Diese Nacht habe ich endlich ruhig geschlafen, da das Schiff komplett still stand ab ca. Mitternacht. Gegen 6:30 Uhr wurden wir wieder freundlich vom Expeditionsleiter geweckt, hierbei ertönt als erstes immer ein Lied im Lautsprecher und dann folgt der Weckruf. Heute freute ich mich schon richtig aufs Frühstück, endlich war es vorbei mit dem wilden Wellengang, dachte ich zumindest zu diesem Zeitpunkt noch. Alle Decks waren auch schon geöffnet, somit war mein erster Weg noch vorm Speisesaal, draußen frische Luft schnappen. Außerdem hatte ich schon vom Kabinenfenster aus den ersten Wal entdeckt, klar, dass mich nichts mehr im Bett hielt. Das Gefühl mitten in der Antarktis am Deck zu stehen von schwimmenden Eisbergen und Gletschern umgegeben, ist kaum zu beschreiben. Man sieht kein anderes Schiff, nur unsere M/S Ushuaia und nichts außer Stille. Das Wetter war noch etwas bewölkter, aber ich fand es zu diesem Zeitpunkt schon ganz okay.



Nach dem Frühstück war es dann endlich soweit, unser erster Landgang stand an. Während ich beobachtete, wie die Zodiacs vom Schiff mittels Kran ins Wasser gehoben wurden, konnte ich Wale und auch Pinguine im Meer bestaunen. Ja wirklich bestaunen, diese Momente holen mir immer den Atem.



Wir machten uns fertig für den Landgang, für mich hieß das zwei paar Socken, lange Unterwäsche, Fleeceweste, Fleeceschal, Haube, Jogginghose, darüber wasserdichte Hose und natürlich mein Polarparker. Meine Handschuhe mit denen sich auch das Handy bedienen lässt, wurden noch mit Wärmepads aufgepeppt, genauso wie auch die Gummistiefel mit Wärmepads versehen wurden. Es war hier eigentlich nicht so richtig kalt, wir hatten Temperaturen knapp unter dem Nullpunkt, aber ich wollte einfach nicht frieren, sondern nur genießen. Wir marschierten mit Fernglas und Schwimmweste bewaffnet zum Einstiegspunkt für die Zodiacs. Davor mussten alle noch durch das Desinfektionsbad hindurch, zwei aufeinander folgende Becken. Danach stellten wir uns in Reihen mit je 8-9 Personen an, so viele durften in einem Schlauchboot Platz nehmen. Hier sei zu erwähnen, dass wirklich alles sehr gesittet zuging, kein Drängen und allgemein waren alle sehr ruhig. Wir waren in einen der ersten Zodiacs, die an Land kamen, die Fahrt zur Insel (Cuverville Island) war für mich schon spektakulär, dem Eis so nahe zu sein und auch Pinguine sprangen neben uns her.



Von der Weite konnte man schon die riesige Pinguinkolonie sehen und dann auch riechen. Ich fand es aber weit weniger schlimm als in einem Hühnerstall, denn zumindest waren wir ja in der frischen Luft. Das Wetter zeigte sich nun übrigens von der besten Seite, strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. An Land wurde uns aus den Booten geholfen und Martin erklärte uns, wo wir uns aufhalten durften. Mit Verkehrshütchen war der begehbare Bereich abgegrenzt und an jeder Ecke stand ein Guide.




Es handelt sich hierbei um Eselspinguine und auch ein paar Seebären konnten wir an der Küste liegend entdecken. Wir marschierten den ganzen Bereich ab. Diese Pinguine sind einfach so niedlich. Wir hatten zwei Stunden Zeit, da konnten wir neben den vielen Fotos und Videos, die wir machten auch die Zeit wirklich genießen und einfach nur die Tiere beobachten. Die helleren Tiere waren die Jungtiere, die gerade dabei waren ihren ersten Federwechsel zu durchleben, bis dieser erledigt ist, werden sie von den Eltern gefüttert, da sie noch nicht ins Wasser gehen können. Erst wenn sie ihr erstes richtiges wasserdichtes Federkleid besitzen, können sie alleine auf Futtersuche gehen. Man kann die jungen Eselspinguine nach den Eltern schreien hören, welche wirklich nur ihr eigenes Jungtier füttern.






