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Ab auf die M/V Ushuaia

Nach fast 14 Monaten waren es endlich soweit, heute sollten wir das Schiff in die Antarktis betreten. Wir starteten ganz gemütlich mit einem Frühstück in den Tag. Für ein Hostel war die Auswahl echt okay, Toast, Marmelade, Butter, Cornflakes, Obst, Käse und Schinken. Anschließend packten wir unsere Koffer zusammen, welche wir bis nachmittags im Hotel stehen ließen.

Zum Zeitvertreib bis zur Abreise liefen wir in Ushuaia herum, wobei wir die Souvenirshops nach der Reihe unsicher machten. Hier musst du echt Preise vergleichen, denn die sind teilweise um das Doppelte um. Es scheint als lebe die Stadt von Souvenirshops, auf der Hauptstraße in der Innenstadt war gefühlt jeder fünfte Shop einer davon. Wir verglichen aber nur und schauten was wir uns noch besorgen wollten, denn wir würden die Souvenirs nicht aufs Schiff mitnehmen, sondern erst danach kaufen. Mittags gönnten wir uns nochmal Sandwich und Spezialtoast für mich, wobei Alex auch noch darauf bestand mir einen Avocadotoast vorzustellen. Ich muss sogar zugeben, dass dieser voll okay war.

Gegen 15:00 Uhr holten wir das Gepäck vom Hotel und liefen damit den Berg hinunter. Beim Hafeneingang wurde unser Reisepass und das Ticket kontrolliert. Anschließend marschierten wir ohne Gepäckskontrolle einfach durch. Wir trafen beim Eingang schon auf zwei ältere Spanierinnen, die mit dem selben Schiff wie wir unterwegs sein sollten. Einen von innen sprach etwas Englisch, die andere versuchte sich später aber auch immer wieder mit mir zu unterhalten. Mit Hand und Fuß und etwas Bilder am Handy herzeigen, kamen wir gut zusammen. Mit unseren Koffern rollten wir ganz nach hinten am Pier, denn unser Schiff befand sich dort. Es war mit Abstand das kleinste und das war von mir bewusst so gewollt. Erstens weniger Menschen, was für mich immer gut ist, zweitens bedeutet das auch, dass wir alle gleichzeitig an Land gehen konnten. In der Antarktis gibt es nämlich das Gesetz, dass pro Schiff nur 100 Personen gleichzeitig an Land gehen dürfen und uns geht es ja nicht darum eine Schiffsreise zu machen, sondern so viele Eisberge und Antarktisbewohner wie möglich zu entdecken.

Da standen wir nun vor unserem zu Hause für die nächsten 11 Tage. Riesige Tanklaster betankten gerade das Schiff und wir warteten auf das Boarding. Schön langsam realisierte ich, dass sich bald einer meiner größten Träume verwirklichen wird. Dementsprechend ging mein Grinser für die nächsten Stunden nicht weg, da ich aus dem Staunen nicht herauskam. Unser Gepäck wurde dann von Crewmitgliedern mit unserer Kabinennummer versehen. Wir stiegen mit Handgepäck ein und erledigten drinnen den Check In. Unser Gepäck wurde von freundlichen Männern in unsere Kabine gebracht. Beim Check-In mussten wir den Reisepass abgeben, der wird bis zum Ende der Reise von ihnen verwahrt. Erfreulicherweise meinte die Dame dann so, dass sie ein Upgrade für uns hätte, da wir schon so früh gebucht haben. Wir hatten eigentlich die günstigste Variante gebucht, ein Zweibettzimmer mit Bullauge im unteren Deck mit geteiltem Badezimmer. Nun hatten wir ein Zweibettzimmer am oberen Deck mit Fenster und Privatbadezimmer. Wir konnten unser Glück kaum fassen, das beste Valentinstagsgeschenk ever. Also ein eigenes Bett für mich und Privatbadezimmer, was will man mehr?

Zusätzlich zu unserem Gepäck bekamen wir auch Leih-Gummistiefel ins Zimmer geliefert. Diese benötigen wir für die Anlandungen, die eigentlich immer nass erfolgen. Außerdem gab’s als Willkommensgruß eine kleine Packung mit Schokolade und eine Tüte mit Schlafsocken, Schlafmaske, Ohropacks etc. Ich tauscht gleich mal meine Milchschokolade gegen Alex dunkle Schokolade aus.

