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Time for Polar Plunge

Heute war ich ausgeschlafen und schon vorm Weckruf wach. Ich nutzte die Zeit, um auf meinem Handy Speicherplatz frei zu bekommen. Damit man die optimale Walflosse drauf bekommt, muss schon einige Male abgedrückt werden. Gegen 8:00 Uhr weckte ich dann Alex auf zum Frühstück. Das Wetter war heute echt bescheiden, ganz zugezogen mit wenig Sicht. Aber das ist nun mal die Antarktis und nicht Kalifornien. Übrigens ist das schon ein geiles Gefühl, wenn du beim Zähne putzen aus dem Fenster blickst und Wale beobachten kannst. Hier bräuchte ich keinen Fernseher.

Wir waren wieder die zweite Gruppe, die in der Patagonia Bay mit den Zodiacs rausging. Wir warteten aber schon früher unten und beobachtete erneut einen Buckelwalshow, die uns wieder vom feinsten geliefert wurde. Eine Gruppe von sechs Walen war direkt neben dem Schiff und vollzog ihren Fütterungsprozess. Einfach unglaublich so etwas mitansehen zu können. Zuerst kommen die Blasen, die hier wieder schön in Kreisen angeordnet waren und dann kamen die Wale mit ihrem Ausatemgeräuschen hoch und teilweise noch anderen Lauten. Hier kam dazu, dass sich auch noch Vögel in dem Bereich aufhielten, wo die Wale hochkamen, da das ja auch für diese mehr Futter bedeutet.

Auf der anderen Seite des Schiffs konnten wir aus der Ferne ein weiteres Spektakel miterleben. Dreimal sprang ein Wal direkt aus dem Meer. Das kommt ganz selten vor, da sie es hauptsächlich machen, um sich von allmöglichen Dingen, die sie an der Haut kleben haben, zu befreien. Also es dient unter anderem als Reinigungsprozess. Die erste Gruppe hatte echt Glück, eines der Zodiacs war direkt neben dem Sprungwal. Das Foto des glücklichen Passagiers, der diesen Schnappschuss machen konnte, ging anschließend die Runde.

Wir waren dann leider nicht so glücklich und konnten auf unserer Fahrt kaum Wale entdecken. Mittlerweile waren wir einfach schon verwöhnt von den tollen Erlebnissen, die wir schon erleben durften. Aber dafür fuhren wir mit den Booten ganz nah an den Gletscher ran und durch ein Eismeer hindurch. Aufgrund der Stille konnte man das Eis sogar knacken hören. Diese Momente sind einfach so schwer in Worte zu fassen, du fährst bei Nebel mit einem Schlauchboot durchs Eismeer. Während das Eis knackt, hörst du einen Wal ausatmen und genießt einfach nur den Zauber der Natur.

Auch einen Seebär alleine auf einem Eisberg sitzend, konnten wir entdecken, der war von unserem Foto-Interesse aber nicht besonders begeistert. Bei der Rückfahrt zum Schiff kamen wir noch ins Vergnügen von einer Showeinlage eines schwimmenden Seebärs, der zwischen zwei von unseren Zodiacs herum tauchte. Kurz bevor wir wieder zurück beim Schiff waren, tauchte noch ein Wal neben uns auf. Also ein gelungener Abschluss, denn dies sollte vermutlich unsere letzte Schlauchboottour sein.

Diesmal marschierte ich nicht gleich in die Kabine, sondern genoss noch kurz den Ausblick vom Schiff. Denn rund herum tauchten schon wieder überall Wale auf, wobei drei noch ganz nah ans Schiff rankamen. So werden übrigens die Zodiacs hochgezogen.

Auch für Alex Starlinkschüssel fand ich eine andere Verwendung, die heizt sich von alleine auf gegen Schneeschmelze. Ich nutzte diese Funktion um meine Zehen zu wärmen.

Bald war es dann Zeit fürs Mittagessen, welches heute genau meinen Geschmack traf. Die Vorspeise Gemüsekuchen, da ging die Hälfte noch an Alex, aber als Hauptspeise Linseneintopf mit Gemüse als Beilage, die Beilagen finde ich zwar immer nicht ganz passend, aber war beides sehr lecker. Die Nachspeise setzte dann noch eines drauf, ein Karottenkuchen mit Zitronencreme, der war echt lecker. Der wurde aufgegessen, obwohl ich eigentlich schon genug hatte.

Während des Mittagessens fing es plötzlich zu schneien an. Ich holte mir sofort meine Jacke und war schon an Deck. Schneeflocken machen mich immer so glücklich. Wir hatten die Antarktis jetzt schon in allen möglichen Varianten erlebt, von Sonnenschein über Nebel, von stürmisch bis ganz ruhig, nun auch noch in einen Schneemantel gedeckt und das alles in nur 5 Tagen.

