt hatte. Der Anblick war wieder unbeschreiblich. Das Schiff befand sich in einer Bucht, voll mit Eisschollen und Eisbergen umgeben. Plötzlich schien das Schiff zu halten und dann drehten sie es auch noch um. Wir wussten, dass Adrians Schicht bald beginnen sollte. Also stapften wir hoch zur Brücke, um nachzufragen, ob hier leicht zu viel Eis sei. Doch Adrians Schicht startete heute scheinbar erst später. Also marschierten wir zum Nachmittagssnack.

Anschließend probierten wir es noch einmal auf der Brücke. Nun war Adrian mit zwei anderen Offizieren vor Ort. Es schien so, als ob hier mehr Konzentration gefragt wäre, also ließen wir ihn in Ruhe. Wir erfuhren nur, dass alles mit dem Landing klappen würde. Wir mussten nur warten, da sich noch ein anderes Schiff auf unserem Haltepunkt befand. Da ja immer nur 100 Leute gleichzeitig an Land gehen dürfen, müssen sich die Schiffe immer gegenseitig abstimmen, wer zu welcher Zeit wo anlandet. Zusätzlich zu den zu beachtenden Witterungsbedingungen ist das sicher kein leichter Job. Vor allem wenn du dann vielleicht noch unverständnisvolle Touristen an Bord hast, die enttäuscht sind, wenn das Wetter nicht mitspielt. Langsam bewegte sich unser Schiff nun wieder vorwärts, gemeinsam würden sie es schon durch das Eis durchbekommen.

Gegen 19:00 Uhr starteten wir dann etwas verspätet unsere Anlandung hier auf Neko Harbour. Von Weitem konnten wir schon einen Gletscher und die Eselspinguin-Kolonie sehen und riechen. Ich fand den Geruch aber diesmal auch wieder nicht so schlimm. Die Anlandung erfolgte in Mitten der Pinguine, wobei wir aber schnell hindurch marschierten. Die Küste war steinig, dahinter befand sich aber eine Schneedecke auf der wir neben den Pinguinen hochliefen.

Dabei rutschten uns die Pinguine teilweise am Bauch entgegen. Das war echt ein witziger Anblick. Ganz oben angekommen, konnten wir den Gletscher aus nächster Nähe beobachten.

Auch die meisten Jungtiere trafen wir hier oben an. Wenn es hier Stühle gäbe, könnte man den Tieren ewig zu sehen, besser als jedes TV-Programm, zumindest für mich. Übrigens trotz 3 paar Socken und Wärmepads waren meine Zehen am Ende der Anlandung echt schon kalt, das alles hilft nichts bei den schlecht isolierten Gummistiefeln. Aber das macht das Antarktis Feeling nochmal passender.

Langsam marschierten wir den schneebedeckten Hügel wieder hinunter. Da bot sich ein Anblick, der mir schon wieder den Atem raubte. Von ganz oben hat man einen Überblick über die gesamte Bucht mit den Eischollen, den Gletschern und der Pinguinkolonie. Muss ich noch mehr sagen? Achja die Sonne ging dabei auch gerade unter. Also der zweite Sonnenuntergang für uns in der Antarktis, wobei die Crew die letzten Monate kaum Sonne zu Gesicht bekommen hatte. Ich kann unser Glück kaum in Worte fassen Ich hatte nur dauernd die Songzeile im Kopf: “Zwickts mi, I glaub i tram”. Die Antarktis hat heute endgültig mein Herz gewonnen, der Drake Shake ist komplett vergessen. Vermutlich wie bei einer Geburt, wo du die Schmerzen ja zumindest großteils danach auch vergisst.

Wir stiegen in das vorletzte Zodiac ein. Da sahen wir plötzlich noch eine Robbe im Wasser neben uns schwimmen, aber nicht irgendeine, sondern einen Seeleopard. Leider gibt es davon kein gutes Bild, nur ein kurzes Video, wo Alex sie etwas erwischt hatte. Wir trauten ja unseren Augen kaum, denn diese sind auch selten zu entdecken.

Am Schiff zurück, zogen wir uns schnell um. Denn der Barbecue war schon voll im Gange, ja genau Barbecue. Gegen 17:00 Uhr hatte die Küche Outdoor den Grill angeworfen und ganz schön viel Fleisch darauf gelegt. Direkt von draußen konnte man sich Brötchen mit Fleisch oder Veggievariante holen. In dem Fall schien es ein Laibchen aus Linsen oder Kichererbsen zu sein, schmeckte auf jeden Fall gut.