Ich befestigte sofort meine Druckpunktbänder an den Handgelenken und nahm vorbeugend Globuli gegen Seekrankheit, mal schauen, ob das hilft. Zur Not hatten wir genug Speibsackerl im Nachtkästchen.

Wir erkundeten anschließend das Schiff. Gegen 17:30 Uhr gab es einen Willkommensdrink und ein paar Snacks, inklusive einer Willkommenstorte. Wir machten auch gleich Bekanntschaft mit einem Influenzer aus Buenos Aires und einer jungen Dame aus Florida, die vor ihrem 30igsten Geburtstag alle 7 Kontinenten besucht haben wollte. Wir klatschten gleich beide ein, da die Antarktis für mich auch den 7ten Kontinent darstellen wird. Während des Willkommensdrinks bergrüßte uns das Expeditionsteam mit Vorstellung, welches aus zwei Männern und vier Damen bestand. Sie würden versuchen für uns die Reise unvergesslich zu machen. Jeder hatte seinen Zuständigkeitsbereich, z.B.: eine mehr für geschichtliche Themen, einer war Vogelspezialist, eine Säugetierspezialistin etc. Auch der Barkeeper und auch gleichzeitig Entertainer begrüßte uns, mit ihm werden wir bestimmt noch viel lachen. Eine Ärztin aus Panama war auch mit an Bord, sie ist für unser gesundheitliches Wohl zuständig.

Kurz nach 18:00 Uhr legte dann die M/V Ushuaia vom Hafen ab. Das erlebten wir natürlich live am Deck des Schiffes mit, wo uns ein kleiner Regenbogen den Anblick noch verschönerte. Jetzt hieß es Kontrolle abgeben und vollsten Vertrauen an das gesamte Team, welches aus rund 40 Mitarbeitern besteht. Unsere Route habe ich euch auch abgebildet, natürlich ist diese wetterabhängig und wird an die Gegebenheiten angepasst.

Anschließend gab es eine erste Sicherheitseinweisung inklusive Sicherheitsübung. Das Schiff stammt übrigens aus den 70ern und wurde früher als Forschungsschiff genutzt, dadurch kann es auch in raueren Gewässern gut zurecht kommen. Was nicht bedeutet, dass sich die Passagiere dabei deshalb besser fühlen. Seit 2001 führt unser Touranbieter, Antarpply Expeditions, Expeditionen in die Antarktis damit durch. Auch bezüglich der uns bevorstehenden Drake Passage wurden uns die Witterungsbedingungen mitgeteilt, es würde voraussichtlich zu einem Drake Shake kommen, also beginnend gegen Mitternacht mit bis zu 4m hohen Wellen, die sich dann auf 6m hohe Wellen erhöhen würden, bevor es wieder ruhiger werden würde. Der Spaß sollte 1,5 Tage dauern. Aufgrund der Hoch- und Tiefdruckgebietlage hier, gehört dieses Gewässer zu einem der wildesten, die befahren werden können. Die Ärztin riet uns allen zu Tabletten gegen Seekrankheit, welche wir alle 12 Stunden nehmen sollten. Wir würden es aber mit unseren pflanzlichen Pflastern gegen Seekrankheit, die wir nach dem Abendessen auf Ohren und Bauchnabel geklebt haben probieren. Die akzeptierte sie auch als Alternative. Der medizinische Service war tagsüber kostenlos, nur nachts musste man für Notfälle bezahlen.

