“Good Morning dear passengers, this is Martin”..so starten wir hier täglich in den Tag. Ich werde den Weckruf echt vermissen, vielleicht sollte ich ihn aufnehmen und mir als Weckton einstellen. Dann habe ich zu Hause auch noch was vom Schiffsfeeling. Mittlerweile finde ich das sanfte Schaukeln echt angenehm, das wiegt einen schon irgendwie in den Schlaf. So dass ich mittlerweile sofort mitbekomme, wenn wir stoppen.
Nach dem Frühstück stand der nächste Landgang an, diesmal wieder auf eine Insel, genannt Hydrurga Rocks. Eigentlich war das mehr ein großer zusammengeschlossener Steinhaufen. Wir landeten genau neben ein paar chillenden Seebären an, die es nicht viel zu kümmern schien, dass wir sie besuchten. Jedoch war trotzdem Vorsicht geboten und ein Abstand von mindestens 15m einzuhalten.





Entlang der doch sehr rutschigen Steine aufgrund des Pinguin-Kots, der hier überall herum lag, stand auch die Schiffsärztin parat, um vor allem dem älteren Publikum Hilfestellung im Bedarfsfall zu geben. Also immer und überall wird sehr auf unsere Sicherheit geschaut. Hier trafen wir auf Zügelpinguine, welche von allen die dreckigsten schienen oder zu gut deutsch wirkten sie etwas wie “Saubadln”. Die meisten von ihnen waren wirklich komplett angeschissen und es schien ihnen auch nichts auszumachen. Das sei so während der Brut- und Mauserzeit, da sie hier weniger ins Wasser gehen. Ganz oben auf den Steinen befanden sich Kormorane. Von weitem gar nicht so leicht von den Pinguinen zu unterscheiden. Aber mit dem mitgebrachtem Fernglas funktionierte es super.









Am Ende des Bereichs auf dem wir uns bewegen durften, befand sich ein Schneefeld. Von hier sahen wir wieder einige Seebären und auch zwei Weddellrobben im Wasser. Jungtiere werden das erste Monat komplett mit Milch gefüttert, danach wird ihnen das Jagen im Meer beigebracht. Diese Robbenart bleibt das ganze Jahr über in der Antarktis, im Winter werden von den Männchen Atmungslöcher in das Eis gearbeitet. Da sich ein Männchen mit bis zu 10 Weibchen paart, haben diese ordentlich zu tun diese zu errichten und anschließend auch in Stand zu halten. Bis zu 2 Stunden können die Tiere unter Wasser bleiben. Außerdem geben sie einen ganz bestimmten Sound von sich, den wir später von Verena, einem Guide, vorgespielt bekamen. Bei den Robben gibt es übrigens welche, die richtig robben und andere die mehr “gehen”. Die Namensbezeichnungen sind aber in den unterschiedlichen Sprachen etwas verwirrend. Der Seebär “geht” heißt aber im Englischen “fur seal”, was soviel wie Pelzrobbe zu deutsch heißt. Die beiden unter Wasser gingen leider nicht an Land, aber als wir mit dem Zodiac zurück zum Schiff unterwegs waren, hielt der Fahrer an einem schlafenden Tier an, ihr Fell ist leicht gepunktet.

Bevor wir aber ins Zodiac stiegen, entdeckte ich noch einen Eselspinguin, der sich hier zu den Zügelpinguinen als Tourist dazu geschummelt hatte. Allgemein waren die Zügelpinguine nicht ganz so lustig wie die Eselspinguine, aber zusehen könnte ich diesen auch stundenlang. Als wir über die rutschigen Steine zurück marschierten, querte noch ein Seebär unseren Weg. Da schritt Martin, der Expeditionsleiter, sofort ein, nahm zwei Steine in die Hand und versuchte ihn von uns wegzutreiben bzw. von uns fernzuhalten. Wir wichen langsam ein paar Meter zurück, um das Tier nicht an seinem Weg zu hindern. Hier hatte ich echt kurz Respekt, denn der Seebär stand direkt vor uns. Aber die Situation wurde schnell entschärft.