Teilweise waren auch ältere Tiere in der Mauser. Hier sind sie besonderem Stress ausgesetzt und fühlen sich leichter bedrängt. Die Jungtiere liefen öfter auf uns Menschen zu und zwei packten sogar mit ihren Schnäbel an den Hosen anderer Passagiere. Wenn die Pinguine gehen, strecken sie beide Flügel auf die Seite um ihre Balance zu halten. Auch die Bauweise der Nester konnte man erkennen, da einige auf Steinbergen lagen.



Was mich besonders erstaunte waren die Pinguine, die schneebedeckte Steilhänge weiter im inneren der Insel hochwanderten. Wie die das mit ihrer tollpatschigen Art schaffen, ist für mich ein Rätsel. Im Wasser hingegen sind sie so flink und schnell, das glaubt man gar nicht. Ich hatte auch meinen eigenen kleinen selbstgemachten Pinguin mit, den ich vor ziemlich genau 8 Jahren von meinen ehemaligen Arbeitskollegen in Linz geschenkt bekommen habe zum Austritt aus dem Team. Seit dem schmückt er meinen Schlüsselanhänger für meine jetzige Arbeitsstelle.


Wir hatten auch besonderes Glück, da wir einen grauen Pinguin zu sehen bekamen. Erst dachten wir, es sei ein Albino, aber es handelt sich hierbei, um ein anderes Phänomen und zwar eine Pigmentstörung. Also um eine genetische Mutation, die das Fehlen von Melanozyten verursacht. Beim Albinismus hingegen kommt es zu einem vollständigen Pigmentmangel. Die Häufigkeit liegt bei 1:20000.


Auch riesige Walknochen, die am Strand verteilt rumlagen, konnten wir bestaunen. Im allgemeinen war der Strand voll mit Pinguinen, die auch immer wieder unseren Weg kreuzten. Nach zwei Stunden brachte uns ein Zodiac wieder zurück an Bord, wo uns nochmal ein paar der Pinguine begleiteten.


An Deck wurde zuerst unsere Schwimmwestennummer gecheckt, damit klar war, dass wir wieder zurück waren. Diese war zuvor beim Betreten des Schlauchboots auch abgehakt worden. Danach wurden die Stiefel gereinigt. Diese ließen wir vor unserer Kabinentüre stehen. Nun standen überall auf den Gängen die Stiefel herum, gab irgendwie ein witziges Bild ab.


Für den restlichen Tag war “nur” noch die Befahrung der Gerlache Straße und dann weiter Richtung südlichen Polarkreis geplant. Wir verbrachten heute sehr viel Zeit an Deck, genossen das halbwegs windstille Wetter, den schönen Ausblick und die Ruhe. Vor dem Mittagessen wurden wir noch mit einer Walsichtung belohnt. Das war ganz speziell, ein Buckelwal befand sich inmitten von einer Gruppe Orka. Der Buckelwal schlug seine Schwanzflosse immer und immer wieder auf die Wasseroberfläche. Einer unserer Guides, vermutete, dass es sich um ein jüngeres Tier handelte, welches sich von den Orkas bedroht fühlte und sich somit schützen wollte. Der Anblick war echt unbegreiflich magisch.