Nach dem Mittagessen war relaxen angesagt, oder für Alex schlafen und für mich Zeit, um am Blog zu schreiben, denn die Sicht war heute nicht besonders weit. Gegen 16:00 Uhr marschierten wir für die Snacks in den Barbereich und tratschen etwas mit unseren deutschen Freunden, wir lachen echt viel miteinander, weil Sebastian immer so lustige Meldungen schiebt. Vor unserem heutigem Landgang am Damoy Point gab es noch ein kurzes Briefing für morgen. Es gab gute und schlechte Nachrichten. Zuerst zu den guten: Der letzte Landgang würde um 8:00 Uhr morgens statt finden und dieser liegt auf Port Lockroy, ein ganz besonderer Ort. Warum? Dort befindet sich das südlichste Postamt der Welt und es nennt sich Pinguin Postamt. Ihr könnt euch vorstellen, dass das mein Herz höher schlagen lies. Ich diejenige, die auf jeder größeren Reise Postkarten an ihre liebsten verschickt, darf ins Pinguinpostamt am Ende der Welt. Das Gute ich hatte schon fast alle Karten in Ushuaia und Patagonien besorgt, das Schlechte noch keine einzige davon war geschrieben. Das würde eine kurze Nacht werden. Aber das waren eigenlicht nicht die schlechten Nachrichten. Martin zeigte uns dann die Wetterkarten für die Heimreise über die Drake Passage und die sahen alles andere als gut aus. Es waren zwei Stürme zwischen den Kontinenten unterwegs und unser Ziel war sich zuerst am einen außen vorbei, dann dazwischen durch zu kommen und wieder am anderen außen vorbei zukommen. Also ich stelle mir das quasi vor wie Slalom fahren. Ansonsten würde es vermutlich noch unbequemer werden als die Anreise, da die Wellen nun von einer anderen Richtung kommen und so das Schiff sicher eher vor und zurück bewegen würde als nach links und rechts zu schaukeln. Das alles könnte noch spannend werden. Aufgrund dessen benötigen wir auch mehr Zeit, da die Strecke dadurch natürlich auch länger wird. Das war der Grund, warum wir morgen schon bald die antarktische Region verlassen würden, um nicht direkt in den Sturm zu kommen. Keine guten Aussichten für uns und unsere Mägen. Aber es befindet sich ja auch Martins Zukünftige an Bord, dieser hatte er vor ein paar Tagen auch einen Antrag gemacht, somit denke ich, dass er nochmal besser auf uns Passagiere acht gibt und mache mir da Mal keine Sorgen. Wenn ihr das lest, haben wir den Drake Shake vermutlich schon überstanden.

Mit diesen Neuigkeiten ging es dann zu unserem heutigen Landing. Hierbei handelt es sich um eine britische Basis auch bekannt als Warteraum. Auf dem Land stehen zwei Hütten, eben diese eine britische und daneben eine argentinische Notfallhütte, die erst vor 6 Tagen restouriert wurde. Hier befinden sich Lebensmittel für, aus welchen Gründen auch immer, in Not befindlichen Personen. Die britische Hütte durften wir betreten, die argentinische nicht. Sonst hätten wir uns ja an den Lebensmittel bedienen können auch irgendwie verständlich. In der britischen sah man einen Küchen- und einen Schlafbereich und teilweise Ausrüstung aus den 70er und 80ern.

Auch Eselspinguine und ein Seebär leisteten uns dabei Gesellschaft. Das Schneefeld wies unterschiedliche Farbtöne auf, von rot über grün. Martin erklärte uns, dass unterschiedliche Algen dieses einfärben würden. Während des Landgangs begann es leider zu regnen, so dass wir doch ganz schön nass wurden. Prinzipiell egal, aber es war ja nun Zeit für unseren Polar Plunge.

Die Passagiere, die nicht ins kalte Wasser springen wollten, gingen zuerst an Land. Anschließend wurden Gruppen von 8 Personen gebildet, die jeweils miteinander den Sprung wagten. Am Boden wurden zwei Planen ausgebreitet, darauf konnte man sein Gewand legen und dann ab ins Wasser. Danach bekam man von einer der Guides ein Handtuch gereicht, sollte sich schnell anziehen und ins Zodiac hüpfen, dass einen sofort an Land brachte. Deshalb durften immer nur 8 Personen gleichzeitig ins Wasser, damit wir nicht zu lange der Kälte ausgesetzt waren.

Wir waren eine der letzteren Gruppen und schauten zu Beginn mal den anderen zu, wie sie sich anstellten. Der Sprung ins kalte Wasser war für mich jetzt nicht so herausfordernd, aber mit dem Regen bzw. mittlerweile Schneefall war einfach alles nass. Ich hatte mein Drybag mit, da kamen alle Klamotten rein, die ich danach nicht mehr anziehen würde. Die restlichen Sachen wickelte ich in meinen Polarparker auf der Plane ein, um sie so gut wie möglich trocken zu halten. Alex und ich gingen mit Fabio und Jasmin ins Wasser und baten einige unserer Mitreisenden darum Fotos und Videos zu machen. So ein Moment gehört ja festgehalten, das macht man bestimmt nur einmal im Leben.