Zurück am Schiff wurde heute nicht nur nach unsere Schwimmwestennummer gefragt, sondern unsere Stiefel wurden auch abgekärchert, um den ganzen Pinguindreck von den Schuhen zu bekommen. Ich finde übrigens nicht, dass unsere Kabine nach diesem stinkt. Klar man riecht es kurz nach dem Landgang etwas, aber so wie die Deutschen uns das im Torres del Paine erzählt hatten, war es definitiv nicht. Da mussten Menschen wieder Mal gnadenlos Situationen übertreiben und auf die negativen Dinge eingehen. Also wer vor hat in die Antarktis zu reisen, lasst euch nicht von solchen Erzählungen abschrecken. Der Geruch ist echt erträglich und ich bin was das angeht normalerweise sehr empfindlich. Unsere wasserdichten Hosen ließen wir aber diesmal auch am Gang auf den Geländern zum Trocknen hängen.


Zu Mittag wurde heute Gemüsesuppe, gebackene Melanzani mit Kartoffelpüree und Crema Catalana serviert. Bis auf die halbe Nachspeise habe ich alles verputzt. Das Tofuangebot schien langsam zurück zu gehen und auch die Pilze wurden weniger.



Gegen 14:00 Uhr war es wieder Zeit für die nächste Zodiactour. Um ehrlich zu sein, gefielen mir die fast besser als die Landgänge, weil du den Buckelwalen echt nahe kommen kannst. Ich zog heute, wo es den ersten Tag komplett zugezogen war, noch eine Schicht mehr an. Ich habe euch da Mal ein paar Bilder gemacht, wie mein antarktischer Zwiebellook perfektioniert wurde, wobei 3 paar Socken und die Wärmepads bei den Stiefel echt nichts nützen, die Zehen kühlen einfach so schnell aus. Aber das gehört ja auch irgendwie zum Antarktis Feeling dazu.




Die Zodiactour erfolgte in Charlotte Bay, wo wir nahe an einen Gletscher ran fuhren. Auch hier waren wir wieder von Buckelwalen umgeben, wobei wir gegen Ende sogar zwei nebeneinander schlafende entdeckten. Diese treiben einfach an der Oberfläche und atmen alle paar Minuten aus ihren riesigen Blaslöchern aus, welche man hier richtig gut betrachten konnte. Leider ist das alles immer sehr schwierig bildlich festzuhalten, dazu bräuchte man doch bessere Fotographieausrüstung. Vielleicht muss ich mich mit dem Thema mal genauer beschäftigen.




Die zusätzliche Schicht Gewand war auf jeden Fall kein Fehler, denn im letzten Drittel der Tour hatte es dann zu regnen begonnen und der Wind zog etwas an.








Zurück am Schiff wärmte ich mich nach der heißen Duschen von innen mit Kamillentee wieder auf und genoss einen Brownie dazu. Diese Nachmittagsbrownies werde ich auch vermissen. Vorm Abendessen arbeitete Alex noch und schlief dabei auch kurz ein. Ich musst einiges an Fotos und Videos aussortieren, da der Speicherplatz von meinem Handy schon zum zweiten Mal zum Übergehen drohte. Alex hatte gestern schon einiges an Bildern auf seinen Laptop gezogen und heute musste er nochmal was rüberkopieren. Ich dachte echt ich komme aus damit, aber Alex hat die Bildqualität auf meinem Iphone hochgedreht, jetzt brauchen alle Bilder so viel Platz, das wird nach der Reise vermutlich wieder geändert.




Während die andere Gruppe mit den Zodiacs draußen war, nutzte ich die Zeit, um auf die Brücke zu schauen. Ich hatte einen echt guten Moment erwischt, der Kapitän und Adrian waren gerade allein oben. Ich fragte nach dem Eisbergradar und unterhielt mich dann sicher ein Viertelstunde mit dem Kapitän. Er erklärte mir die unterschiedlichen Monitore, die hier überall zu sehen waren. Von der Antenne am Schiff gehen Schallwellen weg, welche auf unterschiedliche Oberflächen prallen. Je nachdem kommt ein unterschiedlich großes Signal zurück. So entstehen auf dem Monitor unten die roten Flecken. Der Teil auf der rechten Seite stellt die Küste dar. Die Punkte in der Mitte in unserem Fall Eisberge. Jedoch kann man anhand des Monitors nicht sagen, um was genau es sich handelt, sondern nur dass dort etwas ist. Der Rest wird dann visuell und mit den nautischen Karten abgeglichen. Befinden sich mehrere Objekte hintereinander, muss das dahinter natürlich größer sein, um auf dem Monitor darstellbar zu sein. Dieser zeigt auch den Winkel zum Schiff und die Entfernung an.