Nach dem Brötchen stießen wir noch mit Jasmin, Fabio und Sebastian auf die Verlobung des Pärchens an. Diese hatten sich gestern an Deck bei Sonnenuntergang verlobt. So eine schöne Geschichte, die sie uns da erzählten. Die beiden sind einfach ein herzhaftes Paar, ich wünsche ihnen noch ganz viele schöne Momente auf ihrer Weltreise. Anschließend ging es im Speisesaal noch weiter. Da wurde das restliche Fleisch in Buffetform angeboten. Ich bekam noch zwei riesige Gemüse-Tofu Spieße, wobei ich nur die Melanzani, die Zucchini und ein Stück Tofu verspeiste. Der Rest wanderte zu Alex. Als Nachspeise gab es noch zwei Kugeln Eis. Dabei unterhielt ich mich wirklich gut mit dem argentinischen Influenzer und einem ganz interessanten Amerikaner aus Ohio. Er war Chemiker, aber konnte von überall aus arbeiten, da er nur Werte bezüglich Mehlherstellung überprüfen musste. Seine Laborangestellten würden den Rest erledigen. Er selbst habe sich als Ziel alle 7 Kontinente und die 7 Weltwunder gesetzt, die er bis zum Mai erreicht haben möchte. Allgemein ist das Passagierklintel komplett spannend. Die meisten jüngeren Teilnehmer sind alle auf einer Art Weltreise. Jeder hat sich eine Auszeit genommen oder arbeitet ortsunabhängig. Da könnte man ja schon auf so ein paar Gedanken bzw. Gusta bekommen. Nur für eine Weltreise bin ich, denke ich, zu familien- und freundeverbunden, obwohl man nach den 5 Wochen schon etwas auf den Geschmack kommt noch mehr sehen zu wollen. Schlussendlich würde ich meine Arbeit bestimmt auch vermissen, momentan findet sich dafür aber kein Platz, da hier jeder Moment so einzigartig ist, dass alles aufgesaugt wird.

Nach dem Essen war es dann endlich soweit, die Talentshow fand statt. Fabian, der Barkeeper, setzte sich in Szene. Er sang Karaoke für uns und tanzte zu “hit me baby one more time”. So viel gelacht, hatte ich schon lange nicht mehr. Auch zwei von den Amerikanern zeigten ihre Tanzkünste in Pinguinkostümen verkleidet. Dann bekamen Jasmin und Fabio noch Torte, um ihre Verlobung zu feiern, wobei Fabian hierzu ein Orkakostüm trug. Er macht seinen Job wirklich gut.

Gegen 23:00 Uhr ging ich aufs Zimmer, um die Dunkelheit der Nacht für meinen Blog zu nutzen. Tagsüber komme ich zu nichts, da ich die Landschaft hier aufsaugen muss, vor allem, wenn die Sonne scheint. Draußen an Deck zu sitzen und den Wellen zu zusehen, in denen sich immer wieder Wale oder Pinguine blicken lassen, hat irgendetwas meditatives. Von diesen Augenblicken werde ich hoffentlich noch ganz lange zehren. Mit heute hatten wir schon die Halbzeit unserer Antarktis Reise erreicht. Ehrlich gesagt habe ich jetzt schon alles gesehen, was ich sehen wollte. Die Walbeobachtung heute hat all meine Vorstellungen übertroffen. Ich habe schon oft Walbeobachtungen gemacht, aber die Antarktis spielt in einer anderen Liga. Alles was jetzt noch kommt ist eine Zugabe.

4 Kommentare

Evi
Ich freu mich so für dich (euch), dass alles so toll läuft und ihr einen Höhepunkt nach dem anderen erleben dürft. Schließlich macht man so eine Reise vermutlich nur einmal im Leben und da ist es ein Traum , dass ihr wirklich alles sehen könnt, was die Antarktis zu bieten hat. Die heutigen Bilder zeigen ja wieder eindrücklich, wie unglaublich schön es dort ist.
Laura Karner
Laura KarnerRedaktion
Ja es ist wirklich ein Traum, mittlerweile bin ich mir nicht sicher, ob ich das letzte Mal dort war. Aber in den nächsten Jahren liegt mein Fokus mal in anderen Gegenden. ☺️😇
Monika
Also das ist wirklich eine ganz aussergewöhnliche Reise, beeindruckt mich extrem und freue mich immer wenn der neue Blog online ist.
Laura Karner
Laura KarnerRedaktion
Danke Monika! Freut mich, dass du so viel Freude beim Mitreisen hast. 😇

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