Was die nächsten Tage noch wichtig sein würde: Bei den Essenszeiten immer pünktlich sein, die 90 Passagiere würden immer in einer Stunde abgefüttert werden, wer zu spät kommt, hat Pech gehabt. Außer beim Frühstück, denn hier gibt es Buffet. Wir werden in den nächsten Tagen als Familie zusammen wachsen, also man muss nicht immer am selben Platz im Esszimmer sitzen. Vormittags wird das Zimmer geputzt, die Handtücher sollten wir, wenn möglich die ganze Fahrt lang verwenden, da wir keine große Wäscherei mit an Bord haben, auch klar. Während der Drake Passage dürfen wir nicht duschen und müssen alle unsere zerbrechlichen Dinge gut verstauen. Beim Türen öffnen immer auf die Finger achten und nicht in die Türrahmen greifen, denn das Schiff würde die Türen ohnehin hinter uns zu machen. Wenn wir uns am Schiff bewegen würden, zumindest auch während der Drake Passage, alle Dinge in einen Rucksack packen, damit man zwei freie Hände zum Festhalten hat. Vor allem bei den Stufen müssen wir uns an den Geländern anhalten. Die Heizung nur aufdrehen, wenn wir im Zimmer sind und nichts darauf legen, sonst könnten wir ein Feuer verursachen. Außerdem haben wir einen eigenen Wassertank mit, der für 4-5 Tage reichen wird. Anschließend wird mittels Filteranlage selbst Wasser produziert, das jedoch dann anders schmecken wird, da es keine Mineralien mehr enthält. Hierzu wurde uns empfohlen, ab diesem Zeitpunkt täglich einen Tee zu trinken, um den Bedarf dieser so zu decken. Einige Telefonnummern (vom Barmann, von der Medizinerin etc.) wurden uns noch genannt, wobei wir die Nummer für die Kapitänsbrücke nur im Notfall wie Feuerausbruch wählen dürften. Übrigens herrscht hier das Prinzip der offenen Brücke, sprich tagsüber könnten wir dort jederzeit vorbei schauen.

So bevor wir das Ende des Beagle Kannels erreichten, mussten wir noch eine Sicherheitsübung durchführen. Dazu marschierten wir alle aufs Zimmer, warteten das der Alarm ertönte. Dann packten wir unsere warme Jacke und die Schwimmweste und gingen damit in die Bar. Dort wurden wir anhand unserer Zimmernummer in zwei Bereiche geteilt, die geraden Nummern auf die linke, die ungeraden auf die rechte Seite. Wir zogen uns die Schwimmwesten über den Kopf, welche auch mit einer Pfeife versehen waren. Anschließend marschierten wir in einer Schlange, wo wir uns mit einem Arm am Vordermann festhielten mit unserem Guide hinaus zum Rettungsboot, wo uns das Prozedere dort erklärt wurde. In diesen Rettungsbooten gab es Verpflegung für 6 Tage und Fischereiausrüstung.

Nach dem ganzen Prozedere brachten wir die Schwimmweste wieder zurück aufs Zimmer und gingen anschließend zum Abendessen. Wir saßen mit einer Deutschen aus Leipzig und dem argentinischen Influenzer am Tisch. Es stellte sich heraus, dass die Dame eine Chemikerin war. Also fand ich am anderen Ende der Welt gleich mal wieder wen, der auch im Labor tätig war. Schon spannend, dass sich immer wieder meine Wege mit Gleichgesinnten kreuzen. Beim Essen outete ich mich als Vegetarierin, somit gab es für mich statt Hähnchen Sojalaibchen mit Kartoffelpüree und als Vorspeise Karottensuppe. Die Nachspeise verweigerte ich, es gab Weinschaumeis, was meinen Geschmack nicht wirklich traf. Sogar Alex ließ das stehen. Die Deutsche hatte ähnlich wie wir diese Tour gewählt, um den südlichen Polarkreis zu überqueren, denn auch sie hatte den nördlichen schon passiert. Ich zeigte ihr sogleich meine Tätowierung und sie war total begeistert davon. Sie feierte auch, dass Alex und ich kein Paar sind und nur gemeinsam verreisen, denn sie hatte das mit einem Freund von ihr auch so praktiziert und verstand uns komplett.

Nach dem Essen organisierten wir uns noch Internet, das am Schiff verkauft wurde bzw. baute Alex seine Starlink-Schüssel an unserem Fenster auf. Das funktionierte sogar erstaunlicherweise, aber halt nur im Zimmer. Wir duschten dann beide noch, bevor es nicht mehr möglich war und machten unser Hab und Gut fertig für den Drake Shake. Ich schrieb an meinem Blog, wobei sich das Schiff immer mehr in Bewegung setzte. Gegen Mitternacht spürte man schon, dass wir den Beagle Kanal verlassen hatten. Dies könnte wiederum eine spannende Nacht für mich werden. Beim Schreiben versuchte ich noch mit Ingwerkaugummi aufkommende Symptome zu lindern, mal sehen wie wir den Drake Shake überstehen. Alex schlief schon seelenruhig neben mir, was ich jetzt auch gleich versuchen werde.

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