Er zeigte mir auch die nautischen Karten, die wirklich wie Landkarten aussehen. Wenn Kapitänen oder Offizieren Änderungen auffallen, müssen diese eingetragen werden. Das wird anschließend gemeldet und dann wird offiziell entschieden, ob Änderungen in den offiziellen Karten vorgenommen werden. Das alles gibt es auch digital, denn die Produktion dieser Karten wurde mittlerweile eingestellt. Für die digitale Version gibt es dann Updates, wo man einfach den USB Stick ansteckt und dieses hochlädt. Für die Ausbildung müsse man mal drei Jahre studieren und anschließend ein Jahr auf einem Schiff lernen. Hier spielt Erfahrung bestimmt eine große Rolle. Der Kapitän selbst macht diese Antarktis Touren nun schon seit 7 Jahren. Er meinte auch, dass dies hier auf jeden Fall eine sehr spannende Gegend sei, da du nie weißt, wie viel Eisberge auf dich zukommen. Dabei bekommen die Neulinge eher die Tagschichten, damit sie jederzeit beim Kapitän oder anderen Offizieren im Bedarfsfall um Hilfe bitten können. Zwei von den Nachtschichten machen täglich der Kapitän und Adrian. Ich war echt erstaunt, wie viel Zeit er sich genommen hatte, mir das alles zu erklären. Da habe ich echt einen guten Moment erwischt.

Vor dem Abendessen wurde uns kurz noch etwas über die Gletscher und die Entstehung der Eisberge erklärt. Letztere erhalten ihre unterschiedlichen Formen aufgrund von den unterschiedlichen Einwirkungen von Wasser, Wind und Sonneneinstrahlung. Es gäbe zwar gewisse Anzeichen bevor Gletscher kalben, wie das Knacken, aber man kann sich nie komplett sicher sein. Auch die Bewegungen von Eisbergen kannst du nicht einschätzen, somit besteht hier immer größtes Risiko sich in die Nähe dieser zu begeben. Auch unser Programm für morgen wurde uns vor dem Essen noch gezeigt. Plan wäre eine Zodiactour in der Patagonia Bay am Vormittag, wobei wir wieder in der zweiten Gruppe waren. Am Nachmittag stünde ein Landgang (Damoy Point) inklusive Polar Plunge an. Dieser Polar Plunge würde an Land statt finden, sprich immer in Gruppen von 8 Leuten: ausziehen, ins Wasser gehen, anziehen und sofort mit dem Zodiac zum Schiff gebracht werden. Jeder der an diesem teilnehmen möchte, muss eine Einverständniserklärung mit all den möglichen Risikos unterschreiben. Sebastian hatte natürlich ein Foto davon gemacht, er müsste das später noch durchlesen, was er da unterzeichnet hat. Ich meinte nur, ich unterschreibe das blind, das ist mir die Mühe nicht wert, das Team hier weiß schon ganz genau was es mit uns macht. Das könnte aber eine ordentliche Challenge werden. Zuerst einen normalen Landgang mit einem Besuch einer Hütte durchführen, es gibt auch Pinguinkolonien dort, somit vergeht dafür bestimmt schon eine Stunde. Also gehst du schon mal leicht fröstelnd zum “Strand”, wo du dich dann bei den Temperaturen hier ausziehst, freiwillig ins Wasser gehst, mit nassen Badeklamotten zum Schiff gebracht wirst und vermutlich insgesamt noch eine Viertelstunde brauchst bis du unter der heißen Dusche stehst. Das klingt alles nicht sehr einladend, ich dachte, wir können alle vom Schiff kurz rein und sofort gehts unter die Dusche, aber okay soll mir auch recht sein, Herausforderung angenommen.

Bei der Durchsage für den Start des Abendessens hatte sich Fabian heute weitere sprachliche Unterstützung geholt. Sie wurde von unterschiedlichen Passagieren in deren Muttersprachen gemacht. Sie lassen sich hier echt dauernd etwas einfallen. Beim Essen saßen wir wieder bei Fabio und Jasmin und zwei freundlichen Chinesinnen. Eine von ihnen hatte heute Geburtstag, sie wurde 33. Es gab mit Gemüse gefüllte Tomate, Reis mit Gemüse und Tofu und als Nachspeise etwas komisches aus Kokos und Trüffel. Die Nachspeise wurde gegen eine Portion Obst getauscht. Anschließend gingen wir in die Kabine. Alex hatte heute noch einiges zu arbeiten, während mir aufgrund meiner gestrigen doch längeren “Nachtschicht” schon gegen 23:00 Uhr die Augen zu fielen. Ich wurde gegen 2:00 Uhr wach, da war Alex noch immer am arbeiten. Der wird morgen sicher wieder mal eine Nachmittagsschläfchen benötigen.