Nachdem wir alle in unseren Badeklamotten waren ging es mit Badeschlapfen ins Wasser. Jasmin und ich waren vor den beiden Jungs drinnen. Das Wasser war erfrischend und bestimmt ist irgendwo ein Pinguin um uns herum geschwommen. Nach dem Gruppenbild beeilten wir uns heraus zu kommen, was gar nicht so einfach ist, wenn du deine Füße nicht mehr spürst. Das Gefühl kannte ich ja schon vom Eisbaden, aber da kam ich schneller ins warme Auto.

Nächste Challenge bei Schneefall mit nassem Bikini die Klamotten wieder anziehen. Ich entschied mich für eine Jogginghose mit wasserfester Hose darüber und meinen zwei Westen mit dem Polarparker. In die dicksten Socken versuchte ich noch meine Zehen einzupacken und dann irgendwie in die Stiefel zu kommen. Es klappte erstaunlicherweise gar nicht so schlecht. Ich war sogar als erste von uns im Zodiac und bereit zur Abfahrt. Solange hatte gefühlt noch keine Rückfahrt zum Schiff gedauert, aber wir saßen ja alle wortwörtlich im selben Boot. An Land durfte ich als erste in die Dusche, wobei das “warme” Wasser die Hölle für meine Zehen war. Das war ja nicht mal wirklich warmes Wasser, aber meine Zehen brannten wie Feuer. Das hatte ich beim Eisbaden so nicht in Erinnerung. Aber ich will hier jetzt niemandem einen Polar Plunge verderben, die Erfahrung war echt genial und ich würde es definitiv nochmal machen. Wie oft bekommst du im Leben die Chance mit Pinguinen zu plantschen?

Als Alex duschen war, hatten wir auf unserem Teil des Schiffes einen Stromausfall, der bis nach dem Essen andauerte. Alex baute noch eine Wäscheleine aus Panzertape. Ich bin echt erstaunt für was das Zeug alles gut ist. Das wurde vom Kasten zur Heizung gespannt und alle kleinen Kleidungsstücke darüber gehängt. Die größeren kamen auf Kleiderbügel und wurden auf Kästen und Rauchmelder gehängt. Wir waren ja mittlerweile schon Profis was das Improvisieren beim Wäsche aufhängen anging. Aber der Großteil sollte bis morgen trocken sein, erstens für den Landgang und zweitens mussten wir ja alles für den Drake Shake verstauen, sonst versinken wir im Chaos.

Zum Essen gabs heute Couscous mit Gemüse als Vorspeise, Nudeln mit Pomodoro Sauce für alle und zur Nachspeise Mango und Pfirsich Kompott. Diesmal gab es kein Fleischgericht, das war zum ersten Mal der Fall. Vielleicht lag es daran, da auch Teile der Crew an Land gingen, um am Polar Plunge teilzunehmen. Wir saßen wieder bei Matt, dem Amerikaner aus Ohio. Er fasziniert mich irgendwie, da er sein Geld zum Reisen mit seiner Musik verdient. Er ist ja Chemiker und kann von überall aus arbeiten. Aber sein Reisebudget deckt er mit seinen Auftritten, welche er in Pubs in seiner Umgebung gibt. Diese sind schon für das ganze Jahre geplant, er hat mir seinen Plan gezeigt. Ich meinte nur, wenn ich es irgendwann mal nach Ohio schaffe, werde ich ihn in einem Pub besuchen. Das wäre echt cool ihn da spielen zu sehen.

Nach dem Essen wurden an der Bar noch fleißig Postkarten gekauft. Ich trank mit Alex zum Abschluss einen HoouuHouu, wie Fabian ihn nennen würde. Es war ein Malibu mit Ananas-Saft, wobei der wohl eher mehr meinen Geschmack traf. Anschließend gab es noch eine Talentshow oder eine Singeinlage von Fabian und Tanzauftritte von uns allen als Gruppe. Es wurde Macarena getanzt und versucht in Michael Jacksons Fußstapfen zu treten bei Thriller. Das war aber alles andere als ein schöner Anblick vermute ich. Doch wir hatten Spaß und das zählt. Zum Abschluss machten wir noch ein Gruppenfoto und ein Bild mit Fabian als Orka verkleidet.


Danach saßen wir noch etwas mit unseren deutschen Freunden beisammen und schrieben in das Gästebuch der MS Ushuaia ein, wobei Fabian es ja “Book of Love” nennt. Fabio zeichnete, ich schrieb, der Rest unterschrieb.

Dann war es an der Zeit meine Postkarten zu schreiben, was eventuell bis 3:00 Uhr früh dauerte, aber ich hatte ja während des Drake Shakes genug Zeit zumindest zu liegen, denn mit Schlafen schaut es vermutlich schlecht aus. Zum Munter werden ging ich in der Halbzeit mal kurz ans Deck und erblickte sogar ein paar Sterne. Das war ein schöner letzter Abend in der Antarktis.

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