Zum Mittagessen saßen wir bei einem älteren Pärchen aus Südtirol. Also konnten wir endlich mal wieder mit anderen sprechen, so wie uns der Schnabel gewachsen war, eben in Mundart. Ihr Sohn ist mit einer Argentinierin verheiratet, deshalb waren sie schon oft hier und diesmal nahmen sie eben die Antarktis mit. Ein ganz nettes und witziges Pärchen. Zum Essen gab es Gemüsesuppe, Tofu mit Gemüse und “Brotpudding” als Nachspeise. Die Suppe war das Beste daran, der Kuchen wanderte 1:1 zu Alex rüber. Alex vergaß sein Fernglas am Tisch, erhielt es aber nachmittags wieder. Es gibt hier übrigens ein Lost and Found Regal, für Dinge die verloren gingen und gefunden wurden.



Die Highlights des Nachmittags bestanden aus Eisbergen unterschiedlicher Formationen und Größen. Zwischen den Deckbesuchen, legte ich mich immer wieder kurz hin zum Aufwärmen. Dann wurde uns verkündet, dass es nun wieder auf offenere See gehe und es wieder zu unruhigeren Passagen kommen konnte. Auch die Decks wurden wieder verschlossen. Ich dachte mir bitte nicht schon wieder. Ich vermutete, dass um diese Zeit wieder Adrian im Dienst war, also lief ich zur Brücke hoch, um nachzufragen was auf uns zukommen würde. Er meinte maximal 3m hohe Wellen, das Boot sei halt sehr klein und bewege sich schnell mal, aber er rechnet nicht mit mehr als 5 Grad Neigung. Also harmlos im Vergleich zum Drake Shake. Alex nahm aber trotzdem sicherheitshalber eine Tablette gegen die Seekrankheit.





Vor dem Abendessen wurde der heutige Tag nochmal zusammengefasst und auf die Tiere eingegangen, die wir gesehen hatten. Mit Orkas hätten sie nämlich gar nicht gerechnet, da auf den letzten Tripps keine zu sehen waren. Es gibt 16 verschieden Orkatypen, wobei wir heute den TypB2 zu Gesicht bekamen. Orkas sind extreme Gruppentiere, diese wird immer von der Großmutter geleitet Die Oma bringt ihnen das Knowhow über die Futtergebiete, das Jagdverhalten und Gefahrensituationen bei.

Auch das morgendliche Programm wurde vorgestellt. Erster Tagesordnungspunkt sollte die Passage des südlichen Polarkreises gegen 5:30 Uhr sein, dafür würde uns Martin kurz Bescheid geben. Danach wäre um 8:00 Uhr eine Landung auf Detaille Island, wo sich eine englische Forschungsstation befindet, geplant und als Highlight um 17:00 Uhr ein Continental Landing auf Prospect Point. Sprich wir sollten wirklich den antarktischen Kontinent betreten, natürlich das alles von den Witterungsbedingungen abhängig. Das wäre richtig toll, wenn ich morgen somit wirklich meinen 7. Kontinent erreiche.


Etwas mulmig gings dann zum Abendessen, wo wir mit Sebastian, einem der Deutschen, beisammen saßen. Salat zur Vorspeise, Omlette mit Kartoffelpüree und Reispudding als Nachspeise. Ich aß nur das Omlette ohne Püree und den Reispudding. Der war zwar etwas süß aber ganz okay, das Püree konnte ich mit dem flauen Gefühl im Magen nicht essen. Das war so ein klassisches Packerlpüree, was ich mir heute sparen wollte. Das Omlette hingegen war aber super gut.



Nach dem Essen ging es bald ins Bett, da das Schiff ohnehin schaukelte und wir gegen 5:30 Uhr den südlichen Polarkreis passieren sollten und das wollte ich auf keinen Fall verpassen. Vielleicht noch ein kleiner “Funfact”: beim Abendessen vorgestern flog einer der Passagiere bei einer Drake Shake Welle nach hinten, hatte so viel Wums, dass er durch eine der festen Außentüren krachte, so dass der Kapitän und Adrian kommen mussten, um diese Türe wieder irgendwie zuzubekommen. Da dabei etwas kaputt ging, wurde sie dann klassischer Weise irgendwie zu “gebandert”. Keine Sorge dem Passagier ist soweit nichts passiert.




